US-Kongresswahlen, Donald Trump

US-Kongresswahlen: Demokraten gewinnen beide Kammern

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 06:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Demokraten gewinnen Repräsentantenhaus und Senat und erhalten damit weitreichende Kontrollrechte. Trump muss sich auf Haushaltskonflikte, Untersuchungen und stärkeren Widerstand im Kongress einstellen.

Trump verliert parlamentarische Macht

  • Die Republikaner verlieren bei den Kongresswahlen erstmals seit 20 Jahren beide Kammern an die Demokraten.
  • Ab Januar können die Demokraten Untersuchungen einleiten, Personalentscheidungen blockieren und Gesetzesvorhaben bremsen.
  • Für eine Überstimmung von Trumps Veto wären in beiden Kammern jeweils zwei Drittel der Mitglieder erforderlich.
  • Der Verlust beider Parlamentskammern ist auch für Trump eine herbe Niederlage. - Bild: Alex Brandon/AP/dpa
  • Trump erklärte die Kongresswahlen zu einer Abstimmung über sich selbst, wollte am Wahlabend dann aber nichts mehr davon wissen. (Archivbild) - Bild: Alex Brandon/AP/dpa
  • Im Kongress muss sich Trump nun auf mehr Kontrolle und mehr Widerstand einstellen. - Bild: Allison Robbert/FR172296 AP/AP/dpa
Der Verlust beider Parlamentskammern ist auch für Trump eine herbe Niederlage.  - Bild: Alex Brandon/AP/dpa Trump erklärte die Kongresswahlen zu einer Abstimmung über sich selbst, wollte am Wahlabend dann aber nichts mehr davon wissen. (Archivbild) - Bild: Alex Brandon/AP/dpa Im Kongress muss sich Trump nun auf mehr Kontrolle und mehr Widerstand einstellen.  - Bild: Allison Robbert/FR172296 AP/AP/dpa

Demokraten übernehmen beide Kongresskammern

Die Republikaner haben bei den US-Parlamentswahlen beide Kammern des Kongresses an die Demokraten verloren. Einen solchen Wechsel gab es in den vergangenen 70 Jahren nur zweimal, zuletzt vor 20 Jahren.

Trump hatte die Midterms zu einer Abstimmung über seine Präsidentschaft erklärt, distanzierte sich nach der Niederlage jedoch von dieser Einordnung. Nun steht seine Partei vor einer neuen Machtverteilung in Washington.

Hohe Lebenshaltungskosten belasten Trump

Viele Amerikaner machten die hohen Lebenshaltungskosten für ihre Unzufriedenheit verantwortlich. Auch der Iran-Krieg belastete die Republikaner: Die gestiegenen Spritpreise wurden zu einem zentralen Wahlkampfthema, während Trumps Versprechen sinkender Ölpreise nicht eintrat.

Besonders schwer wiegt für die Republikaner, dass die Demokraten auch in traditionellen Hochburgen wie Texas Erfolge erzielten. Der Wahlausgang wirkt deshalb über einzelne Mandate hinaus als Signal gegen Trumps politische Bilanz.

Trump kündigt Zusammenarbeit an

Am Wahlabend schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social, er habe nicht auf dem Stimmzettel gestanden. Zugleich erklärte er in einem Interview mit der New York Times, die Ergebnisse zu akzeptieren und mit den Demokraten zusammenarbeiten zu wollen.

Das steht im Kontrast zu seiner bis heute nicht eingeräumten Niederlage bei der Präsidentenwahl 2020. Ob die angekündigte Zusammenarbeit über einzelne Vorhaben hinausreicht, dürfte sich vor allem bei Haushalt, Zöllen und Außenpolitik zeigen.

Demokraten erhalten neue Kontrollrechte

Ab Januar, wenn das neu gewählte Parlament erstmals zusammentritt, können die Demokraten Untersuchungen gegen Trump und seine Kabinettsmitglieder einleiten. Sie können Aussagen erzwingen und interne Unterlagen anfordern.

Außerdem erhalten sie mehr Einfluss auf den Haushalt und können republikanische Gesetzesvorhaben blockieren. Für viele zentrale Entscheidungen im Senat bleibt jedoch eine Mehrheit von 60 Stimmen nötig, sodass die Demokraten weiterhin auf republikanische Unterstützung angewiesen sein können.

Veto bleibt Trumps wichtigstes Gegengewicht

Trump kann Gesetze weiterhin mit einem Veto stoppen. Für eine Überstimmung müssten in beiden Kammern jeweils zwei Drittel der Mitglieder zustimmen, was nur schwer zu erreichen ist.

Auf Truth Social deutete Trump bereits an, von diesem Recht Gebrauch machen zu können. In der Wahlnacht veröffentlichte er eine rote Kappe mit der Aufschrift „VETO“.

Neue Spannungen in der Republikanischen Partei

Im Wahlkampf hatten sich einzelne republikanische Kandidaten von Trumps Politik distanziert. Genannt wurden unter anderem Kritik an seinem Zollkonflikt mit Kanada und Vorbehalte gegen seine Annäherung an Moskau im Ukraine-Krieg.

Mit dem Ende der Wahl fällt der Druck weg, bei Vorwahlen und Midterms Trumps Zustimmung zu sichern. Dadurch könnten weitere Republikaner offenere Kritik an ihm äußern.

Blick richtet sich auf 2028

Trump darf nach der US-Verfassung nicht erneut für das Präsidentenamt kandidieren. Bleiben seine Zustimmungswerte niedrig, könnte dies den Wettbewerb um seine Nachfolge in der Republikanischen Partei beschleunigen.

Damit stellt sich auch die Zukunft der MAGA-Bewegung. Entscheidend wird sein, ob sie Trumps persönliche politische Macht überdauert oder mit dem Präsidenten an Einfluss verliert.

Der Verlust beider Kongresskammern markiert für Donald Trump eine einschneidende Machtverschiebung in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit. Die Midterms gelten traditionell als Abstimmung über die Regierungspartei, doch Trump hatte diesen Mechanismus zusätzlich verstärkt, indem er seinen Wahlkampf eng mit seiner eigenen politischen Bilanz verknüpfte.

Für die Demokraten bedeutet die Mehrheit zunächst vor allem mehr Kontrolle und Verhandlungsmacht. Ab Januar können sie Untersuchungen gegen die Regierung einleiten, Vorladungen aussprechen und Gesetzesvorhaben der Republikaner blockieren. Beim Haushalt und bei der Finanzierung der Regierung erhalten sie damit ein wichtiges Druckmittel. Ein Impeachment-Verfahren wäre zwar möglich, eine Verurteilung im Senat bliebe wegen der erforderlichen Zweidrittelmehrheit jedoch eine hohe Hürde.

Mehr Kontrolle, aber kein Durchregieren

Auch mit Mehrheiten in beiden Kammern kann der Kongress Trumps politische Linie nicht vollständig umkehren. Der Präsident kann Gesetze mit einem Veto stoppen, und für dessen Überstimmung wären jeweils zwei Drittel der Mitglieder nötig. Zudem bleibt offen, wie geschlossen die Demokraten auftreten und ob einzelne Republikaner künftig stärker auf Distanz zu Trump gehen.

Politisch dürfte der Wahlausgang deshalb über die unmittelbare Gesetzgebung hinausweisen. Trumps Einfluss auf republikanische Kandidaten und Vorwahlen war bislang ein zentrales Disziplinierungsmittel. Mit Blick auf die verfassungsrechtlich ausgeschlossene erneute Präsidentschaftskandidatur 2028 könnte der innerparteiliche Wettbewerb um seine Nachfolge nun früher beginnen. Für die USA bedeutet das voraussichtlich eine konfliktreichere zweite Amtszeithälfte; für Europa und die Ukraine bleibt entscheidend, ob der Kongress bei Außen- und Sicherheitspolitik tatsächlich eigenständiger auftritt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Trump-Niederlage bahnt sich an: Demokraten erobern Mehrheit im US-Repräsentantenhaus“ (04.11.2026)

Der Beitrag bestätige den Verlust der republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus und hebe die künftigen Untersuchungs- und Haushaltsbefugnisse der Demokraten hervor. Anders als die dpa-Meldung habe er den Ausgang der Senatswahl zum Veröffentlichungszeitpunkt noch als offen beschrieben.

n-tv: „US-Midterms 2026 im Liveticker: +++ 04:03 Senat für Trump wahrscheinlich auch verloren +++“ (03.11.2026)

Der Liveticker habe über eine hohe Wahrscheinlichkeit eines demokratischen Senatsgewinns und über einzelne umkämpfte Bundesstaaten berichtet. Im Unterschied zum ausführlichen dpa-Artikel habe der Beitrag vor allem den laufenden Auszählungsstand und Prognosen abgebildet; offen geblieben seien dort zunächst die endgültigen Mehrheitsverhältnisse.

Beide Beiträge hätten die wachsende Kontrolle des Kongresses über Trump als zentrale Folge herausgestellt. Unterschiede hätten vor allem den Zeitpunkt der Bewertung betroffen: Während der eine Artikel den Repräsentantenhausverlust als feststehend behandelt habe, habe der andere den Senat noch im Prognosestadium beschrieben.

Disclaimer...
de | ausland | 70454240 |