Thailand, Justiz

Thailand: Sieger der Parlamentswahl scheitert vor Gericht

Veröffentlicht am: 16.08.2023 um 11:24 Uhr | dpa.de

Thailands Demokratiebewegung hat es neun Jahre nach dem letzten MilitÀrputsch weiter schwer. HoffnungstrÀger Pita steht trotz einer siegreichen Parlamentswahl im Abseits.

Der charismatische Pita Limjaroenrat hatte bei der vergangenen Wahl seine Partei zum Wahlsieg gefĂŒhrt. (Archivbild) - Bild: Sakchai Lalit/AP
Der charismatische Pita Limjaroenrat hatte bei der vergangenen Wahl seine Partei zum Wahlsieg gefĂŒhrt. (Archivbild) - Bild: Sakchai Lalit/AP

Drei Monate nach der Parlamentswahl in Thailand steht das Königreich vor der nÀchsten Runde zur Wahl eines Regierungschefs. Diese soll am 22. August stattfinden, wie der Sprecher des Abgeordnetenhauses am Mittwoch bekannt gab.

Die ursprĂŒnglich fĂŒr den 4. August geplante Abstimmung zum Premier war verschoben worden, weil das Verfassungsgericht zunĂ€chst prĂŒfen wollte, ob sich Wahlsieger Pita Limjaroenrat von der progressiven Move Forward Party (MFP) ein zweites Mal zur Wahl stellen darf. Dies war ihm vom Parlament verwehrt worden. Bei einem ersten Votum im Juli war der HoffnungstrĂ€ger der Demokratiebewegung gescheitert. Das Gericht lehnte eine Petition bezĂŒglich einer nochmaligen Kandidatur Pitas am Mittwoch ab und ebnete damit den Weg zur erneuten Wahl des Premiers.

Pitas BĂŒndnispartner Pheu Thai hatte sich zuvor von ihm losgesagt und war ein BĂŒndnis mit konservativen KrĂ€ften eingegangen. Die Partei will nun mit dem Immobilienmagnaten Srettha Thavisin als Kandidat fĂŒr das Amt des Premiers an die Macht. Die MFP unter FĂŒhrung von Pita hatte bei der Parlamentswahl vor drei Monaten die meisten Stimmen gewonnen und mit der zweitplatzierten Pheu Thai ein BĂŒndnis aus acht Parteien auf die Beine gestellt. Zusammen verfĂŒgte das ParteienbĂŒndnis ĂŒber eine deutliche Mehrheit im Abgeordnetenhaus des nationalen Parlaments.

Streitpunkt Gesetz zur MajestÀtsbeleidigung

Der HoffnungstrĂ€ger der Demokratiebewegung erlitt bei der Wahl zum MinisterprĂ€sidenten jedoch eine Niederlage, weil eine Mehrheit des vom MilitĂ€r ernannten Senats - der zweiten Parlamentskammer - gegen ihn stimmte. Grund fĂŒr das Scheitern Pitas und seiner Partei ist deren Ziel, das extrem strenge Gesetz zur MajestĂ€tsbeleidigung zu Ă€ndern.

Ein erneutes Antreten wurde Pita im Parlament verwehrt. Das Verfassungsgericht sollte nun ĂŒber eine vom BĂŒro des Ombudsmanns eingereichte Petition entscheiden, ob dies rechtmĂ€ĂŸig war. Das Gericht wies dies mit der BegrĂŒndung zurĂŒck, dass eine Person, die eine Petition einreicht, diejenige sein mĂŒsse, deren Rechte und Freiheiten verletzt wurden. Das sei beim Ombudsmann nicht der Fall.

Pita hatte aber schon vor dem Gerichtsurteil kaum noch Chancen auf das Amt des Regierungschefs, nachdem sich die Pheu Thai von ihm losgesagt hatte. Pitas MFP lehnt es ab, den ehemaligen BĂŒndnispartner bei der Bildung der nĂ€chsten Regierung zu unterstĂŒtzen. Das Vorgehen der Pheu Thai verzerre das Ergebnis der Parlamentswahl und widerspreche dem Willen des Volkes. Pheu Thai versuchte zuletzt, den Einfluss des MilitĂ€rs bei der Bildung einer Regierung auszuschließen, ist aber andererseits auf Stimmen des vom MilitĂ€r eingesetzten Senats angewiesen. Viele Senatoren fordern laut Medien, dass Srettha auch Parteien mit Beziehungen zum MilitĂ€r an einer Koalition beteiligt.

Stolpern ĂŒber zu viele Steine

Das Machtgerangel zeigt, mit welchen Hindernissen die Demokratie in Thailand immer wieder zu kĂ€mpfen hat. Einem Land, wo das MilitĂ€r seit 1932 ein Dutzend Putsche inszeniert hat und in den vergangenen Jahren versuchte, eine von der Jugend angefĂŒhrte Bewegung zu unterdrĂŒcken, die die AutoritĂ€t der MilitĂ€rs und Royalisten offener als je zuvor in Frage gestellt hat. Dem Harvard-Absolventen Pita wurden seit seinem Wahlsieg so viele Steine in den Weg gelegt, dass er am Ende nur noch stolpern konnte. «Es ist klar, dass es im gegenwĂ€rtigen System nicht ausreicht, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, um dieses Land zu regieren», schrieb er im vergangenen Monat resigniert auf Instagram.

Seine Partei MFP ist bei gut ausgebildeten und in den sozialen Medien aktiven jungen Menschen beliebt, die sich gegen den Einfluss des MilitÀrs auf die Politik nach dem Putsch von 2014 wehren. Die Partei warb mit weitreichenden Versprechen, das MilitÀr aus der Politik zu verdrÀngen und das LÚse-majesté-Gesetz des Landes zu Àndern, das die Beleidigung der Monarchie zu einem Verbrechen macht, das mit bis zu 15 Jahren GefÀngnis bestraft wird. Es bleibt abzuwarten, wie sich die politische Lage weiter entwickelt. Die Pheu Thai hatte an der Seite Pitas bei den Wahlen noch eine antimilitÀrische Haltung eingenommen. Sollte sie nun mit Beteiligung pro-militÀrischer KrÀfte die neue Regierung bilden, könnte es im Königreich zu neuen Protesten kommen.

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