Ukraine-Krieg, Abu Dhabi

Ukraine, Russland und USA verhandeln nächste Woche in Abu Dhabi

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 14:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Vertreter der drei Staaten wollen über Sicherheitsgarantien, Deeskalation und humanitäre Hilfe sprechen. Parallel beraten europäische Staaten, Nato und EU in Brüssel über die Sicherheitsordnung und den Wiederaufbau.

Weitere Kriegsschauplätze und geplante Schritte

  • Die Verhandlungen sollen dienstags und mittwochs in Abu Dhabi stattfinden.
  • Wladimir Putin hatte im Oktober die Wiederaufnahme dreiseitiger Kontakte angekündigt.
  • In Polen üben ab Montag rund 2.800 Soldaten aus elf Ländern bis zum 22. November.
  • Witkoff: Gespräche im Ukraine-Krieg finden nächste Woche statt. (Archivbild) - Bild: Kristina Solovyova/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
  • Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rechnet mit einem unmittelbar bevorstehenden erneuten Großangriff Russlands. Bei solchen Angriffen setzt Russland oft auch strategische Bomber ein. (Archivbild) - Bild: Uncredited/Russian Defense Ministry Press Service/dpa
  • Die Ukraine reklamiert die Cyberattacke auf die Warn-App des russischen Zivilschutzes für sich. (Symbolbild) - Bild: Nicolas Armer/dpa
Witkoff: Gespräche im Ukraine-Krieg finden nächste Woche statt. (Archivbild) - Bild: Kristina Solovyova/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rechnet mit einem unmittelbar bevorstehenden erneuten Großangriff Russlands. Bei solchen Angriffen setzt Russland oft auch strategische Bomber ein. (Archivbild)  - Bild: Uncredited/Russian Defense Ministry Press Service/dpa Die Ukraine reklamiert die Cyberattacke auf die Warn-App des russischen Zivilschutzes für sich. (Symbolbild)   - Bild: Nicolas Armer/dpa

Dreiergespräche sollen Bewegung in Ukraine-Krieg bringen

Vertreter aus Kiew, Moskau und Washington sollen sich kommende Woche zu zweitägigen Verhandlungen in Abu Dhabi treffen. Die Gespräche sollen Sicherheitsvereinbarungen für die Zeit nach dem Krieg, Deeskalation, humanitäre Hilfsmaßnahmen und weitere Schritte auf dem Weg zum Frieden behandeln.

Treffen am Dienstag und Mittwoch geplant

Der US-Sondergesandte Steve Witkoff teilte mit, die Gespräche auf Arbeitsebene sollten am Dienstag und Mittwoch in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate stattfinden. In diesem Format hatte es zuletzt im Februar in Genf und zuvor zweimal in Abu Dhabi Verhandlungen gegeben.

Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte die Teilnahme einer russischen Delegation. Das Moskauer Team soll erneut vom früheren Kulturminister Wladimir Medinski geleitet werden.

Europa berät über Sicherheitsgarantien

Vor dem Treffen wollen US-Gesandte in Brüssel mit Vertretern europäischer Staaten, der Nato und der EU beraten. Im Mittelpunkt sollen Sicherheitsgarantien für die Ukraine, Europas Sicherheitsordnung nach dem Krieg und der Wiederaufbau stehen.

Nato-Vertreter sollen dabei mit Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den USA zusammenkommen. Die EU-Kommission richtet das Treffen nach eigenen Angaben aus.

29 Tote nach Angriff bei Saporischschja

Unterdessen gingen die Angriffe weiter. Russland beschoss die Ukraine in der Nacht zum Dienstag mit Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen; die Ukraine griff das russische Hinterland mit großen Drohnenschwärmen an.

Nach dem russischen Luftangriff auf Komyschuwacha in der Region Saporischschja stieg die Zahl der Todesopfer auf 29. Der Angriff traf nach ukrainischen Angaben eine Schule, in der humanitäre Hilfe ausgegeben wurde; mindestens fünf Menschen wurden verletzt, 48 galten als vermisst.

Ukraine reklamiert Cyberangriff

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete das Hacken des russischen Warnsystems als Gegenangriff. Zuvor war die ukrainische Warn-App Air Alert gehackt worden und hatte gefälschte Warnungen vor angeblichen Atomangriffen verbreitet.

Wenige Stunden später wurde die App des russischen Zivilschutzes angegriffen und versandte ebenfalls falsche Warnmeldungen. Beide Anwendungen informieren Bürger unter anderem über drohende Luftangriffe.

Militärübung mit 2.800 Soldaten in Polen

In Polen nehmen ab Montag rund 2.800 Soldaten aus elf Ländern an der ersten Militärübung der Koalition der Willigen zur Unterstützung der Ukraine teil. Die Übung soll erproben, wie nach dem Ende des Krieges ein dauerhafter Frieden gesichert werden könnte.

Großbritannien und Frankreich leiten das Manöver, das bis zum 22. November dauern soll. Großbritannien will rund 300 Militärangehörige und mehrere Kampfjets entsenden; die Bundeswehr beteiligt sich mit rund zehn Stabsoffizieren, Tankflugzeugen und Logistik.

Putin signalisierte Bereitschaft zu weiteren Kontakten

Kremlchef Wladimir Putin hatte sich im Oktober nach einem Gespräch mit Witkoff zur Wiederaufnahme dreiseitiger Kontakte bereit gezeigt. Andeutungen aus dem Kreml hatten zuletzt auf ein Treffen Mitte November in Abu Dhabi hingedeutet.

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als viereinhalb Jahren mit westlicher Unterstützung gegen den russischen Angriff.

Die geplanten Gespräche in Abu Dhabi knüpfen an ein Format an, in dem Vertreter der USA, Russlands und der Ukraine bereits mehrfach zusammenkamen. Der Ort ist damit Teil eines laufenden diplomatischen Kanals, der neben den offiziellen politischen Kontakten auch Fragen zu Gefangenenaustausch, humanitärer Hilfe und Sicherheitsgarantien berührt.

Der angekündigte Schwerpunkt auf Sicherheitsvereinbarungen zeigt, dass ein möglicher Friedensprozess nicht allein von einer Waffenruhe abhängt. Für die Ukraine geht es um belastbare Zusagen für die Zeit nach dem Krieg, während Russland seine sicherheitspolitischen Forderungen und den Einfluss auf die künftige Ordnung in Europa geltend machen dürfte. Die parallel geplanten Gespräche in Brüssel sollen europäische Staaten, die Nato und die EU stärker in diese Fragen einbinden.

Diplomatie und militärischer Druck

Die neue Gesprächsrunde beginnt vor dem Hintergrund anhaltender Raketen-, Drohnen- und Cyberangriffe. Das erschwert schnelle Fortschritte, erhöht aber zugleich den Druck, über Deeskalation und humanitäre Maßnahmen zu sprechen. Für die Bevölkerung bleiben die unmittelbaren Folgen des Krieges entscheidend: Luftalarme, Schäden an Infrastruktur, Versorgungslücken und die Gefahr weiterer Opfer.

Auch die Militärübung in Polen verweist auf die langfristige Dimension der Planungen. Die beteiligten Staaten trainieren Strukturen für eine mögliche Sicherheitsrolle nach dem Krieg, ohne dass damit bereits eine politische Entscheidung über eine internationale Truppe verbunden wäre. Für die weitere Entwicklung wird maßgeblich sein, ob die Gespräche konkrete Vereinbarungen hervorbringen und wie europäische Sicherheitszusagen ausgestaltet werden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „USA-Gespräche zwischen Russland und der Ukraine in Abu Dhabi am 10. November“ (03.11.2026)

Der Beitrag bestätige das geplante Treffen und nenne für die USA Steve Witkoff und Jared Kushner als Unterhändler. Damit setze er einen Schwerpunkt auf die amerikanische Delegation und den konkreten Termin.

tagesschau: „US-Vermittler Witkoff kündigt Gespräche mit Russland und Ukraine an“ (03.11.2026)

Der Beitrag bestätige die Ankündigung Witkoffs und stelle den diplomatischen Vermittlungsversuch der USA in den Mittelpunkt. Im Vergleich dazu bleibe die Zusammensetzung der Delegationen weniger ausführlich als bei n-tv.

Beide Beiträge stimmten beim geplanten Treffen in Abu Dhabi überein. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung von Termin, Teilnehmern und amerikanischer Vermittlerrolle; offen bleibe, ob die Gespräche konkrete Vereinbarungen hervorbringen könnten.

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