Donald Trump, Pressefreiheit USA

US-PrĂ€sident Trump verbannt CNN aus Weißem Haus – Medien klagen gegen Hausverbot

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 23:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

US-PrĂ€sident Donald Trump hat CNN, Politico und MS NOW aus dem Weißen Haus verbannt – die betroffenen Medien klagen und große Sender fahren aus Protest ihre Begleitung zurĂŒck. Der Konflikt um das Hausverbot dĂŒrfte zum juristischen PrĂ€zedenzfall fĂŒr die Pressefreiheit in den USA werden.

  • Drei MedienhĂ€user planen gegen den Ausschluss vom Weißen Haus zu klagen.  - Bild: Jose Luis Magana/AP/dpa
    Drei MedienhĂ€user planen gegen den Ausschluss vom Weißen Haus zu klagen. - Bild: Jose Luis Magana/AP/dpa
  • CNN hĂ€tte den PrĂ€sidenten eigentlich am Montag nach New York begleitet. (Archivbild) - Bild: Anna Ringle/dpa
    CNN hÀtte den PrÀsidenten eigentlich am Montag nach New York begleitet. (Archivbild) - Bild: Anna Ringle/dpa
Drei MedienhĂ€user planen gegen den Ausschluss vom Weißen Haus zu klagen.  - Bild: Jose Luis Magana/AP/dpa CNN hĂ€tte den PrĂ€sidenten eigentlich am Montag nach New York begleitet. (Archivbild) - Bild: Anna Ringle/dpa

US-PrĂ€sident Donald Trump hat den TV-Sender CNN sowie Politico und MS NOW aus dem Weißen Haus verbannt und damit seinen eskalierenden Streit mit kritischen Medien weiter verschĂ€rft.

Medien klagen gegen Hausverbot

Nach dem Entzug des Zugangs fĂŒr CNN, Politico und MS NOW ziehen die betroffenen Redaktionen vor Gericht, um ihre PlĂ€tze im Weißen Haus zurĂŒckzuerlangen. Sie sehen in dem Verbot eine Bedrohung fĂŒr die Pressefreiheit und das Recht der Öffentlichkeit auf unabhĂ€ngigen Journalismus ohne Einmischung der Regierung. Die Klage ist als Eilantrag eingereicht, ein Gericht in Washington soll das Hausverbot zĂŒgig prĂŒfen und nach Willen der Medien umgehend untersagen.

TV-Pool setzt Begleitung des PrÀsidenten aus

Die Entscheidung Trumps bleibt nicht ohne Folgen fĂŒr die tĂ€gliche Berichterstattung. Die große Gruppe von Fernsehsendern, die als Pool im Rotationsprinzip Reisen und Termine des PrĂ€sidenten begleitet, stoppte aus Protest ihre engmaschige TV-Begleitung. Da CNN Teil dieses Pools ist, stellen ABC, CBS, CNN, Fox News und NBC derzeit kein gemeinsames Videomaterial ĂŒber Trump zur VerfĂŒgung. Das Weiße Haus verbreitete Aufnahmen von Trumps Abflug zur UN-Vollversammlung in New York ĂŒber seinen eigenen Youtube-Kanal.

Gemeinsame Stellungnahme und SolidaritÀt

In einem gemeinsamen Statement betonten die fĂŒnf TV-Sender, die Öffentlichkeit habe ein grundlegendes Interesse an unabhĂ€ngigen Informationen ĂŒber ihre Regierung. Keine Regierung solle eine Nachrichtenorganisation einschrĂ€nken, nur weil sie deren Berichterstattung missbillige. AuffĂ€llig ist, dass sich auch Fox News dem Protest anschloss, obwohl der Sender als Trumps bevorzugter Kanal gilt und hĂ€ufig wohlwollend ĂŒber ihn berichtet.

New York Times verweigert Bildmaterial

ZusĂ€tzliche UnterstĂŒtzung erhalten CNN, Politico und MS NOW von der „New York Times“. Die Zeitung war fĂŒr den fotografischen Pool am Montag vorgesehen, verweigert aber aus SolidaritĂ€t die Weitergabe und Veröffentlichung der an diesem Tag entstandenen Bilder. Auf der Plattform X bezeichnete sie die betroffenen HĂ€user als „ungerecht ins Visier genommen“ und begrĂŒndete ihre Entscheidung mit dem Ausschluss der Kollegen aus dem Weißen Haus.

Eilantrag gegen Trumps Entscheidung

Parallel zur Protestaktion reichten CNN, Politico und MS NOW in Washington Klage ein. In einer gemeinsamen ErklĂ€rung kritisieren sie das Hausverbot als Angriff auf die Pressefreiheit und den Grundsatz, dass die Regierung nicht bestimme, worĂŒber die Presse berichte oder was sie veröffentliche. Der Eilantrag zielt darauf, den Zugang zum Weißen Haus schnell wiederherzustellen und eine gerichtliche KlĂ€rung herbeizufĂŒhren.

Trump begrĂŒndet Verbot mit „Fake News“

Trump hatte am Freitag verkĂŒndet, den drei Medien sei ab sofort der Zugang zum Weißen Haus untersagt, und ihnen vorgeworfen, Falschnachrichten zu verbreiten. In New York sprach er von einer Verpflichtung, Medien mit angeblichen „Fake News“ den Zugang zu verweigern. Einen konkreten Anlass nannte er nicht, Kritiker sehen darin einen EinschĂŒchterungsversuch und Angriff auf die Pressefreiheit. Am Samstag wurde Journalistinnen und Journalisten aller drei Medien der Zutritt zum GelĂ€nde verwehrt.

MĂŒllsĂ€cke und drastische Rhetorik

Auf seiner Plattform Truth Social verschĂ€rfte Trump den Ton erneut. Er erklĂ€rte, das Weiße Haus gehe nicht gegen die freie Presse vor, sondern gegen „FAKE NEWS“, die sich „wie Krebs“ ausgebreitet hĂ€tten und sogar eine Bedrohung fĂŒr die nationale Sicherheit darstellten. Zudem veröffentlichte er eine Abbildung, auf der drei MĂŒllsĂ€cke mit den Logos von CNN, Politico und MS NOW vor dem Weißen Haus zu sehen sind.

Wachsende HĂ€rte gegen kritische Berichterstattung

In seiner zweiten Amtszeit hat Trump seinen konfrontativen Kurs gegenĂŒber kritischen Medien deutlich verschĂ€rft. Journalisten, deren Fragen ihm missfallen, attackiert er regelmĂ€ĂŸig verbal, wĂ€hrend er wohlwollende Berichterstattung ausdrĂŒcklich lobt. Der PrĂ€sident steht innenpolitisch unter Druck, denn in rund sechs Wochen finden in den USA Parlamentswahlen statt, bei denen die Republikaner ihre knappen Mehrheiten im ReprĂ€sentantenhaus und im Senat verteidigen wollen.

Pressefreiheit als Verfassungsprinzip

Wie in Deutschland ist auch in den USA die Pressefreiheit verfassungsrechtlich geschĂŒtzt. Der erste Zusatzartikel zur US-Verfassung untersagt dem Kongress, Gesetze zu erlassen, die Rede- oder Pressefreiheit einschrĂ€nken. Die nun eingereichte Klage der Medien zielt darauf, dieses Prinzip im Streit um das Hausverbot aus dem Weißen Haus konkret zu verteidigen und die Grenzen der Regierungsbefugnisse gegenĂŒber kritischen Medien gerichtlich klĂ€ren zu lassen.

Angriff auf etablierte Regeln der politischen Berichterstattung

Der Ausschluss von CNN, Politico und MS NOW aus dem Weißen Haus bedeutet mehr als eine einzelne Streitfrage zwischen PrĂ€sident und Journalisten. Er greift direkt in das ĂŒber Jahrzehnte eingespielte System der gemeinsamen Berichterstattung ein, bei dem große TV-Sender im Pool-Verfahren Reisen und Termine des PrĂ€sidenten begleiten und das Bildmaterial anderen Medien zur VerfĂŒgung stellen. Wenn dieser Pool aus Protest aussetzt, entstehen InformationslĂŒcken, die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger gerade in politisch angespannten Zeiten treffen.

Pressefreiheit als juristische und politische Konfliktlinie

Die von den betroffenen Medien eingereichte Klage knĂŒpft an eine lĂ€ngere Reihe von Auseinandersetzungen um ZugangsbeschrĂ€nkungen in der Trump-Ära an. Schon zuvor hatten Medien und VerbĂ€nde Maßnahmen des PrĂ€sidenten als verfassungswidrige Eingriffe in die durch den ersten Zusatzartikel geschĂŒtzte Pressefreiheit kritisiert. Mit dem Eilantrag gegen das Hausverbot wird die Frage zugespitzt, ob die Regierung einzelnen kritischen Medien systematisch den Zugang zu zentralen politischen Orten verweigern darf, ohne gegen die Verfassung zu verstoßen. Der Fall dĂŒrfte damit auch Signalwirkung fĂŒr weitere Konflikte zwischen Regierung und Medien entfalten.

Innenpolitischer Druck und mediale Gegenstrategien

Der Schritt des PrĂ€sidenten fĂ€llt in eine Phase, in der die Republikaner ihre knappen Mehrheiten im Kongress verteidigen mĂŒssen und Kritik an Trumps Regierungsstil wĂ€chst. Die SolidaritĂ€tsaktionen anderer Sender und der „New York Times“, die ihr Material vorĂŒbergehend zurĂŒckhalten, zeigen, dass große Teile der US-Medienlandschaft den Ausschluss nicht als isolierten Vorgang, sondern als Teil einer grundlegenden Auseinandersetzung um den Umgang mit kritischer Berichterstattung verstehen. FĂŒr Leserinnen und Leser in Deutschland verdeutlicht der Fall, wie eng demokratische Kontrolle, institutionalisierte PressezugĂ€nge und die Möglichkeit unabhĂ€ngiger Berichterstattung miteinander verknĂŒpft sind – und wie schnell diese Strukturen unter politischen Druck geraten können.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau.de: „US-PrĂ€sident Trump verbietet CNN Zugang zum Weißen Haus“ (19.09.2026)

Der Bericht hebe hervor, dass Trump CNN, MS NOW und Politico den Zugang zum Weißen Haus entziehe und dies mit angeblichen „Erfindungen und LĂŒgen“ begrĂŒnde. Aus Sicht der tagesschau werde der Schritt als Teil einer breiteren Kampagne gegen kritische Medien beschrieben, in der Experten von einer Gefahr fĂŒr Rede- und Pressefreiheit sprechen. Das Medium stelle zudem frĂŒhere ZugangsbeschrĂ€nkungen gegen andere Medien in einen grĂ¶ĂŸeren Kontext, wodurch die Eskalation des aktuellen Konflikts unterstrichen werde.

Deutschlandfunk: „Nach Hausverbot im Weißen Haus - Große US-Sender schrĂ€nken Berichterstattung ĂŒber Trump ein“ (21.09.2026)

Der Beitrag konzentriere sich auf die Reaktion der großen US-Sender, die ihre Berichterstattung im Rahmen des TV-Pools einschrĂ€nkten. Nach Darstellung des Artikels betonten die Sender in einer gemeinsamen Stellungnahme, keine Regierung dĂŒrfe Medien allein wegen missliebiger Berichterstattung beschneiden, und kĂŒndigten Klagen der betroffenen HĂ€user an. WĂ€hrend die Fakten zum Hausverbot bestĂ€tigt wĂŒrden, lege der Bericht den Schwerpunkt stĂ€rker auf die praktischen Folgen fĂŒr die Informationslage und den politischen Zeitpunkt kurz vor den Zwischenwahlen.

MedienĂŒbergreifend zeige sich damit Übereinstimmung darin, dass Trumps Vorgehen als Angriff auf die Pressefreiheit und als Bruch mit etablierten Zugangsregeln bewertet werde. Unterschiede lĂ€gen vor allem im Fokus: WĂ€hrend die tagesschau den verfassungsrechtlichen Rahmen und frĂŒhere Konflikte betone, rĂŒcke der Deutschlandfunk die koordinierte Antwort der Sender und die möglichen Auswirkungen auf die laufende Berichterstattung in den Vordergrund.

Disclaimer...

de | ausland | 70147618 |