US-Truppenabzug aus dem Irak: Letzte Soldaten verlassen das Land
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 08:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMehr als 20 Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins und nach dem Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ziehen die letzten US-Soldaten aus dem Irak ab.
Formeller Abschluss am Mittwoch
Der Abzug soll am Mittwoch formell abgeschlossen sein. Der US-Kampfeinsatz war bereits 2021 beendet worden; die zuletzt rund 2.500 Soldaten waren noch als Berater und Ausbilder im Land.
Der Schritt war 2024 zwischen Washington und Bagdad vereinbart worden. Schon 2011 hatten die USA ihre Truppen vollstĂ€ndig abgezogen, kehrten aber 2014 auf Bitte der irakischen Regierung zurĂŒck, nachdem der IS groĂe Gebiete im Irak und in Syrien erobert hatte.
Milizen bleiben bewaffnet
Der Abzug gehört zu den zentralen Forderungen von MinisterprĂ€sident Ali al-Saidi und mĂ€chtigen, mit Iran verbĂŒndeten Milizen. Diese sollten ihre Waffen parallel zum Abzug abgeben; der Schritt wurde jedoch auf Juni 2027 verschoben. Ob die Entwaffnung gelingt, ist offen.
US-Einsatz begann 2003
Die USA marschierten 2003 mit VerbĂŒndeten im Irak ein und stĂŒrzten Saddam Hussein. Die von Washington vorgebrachten VorwĂŒrfe von Verbindungen zu Al-Kaida und der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen erwiesen sich spĂ€ter als falsch.
AufstÀnde, konfessionelle Gewalt und Misshandlungen im GefÀngnis Abu Ghraib prÀgten die folgenden Jahre. Etwa 4.500 US-Soldaten und Zehntausende Iraker starben. Der Krieg stÀrkte zugleich den Einfluss des Iran und schuf Bedingungen, unter denen sich zunÀchst Al-Kaida und spÀter der IS ausbreiten konnten.
Kampf gegen den IS
Ab 2014 fĂŒhrte eine US-gefĂŒhrte Koalition mit mehr als 80 LĂ€ndern den Kampf gegen den IS. Die Bundeswehr beteiligt sich seit 2015 an dem Einsatz, unter anderem mit der Ausbildung irakischer SicherheitskrĂ€fte.
Der IS kontrolliert heute keine groĂen Gebiete mehr. Nach einem aktuellen Bericht der internationalen Anti-IS-Koalition konzentriert sich die Organisation im Irak auf ihr Ăberleben; zugleich sitzen Tausende IS-Gefangene in irakischen GefĂ€ngnissen.
Iran gewinnt an Gewicht
Der Abzug kann den Einfluss Irans und der mit Teheran verbundenen Milizen im Irak weiter stĂ€rken. Kritiker befĂŒrchten, dass US-Einrichtungen und Infrastruktur in den Golfstaaten dadurch stĂ€rker gefĂ€hrdet werden. Zugleich verlieren die Milizen mit den US-Truppen ein zentrales Argument fĂŒr ihren bewaffneten Widerstand.
Washington will weiter auf die Entwaffnung der Milizen drĂ€ngen. FĂŒr den Irak geht es damit um eine neue Balance zwischen den USA und Iran. Besonders die Kurden im Norden verlieren einen wichtigen Schutz, wĂ€hrend die Bundeswehr voraussichtlich zumindest vorerst in Erbil prĂ€sent bleiben könnte.
RĂŒckblick in den USA
In den USA gehen viele Menschen Umfragen zufolge nicht davon aus, dass der Irak-Krieg das Land sicherer gemacht hat. Der Abzug entspricht dem Ziel von PrÀsident Donald Trump, US-MilitÀreinsÀtze im Nahen Osten zu verringern und sogenannte ewige Kriege zu beenden.
Ein Machtvakuum mit regionaler Tragweite
Der Abzug beendet nicht die politischen Folgen des US-Einsatzes. Der Einmarsch von 2003 stĂŒrzte Saddam Hussein, beseitigte aber zugleich staatliche Machtstrukturen und verschĂ€rfte die Spannungen zwischen schiitischen und sunnitischen Gruppen. Davon profitierten zunĂ€chst Al-Kaida und spĂ€ter der IS; zugleich konnte der Iran seinen Einfluss auf Parteien, Sicherheitsapparate und Milizen im Irak ausbauen.
Die aktuelle ZĂ€sur fĂ€llt in eine ohnehin angespannte Sicherheitslage. Der IS kontrolliert zwar keine groĂen Gebiete mehr, verfĂŒgt aber weiterhin ĂŒber Zellen und kann AnschlĂ€ge verĂŒben. Parallel bleiben mit Iran verbĂŒndete Milizen ein eigenstĂ€ndiger Machtfaktor. Dass ihre Entwaffnung und Eingliederung in staatliche Strukturen auf Juni 2027 verschoben wurde, vergröĂert die Unsicherheit ĂŒber das kĂŒnftige Gewaltmonopol Bagdads.
Folgen fĂŒr Kurden und Bundeswehr
Besonders verletzlich sind die kurdischen Gebiete im Norden. Die Peschmerga waren wichtige Partner im Kampf gegen den IS; mit dem Wegfall der US-PrĂ€senz verlieren sie zugleich einen zentralen politischen und militĂ€rischen Schutz. FĂŒr Deutschland bleibt deshalb entscheidend, ob die Bundeswehr ihr Ausbildungs- und Beratungsmandat ĂŒber den multinationalen Einsatz hinaus in Erbil fortsetzt.
FĂŒr die Bevölkerung bedeutet der Abzug vor allem eine Verschiebung der Verantwortung: Die irakischen SicherheitskrĂ€fte mĂŒssen den Schutz vor IS-Zellen selbst gewĂ€hrleisten, wĂ€hrend die Regierung zwischen Washington, Teheran und den eigenen Milizen balanciert. Der angekĂŒndigte Feiertag zum Abzug unterstreicht den symbolischen SouverĂ€nitĂ€tsgewinn, sagt aber wenig ĂŒber die tatsĂ€chliche StabilitĂ€t des Landes aus.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: âBagdad meldet vollstĂ€ndigen Abzug der US-Truppenâ (27.09.2026)
Der Bericht bestÀtige den Abzug der letzten US-Kampftruppen und logistischen KrÀfte nach Angaben aus Bagdad und ordne ihn in die Vereinbarung von 2024 ein. Anders als die dpa-Meldung betone der Artikel, die offizielle BestÀtigung aus Washington stehe noch aus; zudem hebe er die fragile Sicherheitslage im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg und eine mögliche Fortsetzung der BundeswehrprÀsenz in Erbil hervor.
Der Beitrag schreibe auĂerdem, der IS sei zwar territorial weitgehend zurĂŒckgedrĂ€ngt, dessen Zellen seien aber weiterhin aktiv. Offen bleibe damit auch dort, wie dauerhaft die irakischen SicherheitskrĂ€fte den Schutz ohne US-Truppen gewĂ€hrleisten könnten.
