US-Truppenabzug, Irak

US-Truppenabzug aus dem Irak: Letzte Soldaten verlassen das Land

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach mehr als zwei Jahrzehnten endet die US-MilitĂ€rprĂ€senz im Irak formell. Der Abzug verschiebt die Verantwortung fĂŒr Sicherheit und StabilitĂ€t auf die irakische Regierung – wĂ€hrend IS-Zellen aktiv bleiben und Iran-nahen Milizen mehr Einfluss droht.

  • Der US-Abzug aus dem Irak wurde schon 2024 beschlossen. (Archivbild) - Bild: Ameer Al Mohammedaw/dpa
    Der US-Abzug aus dem Irak wurde schon 2024 beschlossen. (Archivbild) - Bild: Ameer Al Mohammedaw/dpa
  • Der US-Einmarsch erfolgte im erklĂ€rten «Krieg gegen den Terror». (Archivbild) - Bild: epa Zaklin/EPA/dpa
    Der US-Einmarsch erfolgte im erklÀrten «Krieg gegen den Terror». (Archivbild) - Bild: epa Zaklin/EPA/dpa
  • Die Invasion fĂŒhrte schließlich zur Festnahme Saddam Husseins. (Archivbild) - Bild: picture alliance / dpa
    Die Invasion fĂŒhrte schließlich zur Festnahme Saddam Husseins. (Archivbild) - Bild: picture alliance / dpa
  • Die US-Invasion fĂŒhrte zum Sturz von Saddam Hussein, aber auch zu Gewalt und Chaos. (Archivbild) - Bild: Jerome Delay/AP/dpa
    Die US-Invasion fĂŒhrte zum Sturz von Saddam Hussein, aber auch zu Gewalt und Chaos. (Archivbild) - Bild: Jerome Delay/AP/dpa
  • Die Kurden im Irak mĂŒssen nun noch mehr um ihre Sicherheit fĂŒrchten. (Archivbild) - Bild: Rashid Yahya/AP/dpa
    Die Kurden im Irak mĂŒssen nun noch mehr um ihre Sicherheit fĂŒrchten. (Archivbild) - Bild: Rashid Yahya/AP/dpa
  • Die USA drĂ€ngen bei Iraks MinisterprĂ€sident al-Saidi weiter auf die Entwaffnung von Milizen. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
    Die USA drÀngen bei Iraks MinisterprÀsident al-Saidi weiter auf die Entwaffnung von Milizen. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
Der US-Abzug aus dem Irak wurde schon 2024 beschlossen. (Archivbild) - Bild: Ameer Al Mohammedaw/dpa Der US-Einmarsch erfolgte im erklĂ€rten «Krieg gegen den Terror». (Archivbild) - Bild: epa Zaklin/EPA/dpa Die Invasion fĂŒhrte schließlich zur Festnahme Saddam Husseins. (Archivbild) - Bild: picture alliance / dpa Die US-Invasion fĂŒhrte zum Sturz von Saddam Hussein, aber auch zu Gewalt und Chaos. (Archivbild) - Bild: Jerome Delay/AP/dpa Die Kurden im Irak mĂŒssen nun noch mehr um ihre Sicherheit fĂŒrchten. (Archivbild) - Bild: Rashid Yahya/AP/dpa Die USA drĂ€ngen bei Iraks MinisterprĂ€sident al-Saidi weiter auf die Entwaffnung von Milizen. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

Mehr als 20 Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins ziehen die letzten US-Soldaten aus dem Irak ab; der formelle Abschluss sollte an diesem Mittwoch erfolgen.

Abzug 2024 beschlossen

Das bestÀtigte ein US-Verteidigungsbeamter am Dienstag der dpa. Der US-Kampfeinsatz war bereits 2021 beendet worden, zuletzt waren noch etwa 2.500 US-Soldaten als Berater und Ausbilder im Land.

Die USA waren 2011 schon einmal vollstĂ€ndig aus dem Irak abgezogen. Nach dem Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ab 2014 kehrten sie auf Bitte der irakischen Regierung zurĂŒck. Im Rahmen der US-gefĂŒhrten Operation Inherent Resolve kĂ€mpften sie mit VerbĂŒndeten im Irak und in Syrien gegen die Dschihadisten.

Vom Sturz Husseins zum IS-Krieg

Der US-Einmarsch begann 2003 im erklĂ€rten „Krieg gegen den Terror“. Die VorwĂŒrfe gegen Saddam Hussein, Verbindungen zu Al-Kaida zu unterhalten und Massenvernichtungswaffen anzustreben, erwiesen sich spĂ€ter als falsch. Dennoch stĂŒrzten die USA mit VerbĂŒndeten den Machthaber.

Es folgten AufstĂ€nde, konfessionelle Gewalt und schwere Menschenrechtsverletzungen. Etwa 4.500 US-Soldaten und Zehntausende Iraker wurden getötet. Der Krieg stĂ€rkte den Einfluss des Iran und verbĂŒndeter Milizen; das entstandene Machtvakuum begĂŒnstigte zudem Al-Kaida und spĂ€ter den IS.

IS militÀrisch besiegt

Der IS errichtete ab 2014 ein Herrschaftsgebiet im Irak und in Syrien, verĂŒbte Massenmorde und bedrohte auch Europa und die USA. An der internationalen MilitĂ€raktion beteiligten sich mehr als 80 LĂ€nder, darunter Deutschland seit 2015 mit der Bundeswehr.

Der IS verlor sein Territorium, einzelne Zellen sind aber weiterhin aktiv. Tausende IS-Gefangene sitzen in irakischen GefĂ€ngnissen. Im Irak konzentriere sich die Organisation inzwischen auf ihr eigenes Überleben, heißt es im aktuellen Bericht der Operation Inherent Resolve.

Mehr Einfluss fĂŒr Iran-nahe Milizen?

Der Abzug erfĂŒllt eine zentrale Forderung des irakischen MinisterprĂ€sidenten Ali al-Saidi und mĂ€chtiger, mit Iran verbĂŒndeter Milizen. Diese sollten ursprĂŒnglich parallel ihre Waffen abgeben; der Schritt wurde jedoch auf Juni 2027 verschoben. Ob die Entwaffnung gelingt, gilt als offen.

Der Iran kann seinen Einfluss im Irak damit voraussichtlich erhalten oder ausbauen. Zugleich verlieren die Milizen ein wichtiges Argument fĂŒr ihren bewaffneten „Widerstand“ gegen die US-PrĂ€senz. Besonders die Kurden fĂŒrchten um ihren Schutz, nachdem sie im Kampf gegen den IS ein wichtiger Partner der USA waren.

Neue Verantwortung fĂŒr Bagdad

Der Abzug passt zum Ziel der US-Regierung, militĂ€rische EinsĂ€tze im Nahen Osten zu reduzieren. FĂŒr den Irak beginnt damit eine unsichere Phase: Die Regierung muss den IS eindĂ€mmen, bewaffnete Gruppen stĂ€rker kontrollieren und zugleich zwischen Washington und Teheran balancieren.

Ein Abzug mit langer Vorgeschichte

Der Abzug beendet nicht die amerikanische Geschichte im Irak, sondern vor allem die militĂ€rische Phase des Anti-IS-Einsatzes. Washington und Bagdad hatten den Schritt bereits 2024 vereinbart; die zuletzt rund 2.500 US-Soldaten waren ĂŒberwiegend beratend und ausbildend tĂ€tig. Der Irak ĂŒbernimmt damit formal wieder vollstĂ€ndig die Verantwortung fĂŒr seine innere Sicherheit.

Die Sicherheitslage bleibt dennoch von mehreren Machtzentren geprĂ€gt. Der IS verfĂŒgt zwar ĂŒber kein zusammenhĂ€ngendes Herrschaftsgebiet mehr, einzelne Zellen sind aber weiterhin aktiv. Gleichzeitig besitzen schiitische, eng mit Iran verbundene Milizen erheblichen politischen und militĂ€rischen Einfluss. Die verschobene Entwaffnung dieser Gruppen auf Juni 2027 verschĂ€rft die offene Frage, ob der Staat sein Gewaltmonopol tatsĂ€chlich ausweiten kann.

Folgen fĂŒr Kurden und regionale StabilitĂ€t

Besonders sensibel ist die Lage in der autonomen Kurdenregion. Die kurdischen SicherheitskrĂ€fte waren ein zentraler Partner im Kampf gegen den IS und verlieren mit dem Abzug einen wichtigen Schutzfaktor. FĂŒr Bagdad bedeutet der Schritt mehr außenpolitischen Spielraum zwischen Washington und Teheran, zugleich aber auch grĂ¶ĂŸere Verantwortung fĂŒr den Schutz von Minderheiten, die Kontrolle bewaffneter Gruppen und die Verhinderung eines neuen Machtvakuums.

FĂŒr Deutschland bleibt der Irak zudem sicherheitspolitisch relevant. Die Bundeswehr beteiligt sich seit 2015 an Ausbildung und UnterstĂŒtzung irakischer KrĂ€fte; die Zukunft solcher BeitrĂ€ge hĂ€ngt nun stĂ€rker von der irakischen Eigenleistung und von europĂ€ischen Entscheidungen ab. FĂŒr Reisende, Unternehmen und Angehörige im Land ist entscheidend, ob die angekĂŒndigte staatliche Kontrolle praktisch funktioniert – insbesondere in Gebieten mit konkurrierenden bewaffneten Akteuren.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

DER SPIEGEL: „Irak: USA ziehen MilitĂ€r vollstĂ€ndig ab – StabilitĂ€t bleibt fragil“ (28.09.2026)

Der Bericht bestĂ€tige den vollstĂ€ndigen Abzug und hebe hervor, dass der IS zwar große Gebiete verloren habe, einzelne Zellen aber weiterhin aktiv seien. Anders als die dpa-Meldung konzentriere sich der Artikel stĂ€rker auf die fragile StabilitĂ€t, die erneute Verschlechterung der Sicherheitslage im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg und die geplanten Feiertage zum „Tag der UnabhĂ€ngigkeit“.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

BR24: „Nahost-Ticker: Weißes Haus drĂ€ngt EU Diesel-Reserven freizugeben“ (28.09.2026)

Der Ticker bestĂ€tige den fĂŒr Mittwoch geplanten Abschluss des Abzugs und stelle dabei die Sorge vor einem Machtvakuum sowie einem möglichen Wiedererstarken des IS heraus. Er ordne den Schritt stĂ€rker in den laufenden regionalen Konflikt ein und verweise darauf, dass die ursprĂŒnglich parallel vorgesehene Entwaffnung iranisch verbĂŒndeter Milizen auf das kommende Jahr verschoben worden sei.

Beide Berichte bestĂ€tigten den Abzug und die fortbestehende AktivitĂ€t einzelner IS-Zellen. Der SPIEGEL betone vor allem die fragile StabilitĂ€t und den iranischen Einfluss, wĂ€hrend BR24 den regionalen Krieg und die BefĂŒrchtung eines Machtvakuums in den Mittelpunkt rĂŒcke; offen bleibe, wie wirksam Bagdad die Sicherheitsverantwortung kĂŒnftig ausĂŒben könne.

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