US-Sanktionen gegen Weltstrafgericht: Trump verschÀrft Streit mit Internationalem Strafgerichtshof
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 19:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie US-Regierung von PrĂ€sident Donald Trump verhĂ€ngt neue Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag und will damit Ermittlungen gegen US-BĂŒrger sowie VerbĂŒndete wie Israel verhindern.
Vermögen werden eingefroren
Nach Angaben des US-AuĂenministeriums werden sĂ€mtliche Vermögenswerte des Gerichts in den USA gesperrt und mĂŒssen dem US-Finanzministerium gemeldet werden. US-BĂŒrgern sind Transaktionen mit dem Gericht verboten.
Die rund 900 BeschĂ€ftigten könnten dadurch unter anderem keine US-Kreditkarten mehr nutzen und nicht in die Vereinigten Staaten reisen. Die MaĂnahmen richten sich damit auch gegen die praktische ArbeitsfĂ€higkeit der Institution.
180 Tage fĂŒr diplomatische Lösungen
Die Sanktionen treten nicht sofort in Kraft. Die US-Regierung will 180 Tage abwarten, um nach eigener Darstellung substanzielle Fortschritte bei diplomatischen und rechtlichen Lösungen zu ermöglichen.
Acht Staaten, darunter Deutschland, erklÀrten ihre Bereitschaft zu einem konstruktiven Dialog mit Nichtvertragsstaaten. Die EuropÀische Union und ihre Vertragsstaaten wollen nach der dpa-Meldung zudem die FunktionsfÀhigkeit des Gerichts sichern.
Gericht bereits unter Druck
Der Internationale Strafgerichtshof ist durch die wiederholten Angriffe Trumps bereits geschwÀcht. Der US-PrÀsident hatte die Vertragsstaaten im September vor der UN-Generalversammlung aufgefordert, das Gericht zu verlassen; Staaten wie Venezuela gaben dem Druck nach.
Weitere Staaten könnten die Zusammenarbeit verweigern, etwa bei der Festnahme gesuchter VerdÀchtiger. Als Reaktion könnte die EU ihre sogenannte Blocking-Verordnung erweitern, um europÀischen Unternehmen den Abbruch von GeschÀftsbeziehungen zum Gericht allein wegen der US-Sanktionen zu untersagen.
Auslöser im Umfeld der Nobelpreisvergabe
Das US-AuĂenministerium nannte zunĂ€chst keinen Grund fĂŒr den Zeitpunkt der AnkĂŒndigung. Sie erfolgte wenige Stunden nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an die sĂŒdafrikanische Juristin Navanethem Pillay, die von 2003 bis 2008 Richterin am Strafgerichtshof war.
Pillay erklÀrte, die Auszeichnung komme in einer Zeit, in der das internationale Völkerrecht zunehmend unter Druck gerate. Die Verschlechterung zeige sich besonders deutlich an den Angriffen auf den Internationalen Strafgerichtshof.
Washington pocht auf nationale SouverÀnitÀt
US-AuĂenminister Marco Rubio erklĂ€rte, die USA wĂŒrden niemals zulassen, dass US-BĂŒrger strafrechtlich verfolgt wĂŒrden. Er warf dem Gericht vor, mehr Macht auf Kosten der nationalen SouverĂ€nitĂ€t der USA anzustreben, und forderte VerbĂŒndete auf, sich dem Vorgehen anzuschlieĂen.
Gegen US-Amerikaner laufen derzeit keine Ermittlungen des Gerichts. In einem Afghanistan-Verfahren waren jedoch mutmaĂliche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit untersucht worden, bei denen auch Angehörige der US-StreitkrĂ€fte und des CIA in den Blick gerieten. Diese Untersuchungen waren bereits vor Jahren ausgesetzt worden.
Ein Gericht unter politischem und praktischem Druck
Der Internationale Strafgerichtshof verfolgt Einzelpersonen wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und des Verbrechens der Aggression. Seine Grundlage ist das Römische Statut. Die USA haben dieses Statut nicht ratifiziert und erkennen die allgemeine ZustĂ€ndigkeit des Gerichts ĂŒber US-BĂŒrger daher nicht an.
Die angekĂŒndigten MaĂnahmen zielen weniger auf einen unmittelbaren finanziellen Zusammenbruch als auf den internationalen Handlungsspielraum des Gerichts. ReisebeschrĂ€nkungen, blockierte Vermögenswerte und ein Verbot von Transaktionen können BeschĂ€ftigte, Dienstleister und Kooperationspartner verunsichern. Besonders wichtig bleibt die Zusammenarbeit der Vertragsstaaten, weil der Gerichtshof keine eigene Polizei besitzt und bei Festnahmen auf Staaten angewiesen ist.
Folgen fĂŒr Europa und laufende Verfahren
FĂŒr die EuropĂ€ische Union entsteht ein rechtlicher und politischer Zielkonflikt: Sie will den Gerichtshof schĂŒtzen, muss zugleich aber europĂ€ische Unternehmen vor US-Sanktionen bewahren. Eine mögliche Ausweitung der Blocking-Verordnung könnte GeschĂ€ftsbeziehungen absichern, wĂŒrde jedoch den Konflikt mit Washington verschĂ€rfen.
Die Bedeutung reicht ĂŒber den Streit zwischen den USA und dem Gericht hinaus. Wenn Staaten Haftbefehle nicht vollstrecken oder Ermittlungen politisch selektiv unterstĂŒtzen, verliert das Prinzip individueller strafrechtlicher Verantwortung an Wirkung. Das Verfahren gegen den frĂŒheren philippinischen PrĂ€sidenten Rodrigo Duterte zeigt zugleich, dass der Gerichtshof trotz des Drucks weiterarbeitet und konkrete FĂ€lle vorantreibt.

