Strategischer EU-Kanada-Plan: Trump droht mit hohen Zöllen gegen Europa
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 01:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
US-PrÀsident Donald Trump hat der EuropÀischen Union im Streit um eine geplante engere Zusammenarbeit mit Kanada mit neuen HandelsbeschrÀnkungen gedroht.
Trump warnt vor hohen Zöllen gegen Europa
Trump reagierte auf den Vorschlag von EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen, Kanada zum ersten âassoziierten Mitgliedâ der EuropĂ€ischen Union zu machen, mit scharfer Kritik. Er halte die Idee fĂŒr âlĂ€cherlichâ, sagte er vor Reportern. Sollte er den Schritt als âfeindseligen Aktâ bewerten, drohte er, sehr hohe Zölle gegen Europa zu verhĂ€ngen oder den Handel mit der EU in vielen Bereichen einzustellen.
Der US-PrĂ€sident fĂŒgte hinzu, dass eine engere Zusammenarbeit mit Kanada aus seiner Sicht akzeptabel wĂ€re, falls sie in âguter Absichtâ erfolge. Wie er diese Absicht beurteilen wĂŒrde, lieĂ Trump offen. Zu Kanada selbst sagte er, das Nachbarland sei zuletzt ein âschrecklicher Handelspartnerâ gewesen.
Hintergrund: Handelsstreit zwischen USA und Kanada
Die USA und Kanada befinden sich derzeit in einem festgefahrenen Handelsstreit, der zuletzt wieder eskaliert ist. Zwischen beiden LĂ€ndern gibt es seit LĂ€ngerem Konflikte ĂŒber Zölle und MarktzugĂ€nge. Mit der EuropĂ€ischen Union hatten die Vereinigten Staaten im Zollkonflikt bereits vor mehr als einem Jahr ein Abkommen geschlossen, das zusĂ€tzliche Strafzölle vorerst begrenzen soll.
Von der Leyens Plan fĂŒr eine besondere Partnerschaft
Von der Leyen hatte vorgeschlagen, Kanada zum ersten âassoziierten Mitgliedâ der EuropĂ€ischen Union zu machen. Als mögliche Bereiche einer vertieften Zusammenarbeit nannte sie Technologiefragen, die Produktion von RĂŒstungsgĂŒtern, KĂŒnstliche Intelligenz sowie die Arktispolitik. Konkrete Details, wie eine solche assoziierte Mitgliedschaft rechtlich und politisch ausgestaltet werden könnte, lieĂ sie zunĂ€chst offen.
Kanadas Premierminister Mark Carney begrĂŒĂte den VorstoĂ und sprach von einem âweitaus stĂ€rkeren, ehrgeizigeren BĂŒndnis in der Zukunftâ. In seiner Stellungnahme erwĂ€hnte er den Begriff einer assoziierten Mitgliedschaft nicht ausdrĂŒcklich, stellte jedoch die Chancen einer engeren Partnerschaft hervor.
Keine regulĂ€re EU-Mitgliedschaft fĂŒr Kanada möglich
Eine regulÀre Mitgliedschaft Kanadas in der EuropÀischen Union ist nach den derzeit geltenden VertrÀgen ausgeschlossen. Artikel 49 des EU-Vertrags sieht vor, dass nur europÀische Staaten der Union beitreten können. Von der Leyens Idee einer assoziierten Mitgliedschaft zielt daher auf eine besondere Form der politischen und wirtschaftlichen Anbindung, ohne einen formellen Beitritt zur EU zu ermöglichen.
Neue Spannungen im transatlantischen VerhÀltnis
Die deutliche Reaktion von US-PrĂ€sident Donald Trump auf den VorstoĂ von EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen zeigt, wie sensibel das VerhĂ€ltnis zwischen den groĂen westlichen BĂŒndnissen derzeit ist. Die EU signalisiert mit der Idee einer assoziierten Mitgliedschaft Kanadas den Willen, strategische Partnerschaften ĂŒber Europa hinaus zu vertiefen. Trumps Drohung mit neuen Zöllen oder Handelssperren macht zugleich deutlich, dass Washington solche Schritte schnell als Konkurrenz zu eigenen Einflusszonen verstehen kann.
Strategische Bedeutung Kanadas fĂŒr EU und USA
Kanada ist fĂŒr beide Seiten ein wichtiger Partner: wirtschaftlich, sicherheitspolitisch und technologisch. FĂŒr die EU geht es bei dem von der Leyen skizzierten Modell nicht um eine klassische Erweiterung, sondern um eine engere Verzahnung in SchlĂŒsselbereichen wie RĂŒstung, Technologie und Arktispolitik. FĂŒr die USA ist Kanada dagegen in erster Linie zentraler Handelspartner innerhalb des nordamerikanischen Wirtschaftsraums. Dass Trump Kanada zugleich als âschrecklichen Handelspartnerâ bezeichnet, knĂŒpft an frĂŒhere Konflikte ĂŒber Zölle und Handelsabkommen an und verschĂ€rft den Ton in einer ohnehin angespannten Lage.
Folgen fĂŒr BĂŒrger und Unternehmen
FĂŒr europĂ€ische Unternehmen könnten neue US-Zölle oder Handelshemmnisse erhebliche Konsequenzen haben, etwa fĂŒr Exportindustrien wie Maschinenbau, Automobil oder Chemie. Zugleich eröffnet eine engere Kooperation mit Kanada Perspektiven fĂŒr gemeinsame Projekte in Verteidigung, Forschung und Energiewende, gerade mit Blick auf die Arktis und Rohstofffragen. FĂŒr BĂŒrger in der EU steht damit mehr auf dem Spiel als abstrakte AuĂenpolitik: Handelskonflikte können Preise beeinflussen und ArbeitsplĂ€tze gefĂ€hrden, wĂ€hrend erfolgreiche Partnerschaften zusĂ€tzlichen Wohlstand und Sicherheit bringen. Wie sich der Vorschlag konkret entwickelt, hĂ€ngt nun von der politischen Abstimmung innerhalb der EU und von der weiteren Reaktion Washingtons ab.
