Katar: Feuerpause im Gaza-Krieg Freitag ab 6Â Uhr MEZ
23.11.2023 - 15:25:36 | dpa.deDie angekĂŒndigte Feuerpause zwischen Israel und der islamistischen Hamas soll nach Angaben des Vermittlers Katar am Freitag um 7.00 Uhr Ortszeit (6.00 Uhr MEZ) beginnen. Das sagte Madschid al-Ansari, Sprecher des katarischen AuĂenministeriums, in Doha.
Zuvor hatte es geheiĂen, die zwischen Israel und der islamistischen Hamas vereinbarte Freilassung von Geiseln aus dem Gazastreifen verzögere sich. «Der Beginn der Freilassung wird gemÀà der ursprĂŒnglichen Vereinbarung zwischen den Seiten und nicht vor Freitag erfolgen», teilte Israels Sicherheitsberater Tzachi Hanegbi am spĂ€ten Mittwochabend mit.
Die Hamas hatte am Mittwoch noch erklĂ€rt, die vereinbarte Kampfpause solle am Donnerstag um 9.00 Uhr MEZ beginnen. Entsprechend war der erste Austausch von in Israel entfĂŒhrten Geiseln gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge noch fĂŒr heute erwartet worden. Derweil gab es laut Israels Armee am Donnerstagmorgen wieder Raketenalarm im Grenzgebiet.
Armeesprecher: RĂŒckfĂŒhrung der Geiseln kann dauern
«Die GesprĂ€che ĂŒber die Freilassung unserer Geiseln schreiten voran und werden laufend fortgesetzt», sagte Hanegbi am Mittwochabend. MilitĂ€rsprecher Daniel Hagari hatte zuvor mitgeteilt, das israelische MilitĂ€r bereite die Umsetzung der ersten Phase der Vereinbarung zwar vor, die RĂŒckfĂŒhrung der in den abgeriegelten KĂŒstenstreifen verschleppten Menschen könne allerdings Zeit in Anspruch nehmen und werde in mehreren Etappen ablaufen.
Ein israelischer Beamter erklĂ€rte die Verzögerung laut «Times of Israel» zufolge damit, dass entgegen der bisherigen Auffassung der israelischen Seite sowohl Israel als auch die Hamas zunĂ€chst ein Dokument zur Ratifizierung des Abkommens unterzeichnen mĂŒssten, damit es in Kraft treten könne. Das Dokument werde hoffentlich innerhalb der nĂ€chsten 24 Stunden unterzeichnet, so dass die ersten Geiseln am Freitag freigelassen werden könnten. Die «Jerusalem Post» sprach von einer «Komplikation in letzter Minute».
Beide Seiten hatten sich zuvor auf eine maximal zehntÀgige Feuerpause in Israel und dem Gazastreifen geeinigt. Teil der Vereinbarung ist ein Austausch von bis zu 100 Geiseln aus Israel gegen bis zu 300 palÀstinensische Insassen israelischer GefÀngnisse.
Israels Luftwaffe fĂŒhrt Schlag gegen Hisbollah aus
Die in Verbindung zur Hamas stehende und ebenfalls mit Israel verfeindete Hisbollah-Miliz im Libanon, die sich seit Beginn des Gaza-Krieges vor knapp sieben Wochen immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen mit Israels MilitÀr liefert, ist der «Jerusalem Post» zufolge nicht Teil des Abkommens. Die ZwischenfÀlle an der Grenze zum Libanon, die zu eskalieren drohen, hÀtten keinen Einfluss darauf. Unterdessen griff Israel nach eigenen Angaben in der Nacht zu Donnerstag Ziele der proiranischen Miliz im Libanon an.
Sicherheitskreise: Elite-Mitglieder der Hisbollah getötet
Das israelische MilitĂ€r meldete, Kampfflugzeuge hĂ€tten Infrastruktur der Schiiten-Miliz attackiert. Die Hisbollah gab bekannt, dass mindestens fĂŒnf ihrer Mitglieder getötet worden seien. Darunter sei der Sohn des Vorsitzenden des parlamentarischen Blocks der Hisbollah im libanesischen Parlament, Mohamed Raad. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus libanesischen Sicherheitskreisen erfuhr, handelte es sich um Mitglieder der Elite-Brigade der Hisbollah, Al Radwan. Demnach wurde ein Haus im Dorf Beit Yahoun in SĂŒdlibanon getroffen.
Es besteht Sorge, dass sich der Gaza-Krieg auf den Libanon ausweiten könnte. Die Hisbollah gilt als einflussreicher und deutlich schlagkrĂ€ftiger als die Hamas. Zudem gilt die Hisbollah als wichtigster nichtstaatlicher VerbĂŒndeter des Irans und zĂ€hlt zur selbst ernannten «Widerstandsachse», einer Front von Milizen mit dem Ziel, Irans Erzfeind Israel zu bekĂ€mpfen.
Biden: Machen uns fĂŒr Freilassung aller Geiseln stark
US-PrĂ€sident Joe Biden begrĂŒĂte den Deal mit der Hamas und versicherte Israels Regierung, sich fĂŒr die Freilassung aller Geiseln stark zu machen. Biden habe in einem Telefonat mit MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu am Mittwoch darĂŒber gesprochen, dass eine Feuerpause es ermöglichen werde, dringend benötigte humanitĂ€re Hilfe in den Gazastreifen zu bringen, so das WeiĂe Haus.
Israels Armee: Tunnel unter Schifa-Krankenhaus freigelegt
Die israelische Armee hat unterdessen nach eigenen Angaben weitere Teile eines mutmaĂlichen Hamas-Tunnelsystems unter dem Schifa-Krankenhaus im Gazastreifen freigelegt. Das MilitĂ€r veröffentlichte am Mittwochabend Videos und Bilder, auf denen weitere EingĂ€nge zu Tunneln sowie unterirdische RĂ€ume und Verstecke zu sehen waren. Die israelischen StreitkrĂ€fte vermuten unter dem gröĂten Krankenhaus im Gazastreifen eine Kommandozentrale der Hamas.
Erst vor wenigen Tagen entdeckte das MilitĂ€r wĂ€hrend des umstrittenen Einsatzes in der Klinik einen Schacht, der nach Angaben der Armee zu einer Tunnelstrecke fĂŒhrt, an dessen Ende sich nach 55 Metern eine «explosionssichere» TĂŒr befand. Wie die Armee nun bekanntgab, befinden sich hinter der erst kĂŒrzlich aufgebrochenen TĂŒr ein klimatisierter Raum und ein Badezimmer sowie weitere SchĂ€chte. Nach Angaben des MilitĂ€rs erstreckt sich das Tunnelsystem unter dem gesamten KrankenhausgebĂ€ude sowie weiteren GebĂ€uden in der Gegend.
Nach EinschĂ€tzung des MilitĂ€rsprechers Hagari sind die Ergebnisse der Erkundung Beweise fĂŒr die «bewusste Vorgehensweise der Hamas, unter KrankenhĂ€usern zu agieren». Die Klinik sei gezielt als Waffenlager und Kommandozentrale der Hamas genutzt worden. Die Hamas bestreitet dies. Die Angaben lieĂen sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
Roter Halbmond evakuiert 190 Menschen aus Schifa-Krankenhaus
Nach Angaben des PalĂ€stinensischen Roten Halbmonds wurden derwezil weitere Patienten aus dem Krankenehaus evakuiert. 14 Krankenwagen sowie zwei UN-Busse hĂ€tten 190 Verletzte und Kranke, deren Begleiter und einige medizinische Mitarbeiter in KrankenhĂ€user in Chan Junis und Rafah im SĂŒden des Gazastreifens gebracht, teilte die Hilfsorganisation mit. Es blieb unklar, wie viele der 190 Verletzte und Kranke waren. «Viele andere Verletzte und ihre Begleiter sind samt medizinischer Mitarbeiter noch im Krankenhaus.»
Die Evakuierung mit UnterstĂŒtzung der Vereinten Nationen (UN) habe fast 20 Stunden gedauert, teilte der Rote Halbmond mit. Der Konvoi sei behindert und an einem Kontrollpunkt, der den nördlichen vom sĂŒdlichen Gazastreifen trennt, ausfĂŒhrlich durchsucht worden. Das Leben der Verwundeten und Kranken sei dadurch gefĂ€hrdet worden.
Israel nimmt Direktor von Schifa-Krankenhaus fest
Das israelische MilitĂ€r nahm nach eigenen Angaben den Direktor des Schifa-Krankenhauses im Gazastreifen fest. Beweise zeigten, dass das Schifa-Krankenhaus unter seiner Leitung als ein Kommando- und Kontrollzentrum der islamistischen Hamas gedient habe, teilten die Armee und der Inlandsgeheimdienst Schin Bet am Donnerstag mit. Der Direktor sei zur Befragung an den Nachrichtendienst ĂŒbergeben worden.
Die Hamas verurteilte die Festnahme von Mohammad Abu Salamia. Bei der Festnahme sei der Direktor auf dem Weg vom nördlichen Teil des Gazastreifens in den SĂŒden gewesen, teilte das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium mit. Abu Salamia war demnach mit weiteren Ărzten unterwegs.
Die israelische Armee teilte mit: «Das Hamas-Terrortunnel-Netzwerk unter dem Krankenhaus hat auch Strom und Ressourcen ausgebeutet, die aus dem Krankenhaus genommen wurden.» Zudem habe die Hamas zahlreiche Waffen in dem Krankenhaus und auf dem GelÀnde gelagert. Hamas-Terroristen hÀtten nach dem Massaker am 7. Oktober Geiseln in das Krankenhaus mitgenommen, hieà es weiter. Ein pathologischer Bericht habe die Ermordung einer israelischen Soldatin auf dem KlinikgelÀnde bestÀtigt.
Israel: Alle Hamas-FĂŒhrer sind dem Tod geweiht
Netanjahu hatte zuvor erklĂ€rt, der Krieg im Gazastreifen gegen die Hamas werde nach Umsetzung der Vereinbarung ĂŒber eine Feuerpause weiter fortgesetzt. Sein Verteidigungsminister Joav Galant sagte laut der «Times of Israel», alle Hamas-FĂŒhrer wĂŒrden getötet. «Der Kampf ist weltweit: Vom Bewaffneten im Feld bis hin zu denen, die sich in Luxusjets vergnĂŒgen, wĂ€hrend ihre Abgesandten gegen Frauen und Kinder vorgehen - sie sind dem Tod geweiht».
PalĂ€stinenser in Ăgypten können Freitag in Gazastreifen reisen
In Ăgypten gestrandete PalĂ€stinenser, die freiwillig zurĂŒck in den Gazastreifen wollen, können am Freitag dorthin einreisen. Das teilte die Grenzbehörde auf palĂ€stinensischer Seite am Ăbergang Rafah am Donnerstag mit. Die Ă€gyptische Seite habe ĂŒber die geplante Grenzöffnung fĂŒr diese Personengruppe informiert. Die palĂ€stinensische Botschaft in Ăgypten bestĂ€tigte, dass im Nord-Sinai gestrandete PalĂ€stinenser am Freitag nach Gaza reisen könnten. Nach palĂ€stinensischen Angaben sind im KĂŒstenort Al-Arisch nahe Rafah mehr als 900 PalĂ€stinenser gestrandet.
Medienberichten zufolge hielten sich bei Beginn des Gaza-Kriegs Hunderte PalĂ€stinenser aus Gaza in Ăgypten auf. Sie seien etwa zu Ă€rztlichen Behandlungen, anderen Terminen oder zur Durchreise ins Land gekommen. Viele hĂ€tten dann versucht, vor SchlieĂung des GrenzĂŒbergangs Rafah nach Gaza zu kommen, hĂ€tten es aber nicht rechtzeitig geschafft. Hunderte seien im KĂŒstenort Al-Arisch im Nord-Sinai gestrandet, berichtete der Nachrichtensender Al-Dschasira.
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