Ukraine-Krieg, Russland

Ukraine: Russland startet an Putins Geburtstag schweren Raketen- und Drohnenangriff

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 15:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Russland hat die Ukraine am Geburtstag von Präsident Wladimir Putin mit einem kombinierten Angriff aus Raketen und Drohnen überzogen. Besonders schwer getroffen wurden Pryluky, Kiew und weitere Städte; zahlreiche Menschen starben oder wurden verletzt.

In Pryluky wurde ein fünfstöckiges Wohnhaus getroffen. - Bild: Uncredited/Ukrainian Emergency Service/AP/dpa
In Pryluky wurde ein fünfstöckiges Wohnhaus getroffen. - Bild: Uncredited/Ukrainian Emergency Service/AP/dpa

Russland hat die Ukraine erstmals in diesem Herbst mit einem kombinierten Angriff aus ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen angegriffen, bei dem es viele Tote, Dutzende Verletzte und schwere Schäden gab.

Mindestens 16 Tote in Pryluky

In Pryluky im Gebiet Tschernihiw wurden nach Angaben der örtlichen Polizei mindestens 16 Menschen getötet und 55 weitere verletzt. Ein fünfstöckiger Wohnblock in der rund 120 Kilometer östlich von Kiew gelegenen Stadt wurde getroffen; unter den Trümmern wurden noch Verschüttete vermutet.

Aus Krementschuk wurden 34 Verletzte nach einem russischen Drohnenangriff gemeldet. In der zentralukrainischen Oblast Kirowohrad starben nach Behördenangaben zwei Menschen bei einem Angriff auf einen Betrieb, drei weitere wurden verletzt.

Kiew meldet mehrere Tote

Die ukrainische Hauptstadt war ein Schwerpunkt des Angriffs. In den frühen Morgenstunden waren zahlreiche Explosionen zu hören. Bürgermeister Vitali Klitschko meldete mindestens zwei Tote, die in den Trümmern einer Garagenanlage im östlichen Stadtteil Darnyzja gefunden worden seien; zwei weitere Menschen seien lebend geborgen worden.

Im Stadtbezirk Obolon wurden Gebäude getroffen, die nicht zu Wohnzwecken genutzt werden. Im Bezirk Podil schlugen Geschosse in Lagerhallen ein. Auch Dnipro und Saporischschja wurden nach ukrainischen Angaben massiv angegriffen.

Selenskyj spricht von Geburtstagsgeschenk

Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Angriff als „Geburtstagsgeschenk für Putin“. Der russische Präsident wurde am Mittwoch 74 Jahre alt. Der Tag fiel zugleich auf den 20. Todestag der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja, die 2006 in Moskau ermordet wurde.

Selenskyj zufolge war die Energieinfrastruktur das Hauptziel. Russland wolle die ukrainische Energieversorgung wie in den vergangenen Wintern lahmlegen. Das russische Militär erklärte dagegen, Produktionsstätten des Raketen- und Drohnenbauers Fire Point in Kiew und anderen Städten angegriffen zu haben.

Angaben zu Raketen und Abwehr

Nach Angaben Selenskyjs setzten die russischen Streitkräfte 70 ballistische Raketen und Marschflugkörper verschiedener Typen ein. Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, 39 davon abgefangen zu haben.

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als viereinhalb Jahren gegen die Invasion russischer Streitkräfte. Selenskyj berichtete außerdem von ukrainischen Gegenangriffen auf Ölanlagen und andere Ziele in Perm, Samara und Astrachan. Vor Sotschi geriet am Vortag ein Öltanker im Schwarzen Meer in Brand.

Angriff auf die Energieversorgung

Der russische Angriff fällt in eine Phase, in der die Ukraine erneut mit einer Belastungsprobe für ihre Strom- und Wärmeversorgung rechnet. Nach früheren Angriffswellen wurden in Kyjiw bereits Stromabschaltungen angeordnet und die Bevölkerung zum Energiesparen aufgerufen. Der wiederholte Einsatz von Raketen und Drohnen gegen Infrastruktur zielt damit nicht nur auf einzelne militärische oder industrielle Anlagen, sondern erschwert auch den Alltag der Zivilbevölkerung.

Die Größenordnung des Angriffs zeigt die Bedeutung kombinierter Waffen. Ballistische Raketen sind wegen ihrer hohen Geschwindigkeit besonders schwer abzufangen; Marschflugkörper und Drohnen können gleichzeitig unterschiedliche Ziele und Regionen erreichen. Dass die ukrainische Luftwaffe nach Angaben Selenskyjs 39 von 70 Raketen abgefangen habe, unterstreicht zugleich die Rolle und die Grenzen der Flugabwehr.

Winter als strategischer Faktor

Mit sinkenden Temperaturen wächst die Verwundbarkeit der ukrainischen Städte. Schäden an Kraftwerken, Netzen und Verteilanlagen können nicht nur vorübergehende Stromausfälle verursachen, sondern auch Heizung, Wasserversorgung und den Betrieb von Krankenhäusern beeinträchtigen. Für die Menschen in den betroffenen Regionen bedeutet jeder größere Angriff daher zusätzliche Risiken über den unmittelbaren Zeitpunkt des Beschusses hinaus.

Der Angriff steht zudem im Zeichen gegenseitiger Schläge: Die Ukraine meldet eigene Angriffe auf russische Öl- und Industrieanlagen, während Moskau Angriffe auf ukrainische Rüstungsstandorte als Begründung nennt. Parallel laufen nach Angaben aus Kiew Bemühungen um neue Gespräche. Der aktuelle Angriff erhöht damit den militärischen Druck, ohne die diplomatischen Bemühungen automatisch zu beenden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Ukraine-Krieg: Massive russische Angriffe auf Kiew an Putins Geburtstag“ (07.10.2026)

Der Bericht bestätige die massive Ausweitung der russischen Angriffe auf ukrainische Infrastruktur und ordne sie in die jüngsten gegenseitigen Schläge ein. Einen anderen Schwerpunkt setze er auf parallel geplante Gespräche zwischen den USA, der Ukraine und Russland; als mögliche Folge bleibe offen, ob der diplomatische Prozess trotz der militärischen Eskalation vorankomme.

Tagesspiegel: „„Aktuelle Informationen des Geheimdienstes“: Selenskyj warnt vor neuem russischen Großangriff auf die Ukraine“ (06.10.2026)

Der Liveblog berichte ebenfalls von rund 70 Raketen und Drohnen, Angriffen auf die Energieinfrastruktur und zwei Toten in Kyjiw. Anders als die dpa-Meldung fasse er die Entwicklung fortlaufend zusammen und hebe zusätzlich Stromabschaltungen, den Mangel an Abwehrmitteln gegen ballistische Raketen sowie russische Angaben zu Angriffen auf ukrainische Rüstungsanlagen hervor.

Beide Berichte bestätigten damit den Schwerpunkt auf Kyjiw, Energieinfrastruktur und zivile Opfer. Unterschiede ergäben sich vor allem bei der laufenden Aktualisierung und der Einordnung in die angekündigten diplomatischen Bemühungen; die Angaben der Kriegsparteien zu Zielen und militärischen Wirkungen blieben Gegenstand unterschiedlicher Darstellungen.

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