US-Sanktionen gegen Russland: Kongress beschlieĂt weitreichendes Gesetz zu Ăl- und Gasexporten
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 07:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer US-Kongress hat ein neues Sanktionsgesetz beschlossen, mit dem Russland wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine stÀrker unter Druck gesetzt werden soll.
Kongress billigt Sanktionspaket gegen Russland
Nachdem der Senat bereits im vergangenen Monat zugestimmt hatte, votierte nun auch das ReprĂ€sentantenhaus fĂŒr das Paket. Die Abgeordneten verabschiedeten das Gesetz mit einer ĂŒberparteilichen Mehrheit von 262 zu 159 Stimmen. Sieben Republikaner stimmten dagegen, weshalb fĂŒr die Annahme auch Stimmen der Demokraten nötig waren. Die Ukraine begrĂŒĂte die Entscheidung und wertete sie als konsequenten Druck auf den Aggressor, um dessen Kriegsfinanzierung zu treffen.
Trump soll Gesetz unterzeichnen
Das Gesetz geht nun zur Unterzeichnung an US-PrĂ€sident Donald Trump, der seine Zustimmung zuvor bereits angedeutet hatte. Der Senat hatte das Vorhaben im vergangenen Monat mit deutlicher Mehrheit verabschiedet. Das Paket trĂ€gt den Namen des im Juli gestorbenen Senators und Trump-Vertrauten Lindsey Graham, der den Gesetzentwurf maĂgeblich vorangetrieben hatte und kurz vor seinem Tod noch in der Ukraine fĂŒr das Projekt geworben hatte.
Ziele und Mechanik der neuen Sanktionen
Kern des Gesetzes ist, Russlands Ăl- und Gasexporte stĂ€rker einzudĂ€mmen, mit denen der Kreml den Krieg gegen die Ukraine finanziert. Trump soll die Befugnis erhalten, die fĂŒnf gröĂten KĂ€ufer russischer EnergietrĂ€ger mit Sanktionen zu belegen sowie die fĂŒnf Staaten, die Russland am stĂ€rksten dabei helfen, bestehende Energiesanktionen zu umgehen. ZunĂ€chst sollen die fĂŒnf gröĂten KĂ€ufer im Jahr vor Inkrafttreten ermittelt werden, fĂŒr deren Einfuhren in die USA Zölle von bis zu 100 Prozent vorgesehen sind. Die Höhe der Zölle kann angepasst werden, wenn ein Land nachweislich versucht, seine AbhĂ€ngigkeit von russischer Energie zu reduzieren.
Ausnahmen fĂŒr VerbĂŒndete und weitere Regelungen
Vorgesehen sind Ausnahmen fĂŒr Staaten, deren Einfuhren weniger als 15 Prozent der russischen Erdgasexporte in einem Zwölfmonatszeitraum ausmachen oder die glaubhaft MaĂnahmen zur Reduzierung ihrer KĂ€ufe ergreifen. EuropĂ€ische VerbĂŒndete sollen damit auĂen vor bleiben. Neben neuen Russland-Sanktionen setzt das Gesetz auch den Rahmen fĂŒr eine VerlĂ€ngerung bestehender Sanktionen gegen den Iran bis zum Jahr 2031.
Mögliche Auswirkungen auf Beziehungen zu China und Indien
Das Paket könnte die ohnehin angespannten Handelsbeziehungen zu China und Indien zusĂ€tzlich belasten. Beide Staaten beziehen groĂe Mengen russischen Erdöls und könnten von hohen US-Zöllen direkt betroffen sein. Trump hatte bislang darauf verzichtet, Peking wegen seiner Energieimporte aus Russland unter Druck zu setzen. Auf Waren aus Indien waren zeitweise Zölle von 25 Prozent wegen der KĂ€ufe russischen Ăls verhĂ€ngt worden. In der kommenden Woche wird Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in Washington erwartet, wo GesprĂ€che zwischen beiden Staaten ohnehin von einem lang anhaltenden Handelskonflikt geprĂ€gt sind.
Signalwirkung fĂŒr die Ukraine und innenpolitische Kontroverse
FĂŒr die Ukraine bedeutet die Entscheidung des Kongresses ein klares Signal gegen Kremlchef Wladimir Putin und dessen seit Februar 2022 gefĂŒhrten Angriffskrieg. Zugleich erhöht das Gesetz den Druck auf Trump, diese neuen Befugnisse auch zu nutzen. Im Wahlkampf vor seiner zweiten Amtszeit hatte er suggeriert, er könne den Krieg binnen eines Tages beenden, bleibt bislang aber den Nachweis schuldig, Putin ausreichend unter Druck zu setzen. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hatte das Sanktionsgesetz bereits im August begrĂŒĂt, als es den Senat passierte.
Debatte ĂŒber Umfang der PrĂ€sidentenbefugnisse
Dass das Gesetz nun auch das ReprĂ€sentantenhaus passiert hat, war keine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Einige hochrangige Demokraten hatten zuvor betont, dass sie grundsĂ€tzlich eine UnterstĂŒtzung der Ukraine befĂŒrworten, zugleich aber kritisiert, dass das Paket die Zollbefugnisse des PrĂ€sidenten drastisch ausweitet. Sie bemĂ€ngelten zudem, dass das Gesetz nicht garantiert, dass tatsĂ€chlich neue Sanktionen gegen Russland verhĂ€ngt werden. Der erste Entwurf war bereits 2025 eingebracht worden, blieb jedoch lange im Senat liegen, bevor er nach dem Tod Grahams Anfang August verabschiedet wurde. Trump hatte seine UnterstĂŒtzung im Juli angedeutet und darauf verwiesen, dass Graham die Sanktionen mehr als alles andere gewollt habe.
SchÀrfere US-Sanktionen als Teil des wirtschaftlichen Drucks auf Russland
Das vom US-Kongress beschlossene Sanktionsgesetz fĂŒgt sich in eine Reihe wirtschaftlicher und finanzieller MaĂnahmen ein, mit denen die USA seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine die Kriegskasse des Kreml austrocknen wollen. Zentral ist dabei der Versuch, die Einnahmen aus Ăl- und Gasexporten zu begrenzen, weil diese einen wesentlichen Teil des russischen Staatshaushalts und damit auch die Finanzierung des Krieges stĂŒtzen. Mit der Fokussierung auf die gröĂten KĂ€ufer russischer Energie rĂŒckt das Gesetz den globalen Handelsfluss von Rohöl und Gas in den Mittelpunkt.
Spannungen im VerhÀltnis zu China und Indien möglich
Besonders heikel ist, dass die Instrumente des Gesetzes direkt auf Staaten zielen, die seit EinfĂŒhrung westlicher Sanktionen verstĂ€rkt russische Energie ĂŒbernehmen, darunter China und Indien. Höhere Zölle auf Einfuhren aus diesen LĂ€ndern wĂŒrden nicht nur Russland treffen, sondern auch Lieferketten und Preise in den USA beeinflussen. Dass der PrĂ€sident SpielrĂ€ume fĂŒr Ausnahmen und Anpassungen erhĂ€lt, zeigt, wie stark wirtschaftliche und geopolitische ErwĂ€gungen miteinander verflochten sind: Einerseits soll Russland isoliert, andererseits sollen zentrale Partner im indopazifischen Raum nicht dauerhaft entfremdet werden.
Bedeutung fĂŒr die Ukraine und innenpolitische Debatte in den USA
FĂŒr die Ukraine ist das Gesetz ein wichtiges politisches Signal: Der Kongress bekrĂ€ftigt, dass er den russischen Angriffskrieg nicht als dauerhaften Zustand akzeptiert, sondern zusĂ€tzlichen Druck auf Moskau befĂŒrwortet. Gleichzeitig macht das Paket sichtbar, wie umstritten der Einsatz weitreichender Zollbefugnisse im Inneren ist. Kritiker in den USA warnen vor möglichen Belastungen fĂŒr Verbraucher und Unternehmen sowie davor, dass scharfe Befugnisse nicht automatisch zu neuen Sanktionen fĂŒhren mĂŒssen. FĂŒr europĂ€ische Leser ist entscheidend, dass die US-Strategie zur EindĂ€mmung russischer Energieexporte indirekt auch die Energie- und Sicherheitslage Europas berĂŒhrt â selbst wenn europĂ€ische Staaten im Gesetz ausdrĂŒcklich von den schĂ€rfsten MaĂnahmen ausgenommen werden sollen.
