US-Truppenabzug aus dem Irak: Letzte Soldaten verlassen das Land
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 10:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas US-MilitÀr ist nach Angaben des Pentagons vollstÀndig aus dem Irak abgezogen, womit die letzte Phase der amerikanischen MilitÀrprÀsenz in dem Land endet.
Rund 2.500 Soldaten zuletzt im Irak
Die letzten US-Soldaten hĂ€tten den Irak verlassen, teilte das US-Verteidigungsministerium mit. In den vergangenen Jahren waren dort noch rund 2.500 US-KrĂ€fte stationiert. Zuletzt befanden sie sich in Erbil in der Kurdenregion, an einem StĂŒtzpunkt nahe dem Flughafen von Bagdad und in der GrĂŒnen Zone der Hauptstadt.
Das Pentagon bezeichnete den Abzug als Abschluss einer zwölfjĂ€hrigen Kampagne, durch die der Islamische Staat als organisierte militĂ€rische Bedrohung im Irak und in der Region besiegt worden sei. Die irakische Regierung trage nun die Hauptverantwortung fĂŒr die verbliebenen sicherheitspolitischen Herausforderungen.
IS-Zellen bleiben aktiv
Die USA hatten seit 2014 gemeinsam mit VerbĂŒndeten im Irak und in Syrien gegen den IS gekĂ€mpft. Die Terrormiliz wurde im Irak 2017 und in Syrien 2019 militĂ€risch besiegt, verfĂŒgt aber weiterhin ĂŒber Zellen, die vereinzelt AnschlĂ€ge verĂŒben.
Konflikt mit Iran belastet Sicherheitslage
Die USA und der Iran tragen ihren regionalen Konflikt seit Jahren auch im Irak aus. 2020 töteten die USA bei einem Drohnenangriff in Bagdad den iranischen General Ghassem Soleimani und den MilizenfĂŒhrer Abu Mahdi al-Muhandis. Darauf folgten wochenlange Spannungen.
Im laufenden Iran-Krieg verschĂ€rfte sich die Lage erneut. IranverbĂŒndete Milizen griffen unter anderem die US-Botschaft in Bagdad und den StĂŒtzpunkt Erbil an, der auch von der Bundeswehr genutzt wird. Das US-MilitĂ€r schlug seinerseits Ziele der Milizen im Irak an.
Entwaffnung der Milizen verschoben
Die ursprĂŒnglich parallel zum US-Abzug geplante Entwaffnung und Eingliederung mĂ€chtiger iranverbĂŒndeter Milizen in den staatlichen Sicherheitsapparat wurde auf Juni 2027 verschoben. Die wichtigsten Gruppierungen lehnen den Schritt bislang ab. Eine gewaltsame Umsetzung könnte neue schwere KĂ€mpfe auslösen.
Bundeswehrmandat lÀuft bis Januar
Die USA waren 2003 mit VerbĂŒndeten in den Irak einmarschiert und hatten Saddam Hussein gestĂŒrzt. Nach dem Abzug 2011 kehrten sie 2014 auf Bitte der irakischen Regierung zur BekĂ€mpfung des IS zurĂŒck. Die Bundeswehr beteiligt sich seit 2015 unter anderem an der Ausbildung irakischer Soldaten. Das Mandat mit bis zu 500 KrĂ€ften lĂ€uft bis Januar; AuĂenminister Johann Wadephul erwartet eine mögliche weitere PrĂ€senz in Erbil.
Abzug beendet US-Kampfmission
Mit dem Abzug endet die zweite groĂe Phase amerikanischer MilitĂ€rprĂ€senz im Irak. Nach der Invasion von 2003 und dem Abzug 2011 kehrten US-Truppen 2014 auf Bitte der irakischen Regierung zurĂŒck, um den IS zurĂŒckzudrĂ€ngen. Die Terrormiliz verlor ihre groĂen Herrschaftsgebiete, ist aber mit Zellen weiterhin aktiv.
Sicherheitsrisiko durch Milizen
Die zentrale Folge des Abzugs liegt deshalb nicht in einer unmittelbaren RĂŒckkehr des IS zu frĂŒherer StĂ€rke, sondern in der Neuverteilung militĂ€rischer Macht. Die irakischen SicherheitskrĂ€fte mĂŒssen kĂŒnftig eigenstĂ€ndiger gegen Dschihadisten vorgehen, wĂ€hrend einflussreiche, dem Iran nahestehende Milizen ihre Waffen behalten. Ihre geplante Entwaffnung und Eingliederung in staatliche Strukturen wurde auf Juni 2027 verschoben.
Irak bleibt regionaler Schauplatz
Der Irak liegt zwischen Iran, Syrien und den Golfstaaten und war wiederholt Schauplatz des Konflikts zwischen Washington und Teheran. US-Einrichtungen und kurdische Gebiete gerieten zuletzt unter Beschuss. FĂŒr die Bevölkerung kann der Abzug daher zwar mehr staatliche SouverĂ€nitĂ€t bedeuten, zugleich aber auch gröĂere Unsicherheit, falls Bagdad die konkurrierenden bewaffneten Akteure nicht wirksam kontrolliert. FĂŒr Deutschland bleibt zudem die Zukunft des Bundeswehrmandats in Erbil relevant.
