Ukraine-Krieg, EU-Gipfel

Trump nennt Selenskyj Hindernis fĂŒr Friedensabkommen

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 15:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Beim EU-Gipfel in BrĂŒssel hĂ€lt die Ukraine trotz der scharfen Kritik aus Washington den GesprĂ€chskanal zu den USA offen. Die EU setzt zugleich auf zusĂ€tzliche Sanktionen gegen Russland und mehr UnterstĂŒtzung fĂŒr den kommenden Winter.

BrĂŒsseler Gipfel setzt auf weitere GesprĂ€che

  • Selenskyj nahm in BrĂŒssel an Beratungen mit den EU-Staats- und Regierungschefs teil.
  • Ursula von der Leyen kĂŒndigte ein 22. Sanktionspaket und zusĂ€tzliche Winterhilfen an.
  • Friedrich Merz warb fĂŒr eine Aufstockung der Ukraine-Hilfe im kommenden Jahr.
  • Bundeskanzler Friedrich Merz warb beim EU-Gipfel fĂŒr eine Aufstockung der Ukraine-Hilfen. - Bild: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa
  • Selenskyj wurde beim Gipfel von EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa und KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen begrĂŒĂŸt. - Bild: Michael Kappeler/dpa
  • Die EU-Staaten verstĂŒnden die Position der Ukraine, sagte Selenskyj in BrĂŒssel. - Bild: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa
Bundeskanzler Friedrich Merz warb beim EU-Gipfel fĂŒr eine Aufstockung der Ukraine-Hilfen. - Bild: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa Selenskyj wurde beim Gipfel von EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa und KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen begrĂŒĂŸt.  - Bild: Michael Kappeler/dpa Die EU-Staaten verstĂŒnden die Position der Ukraine, sagte Selenskyj in BrĂŒssel. - Bild: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa

EU-Gipfel in BrĂŒssel sucht Ausweg im Streit mit Trump

Die EuropĂ€ische Union bemĂŒht sich um eine EntschĂ€rfung des Konflikts zwischen US-PrĂ€sident Donald Trump und dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj. Bei einem Gipfeltreffen in BrĂŒssel vermieden die EU-Spitzen direkte öffentliche Angriffe auf Trump, wĂ€hrend Selenskyj weitere GesprĂ€che mit US-UnterhĂ€ndlern ankĂŒndigte.

Von der Leyen verteidigt Energie-Waffenruhe

EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen betonte, die EU unterstĂŒtze Trumps Vorstoß fĂŒr eine vorlĂ€ufige Waffenruhe bei Angriffen auf Kraftwerke, Raffinerien und andere Energieanlagen. Russland habe diese Vereinbarung nach ihren Worten keine einzige Minute eingehalten und stattdessen weiter eskaliert.

Selenskyj sagte nach Beratungen mit Bundeskanzler Friedrich Merz und den anderen Staats- und Regierungschefs, sein Team stehe weiterhin in stÀndigem Kontakt mit den amerikanischen UnterhÀndlern. In den kommenden Tagen solle ein weiteres Treffen vereinbart werden.

Trump stellt Selenskyj als Hindernis dar

Trump verschĂ€rfte seine Kritik in einem Interview des ultrakonservativen US-Senders Newsmax. Ein Friedensabkommen könne es aus seiner Sicht nur ohne Selenskyj geben; dieser sei kein guter Mann fĂŒr Verhandlungen mit den USA.

Trump erklĂ€rte zudem, er sei kein großer Fan Selenskyjs und halte GesprĂ€che mit ihm fĂŒr schwieriger als mit dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin. Er warf dem ukrainischen PrĂ€sidenten außerdem vor, mit Angriffen auf russische Raffinerien die Ölpreise auf dem Weltmarkt zu erhöhen.

Costa fordert mehr Druck auf Russland

EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa sprach sich dafĂŒr aus, die UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine zu verstĂ€rken und die Sanktionen gegen Russland nicht zu lockern. Dies solle Moskau zu einer echten Waffenruhe und zu Verhandlungen bewegen.

Von der Leyen kĂŒndigte ein 22. Paket mit Russland-Sanktionen sowie weitere Hilfen fĂŒr den kommenden Winter an. Russland versuche, die Energie- und Wasserinfrastruktur der Ukraine zu zerstören, sagte sie.

Merz wirbt fĂŒr höhere Ukraine-Hilfe

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte zum Auftakt des EU-Gipfels fĂŒr eine Aufstockung der Mittel fĂŒr die Ukraine geworben. Das Land mĂŒsse auch ĂŒber den Winter und im kommenden Jahr dauerhaft unterstĂŒtzt werden.

Der ukrainische Finanzminister Serhij Martschenko hatte im September den Finanzbedarf seines Landes fĂŒr das kommende Jahr mit 32,6 Milliarden US-Dollar beziffert. FĂŒr die Verteidigungsausgaben nannte er eine LĂŒcke von 45 Milliarden US-Dollar. Selenskyj sagte nach dem Gipfel, er habe von den europĂ€ischen Teilnehmern UnterstĂŒtzung fĂŒr die Position der Ukraine erhalten.

Der EU-Gipfel fĂ€llt in eine Phase, in der die Ukraine ihre militĂ€rische und finanzielle UnterstĂŒtzung zugleich absichern muss. Die europĂ€ische Seite versucht, den GesprĂ€chskanal zwischen Washington und Kyjiw offenzuhalten, ohne die eigene UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine oder den Druck auf Russland zu schwĂ€chen.

Die von Trump unterstĂŒtzte Energie-Waffenruhe sollte Angriffe auf Kraftwerke, Raffinerien und weitere Energieanlagen begrenzen. FĂŒr die Ukraine ist der Schutz dieser Infrastruktur besonders relevant, weil Angriffe auf Strom- und Wasserversorgung die Zivilbevölkerung unmittelbar treffen und den Druck vor dem Winter erhöhen.

Europas begrenzte SpielrÀume

Die EU kann zusĂ€tzliche Finanzhilfen, Sanktionen und Winterhilfe bereitstellen, ersetzt aber kurzfristig nicht vollstĂ€ndig die militĂ€rischen FĂ€higkeiten und nachrichtendienstlichen Leistungen der USA. Deshalb hat der Streit zwischen Trump und Selenskyj Folgen, die ĂŒber persönliche Auseinandersetzungen hinausreichen.

FĂŒr die europĂ€ischen Regierungen stehen damit zwei Ziele nebeneinander: Sie wollen eine direkte Konfrontation mit Washington vermeiden und zugleich verhindern, dass Russland durch nachlassenden politischen oder wirtschaftlichen Druck Vorteile gewinnt. Selenskyjs angekĂŒndigtes weiteres Treffen mit US-UnterhĂ€ndlern zeigt, dass die diplomatische Verbindung trotz der öffentlichen Kritik bestehen bleibt.

Finanzierung und Winterhilfe

Die angekĂŒndigten zusĂ€tzlichen Sanktionen und Hilfen sollen die ukrainische WiderstandsfĂ€higkeit in den kommenden Monaten stĂŒtzen. FĂŒr Deutschland und die ĂŒbrigen EU-Staaten stellt sich damit erneut die Frage, wie umfangreich und dauerhaft sie finanzielle, militĂ€rische und humanitĂ€re UnterstĂŒtzung organisieren können.

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