Johann Wadephul, Russland-Sanktionen

Wadephul verschärft Ton gegenüber Putin und kündigt neue Russland-Sanktionen an

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Außenminister Johann Wadephul wirft Wladimir Putin eine brutale Zermürbungstaktik vor und kündigt weiteren Druck auf Russlands Kriegswirtschaft an. Vorausgegangen war ein ergebnisloses Gespräch mit Sergej Lawrow am Rande der UN-Generalversammlung.

 Außenminister Johann Wadephul verschärft den Ton gegenüber Moskau. (Archivfoto) - Bild: Michael Kappeler/dpa
Außenminister Johann Wadephul verschärft den Ton gegenüber Moskau. (Archivfoto) - Bild: Michael Kappeler/dpa

Außenminister Johann Wadephul verschärft nach dem ergebnislosen Treffen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow am Rande der UN-Generalversammlung in New York den Ton gegenüber Moskau.

Wadephul attackiert Putin

Nach den jüngsten massiven Angriffen auf die Ukraine mit zahlreichen zivilen Opfern warf der CDU-Politiker dem russischen Präsidenten Wladimir Putin eine brutale Zermürbungstaktik vor. „Putins Grausamkeit kennt keine Grenzen“, sagte Wadephul der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Putin setze seinen „Raketenterror auf die Ukrainerinnen und Ukrainer, darunter viele Kinder, mit immer größerer Härte fort“, sagte der Außenminister. Der russische Präsident werde dennoch scheitern – am Widerstand der Ukraine und an der fortgesetzten Unterstützung für deren Verteidigung.

Tote und Verletzte in Pryluky

Die vergangenen Tage hätten gezeigt, dass Russland auf Eskalation setze, sagte Wadephul. Dutzende Zivilistinnen und Zivilisten, darunter Kinder, seien allein in den vergangenen drei Tagen getötet worden.

Wohnhäuser wie in Pryluky würden Nacht für Nacht gezielt zerstört, Menschen dabei im Schlaf getötet. „Diese Zermürbungstaktik ist unfassbar brutal“, kritisierte der Minister.

EU bereitet neue Sanktionen vor

Wadephul verwies auf weitere 1,2 Milliarden Euro, die die EU am Mittwoch für lebensrettende Luftverteidigung in der Ukraine bereitgestellt habe. Zugleich werde der Druck auf Russlands Kriegswirtschaft und ihre Unterstützer mit neuen Sanktionen erheblich verstärkt.

In Brüssel würden die letzten Schritte abgestimmt, damit die bislang umfassendsten Strafmaßnahmen gegen Personen und Unternehmen bald greifen könnten. Die Maßnahmen sollen nach Wadephuls Worten Russlands Fähigkeit, die Ukraine anzugreifen, empfindlich treffen.

Bis zu 1.600 weitere Betroffene

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hatte erklärt, es liefen Vorbereitungen, um 1.600 weitere Personen und Unternehmen mit Verbindungen zum militärisch-industriellen Komplex Russlands zu sanktionieren.

Allein in Pryluky waren kürzlich mindestens 19 Menschen getötet und 55 weitere verletzt worden, wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mitgeteilt hatte. Unter den Toten waren demnach fünf Kinder; fünf Kinder wurden verletzt. In der rund 120 Kilometer östlich von Kiew gelegenen Stadt war ein fünfstöckiger Wohnblock getroffen worden.

Diplomatie ohne Fortschritt

Das ergebnislose Gespräch zwischen Johann Wadephul und Sergej Lawrow steht für die begrenzten direkten Gesprächskanäle zwischen Deutschland und Russland. Ein Treffen am Rand der UN-Generalversammlung schafft zwar eine Kontaktmöglichkeit, ersetzt aber keine Verhandlungsbereitschaft über die zentralen Streitfragen des Krieges gegen die Ukraine.

Parallel verschärft die Europäische Union ihren wirtschaftlichen Druck. EU-Botschafter billigten am 7. Oktober nach Angaben von Diplomaten 1.646 neue Einträge für die Sanktionsliste. Im Mittelpunkt stehen Unternehmen und Personen aus der russischen Rüstungsindustrie, darunter Produzenten ballistischer Raketen, Drohnenhersteller, Zulieferer und Werften. Zusätzlich sollen Politiker aus besetzten ukrainischen Gebieten sowie nordkoreanische Unterstützer militärischer Zusammenarbeit betroffen sein.

Folgen für die Ukraine

Die Angriffe zeigen zugleich, dass die zivile Infrastruktur und Wohngebiete weiterhin unmittelbar gefährdet sind. In Pryluky wurden nach ukrainischen Angaben mindestens 19 Menschen getötet und 55 verletzt; der Angriff auf einen fünfstöckigen Wohnblock macht die Bedeutung wirksamer Luftverteidigung deutlich.

Für Deutschland und andere EU-Staaten verbindet sich damit eine doppelte Aufgabe: Sie müssen die ukrainische Luftverteidigung kurzfristig stärken und zugleich die Versorgung der russischen Kriegswirtschaft erschweren. Die angekündigten Sanktionen dürften deshalb vor allem an ihrer praktischen Durchsetzung gemessen werden – etwa daran, ob Umgehungswege, Zulieferketten und Finanzströme tatsächlich eingeschränkt werden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

MDR: „Ukraine-News: Mindestens 32 Tote bei russischen Angriffen in der Ukraine“ (08.10.2026)

Der MDR-Bericht bestätige die schweren russischen Angriffe und ordne sie in eine fortlaufende Nachrichtenübersicht zum Ukraine-Krieg ein. Anders als die dpa-Meldung, die Wadephuls Reaktion hervorhebe, setze der Beitrag den Schwerpunkt auf die Opferzahlen, weitere Angriffe und die von EU-Botschaftern gebilligten 1.646 neuen Sanktionseinträge.

Euronews: „EU weitet Russland-Sanktionen aus: Rund 1.600 neue Namen auf der Liste“ (07.10.2026)

Der Bericht schreibe, die EU habe sich auf die bislang größte Erweiterung ihrer Russland-Sanktionsliste geeinigt. Er bestätige damit den von Wadephul angekündigten Kurs, beleuchte aber stärker die politische und rechtliche Dimension: Die Maßnahmen beträfen Personen, Unternehmen und Politiker aus besetzten Gebieten; zugleich zeige der Streit über frühere Streichungen, wie schwierig gemeinsame EU-Entscheidungen blieben.

Beide Berichte stellten die russischen Angriffe und den Ausbau des Sanktionsdrucks als zusammengehörige Entwicklungen dar. Unterschiede ergäben sich vor allem beim Schwerpunkt: Der MDR konzentriere sich auf die humanitäre Lage und weitere Kriegsschauplätze, während Euronews die Zusammensetzung und politischen Folgen des Sanktionspakets erläutere.

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