US-Sanktionen gegen Russland: Kongress beschlieĂt weitreichendes Gesetz zu Ăl- und Gasexporten
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 11:08 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer US-Kongress hat ein neues Sanktionsgesetz beschlossen, das Russland wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine stÀrker unter wirtschaftlichen Druck setzen soll.
ReprÀsentantenhaus stimmt mit breiter Mehrheit zu
Nachdem der Senat bereits im Vormonat zugestimmt hatte, votierte nun auch das ReprĂ€sentantenhaus mit ĂŒberparteilicher Mehrheit fĂŒr das Gesetz. 262 Abgeordnete stimmten dafĂŒr, 159 dagegen. Sieben republikanische Abgeordnete lehnten das Paket ab, weshalb Stimmen der Demokraten fĂŒr die Verabschiedung erforderlich waren.
Die Ukraine reagierte erfreut auf den Beschluss. PrÀsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete das Gesetz in sozialen Medien zusammen mit anderen Sanktionen der Partner seines Landes als ein extrem mÀchtiges Instrument, das den Krieg stoppen und Russland zu einem Frieden bewegen könnte.
Weitreichende Eingriffe in den Energiehandel
Das Gesetz sieht direkte StrafmaĂnahmen gegen russische Politiker und Unternehmen vor und zielt zugleich darauf ab, russische Ăl- und Gasexporte einzudĂ€mmen, mit denen Moskau den Krieg finanziert. Der US-PrĂ€sident wird ermĂ€chtigt, die fĂŒnf gröĂten KĂ€ufer russischer EnergietrĂ€ger sowie die fĂŒnf LĂ€nder zu sanktionieren, die Russland besonders dabei helfen, Energiesanktionen zu umgehen.
ZunĂ€chst sollen die gröĂten Abnehmer russischer Energie im Jahr vor Inkrafttreten des Gesetzes ermittelt werden. Auf Einfuhren dieser Staaten in die USA können kĂŒnftig Zölle von bis zu 100 Prozent erhoben werden. Die Höhe der Zölle kann angepasst werden, wenn ein Land seine AbhĂ€ngigkeit von russischem Ăl und Gas reduziert. Alle 180 Tage sollen die fĂŒnf gröĂten Importeure neu bestimmt werden.
Ausnahmen fĂŒr begrenzte AbhĂ€ngigkeiten
Vorgesehen sind Ausnahmen fĂŒr LĂ€nder, deren Importe weniger als 15 Prozent der russischen Erdgasexporte in einem Zwölfmonatszeitraum ausmachen. Ausnahmen gelten auch fĂŒr Staaten, die konkrete Schritte unternehmen, um ihre KĂ€ufe russischer Energie zu verringern. Ein demokratischer Senator betonte bereits im Juli, europĂ€ische VerbĂŒndete seien von den Regelungen nicht betroffen.
Neben den Russland-Sanktionen enthĂ€lt das Gesetz auch einen Rahmen fĂŒr die VerlĂ€ngerung der bestehenden Sanktionen gegen den Iran bis zum Jahr 2031. Damit wird die Sanktionsarchitektur der USA gegenĂŒber zwei zentralen Akteuren im Nahen Osten und Osteuropa langfristig angelegt.
Belastungsprobe fĂŒr das VerhĂ€ltnis zu China
Bereits in der Vergangenheit hatte der US-PrĂ€sident Zölle gegen Indien wegen dessen KĂ€ufen russischen Ăls verhĂ€ngt, zeitweise in Höhe von 25 Prozent. GegenĂŒber China ging er bisher vorsichtiger vor und schreckte davor zurĂŒck, Peking direkt wegen der Energieimporte aus Russland unter Druck zu setzen.
In der kommenden Woche wird Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in Washington erwartet, nachdem der US-PrĂ€sident ihn wĂ€hrend einer Chinareise eingeladen hatte. Zwischen den beiden gröĂten Volkswirtschaften der Welt besteht seit lĂ€ngerem ein heftiger Handelskonflikt. Nach der Verabschiedung des Gesetzes im Kongress kritisierte das chinesische AuĂenministerium, Dritte dĂŒrften sich nicht in Chinas Handelsbeziehungen einmischen oder Druck ausĂŒben.
Signal an Putin und Debatte in Washington
Mit dem Gesetz sendet der Kongress ein deutliches Signal an Kremlchef Wladimir Putin, dessen Angriffskrieg gegen die Ukraine seit Februar 2022 andauert. Zugleich erhöht das Paket den innenpolitischen Druck auf den US-PrÀsidenten, die erweiterten Befugnisse zur Sanktionierung tatsÀchlich zu nutzen.
Im Wahlkampf vor seiner zweiten Amtszeit hatte der PrÀsident angedeutet, er könne den Krieg in kurzer Zeit beenden. Seine Regierung sieht die USA als Vermittler, bislang blieben jedoch substanzielle Fortschritte aus. Immer wieder steht der Vorwurf im Raum, er setze Putin nicht ausreichend unter Druck.
Langer Weg durch den Kongress
Der erste Entwurf fĂŒr das Sanktionsgesetz war bereits 2025 eingebracht worden und steckte lĂ€ngere Zeit im Senat fest. Nach dem Tod des Senators Lindsey Graham, der als treibende Kraft hinter dem Gesetz galt, drĂ€ngten seine Kollegen auf eine zĂŒgige Verabschiedung. Anfang August passierte das Paket mit deutlicher Mehrheit die Kammer.
Im Juli war der PrĂ€sident gefragt worden, ob er das Gesetz unterzeichnen werde, falls es den Kongress passieren sollte. Er legte sich nicht fest, deutete aber UnterstĂŒtzung an und verwies darauf, dass Graham die SanktionsplĂ€ne energisch vorangetrieben habe. Der Senator war kurz vor seinem Tod noch in der Ukraine und hatte dort Fortschritte bei dem Paket verkĂŒndet.
VerschÀrfter Sanktionsdruck auf Russland
Mit dem Sanktionsgesetz setzt der US-Kongress ein deutliches Signal, dass Russland wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine langfristig mit erhöhtem wirtschaftlichem Druck rechnen muss. Die Kopplung an den Energiesektor ist zentral: Ăl- und Gasexporte gehören zu den wichtigsten Einnahmequellen Russlands und finanzieren maĂgeblich die KriegsfĂŒhrung. Indem das Gesetz explizit die gröĂten KĂ€ufer russischer EnergietrĂ€ger adressiert, rĂŒckt es nicht nur Moskau, sondern auch dessen internationale AbsatzmĂ€rkte in den Fokus.
Konsequenzen fĂŒr globale Handelsbeziehungen
Die Möglichkeit, Staaten mit bis zu 100 Prozent Zöllen auf ihre Einfuhren in die USA zu belegen, dĂŒrfte vor allem fĂŒr LĂ€nder mit engen Wirtschaftsbeziehungen zu Washington von erheblicher Bedeutung sein. China und Indien, die groĂe Mengen russischen Erdöls abnehmen, werden durch die Regelungen faktisch vor die Wahl gestellt, ihre Energiepolitik anzupassen oder höhere Kosten im Handel mit den USA in Kauf zu nehmen. Zugleich sieht das Gesetz Ausnahmen und Anpassungen vor, wenn Staaten nachweislich ihre AbhĂ€ngigkeit von russischer Energie verringern. Damit entsteht ein dynamischer Mechanismus, der wirtschaftliche Anreize mit politischem Druck verbindet.
Innenpolitische Dimension und Signal an Kiew
Innenpolitisch stĂ€rkt der Kongress mit dem ĂŒberparteilichen Votum seine Rolle in der Russland- und Ukraine-Politik, indem er den Handlungsspielraum des PrĂ€sidenten sowohl erweitert als auch politisch einhegt. Die Kritik einzelner Demokraten an den weitreichenden Zollbefugnissen zeigt, dass die Machtbalance zwischen Legislative und Exekutive weiterhin umstritten bleibt. FĂŒr die Ukraine ist das Gesetz ein wichtiges Zeichen fortgesetzter UnterstĂŒtzung: Die Aussicht auf verschĂ€rfte Sanktionen gegen Russland wird dort als Chance gesehen, den militĂ€rischen Druck auf Moskau zu erhöhen und die Voraussetzungen fĂŒr einen möglichen Verhandlungsfrieden zu verbessern.
