Wahlbeobachter, Druck

Wahlbeobachter beklagen Druck auf russische WĂ€hler

07.03.2024 - 12:42:24 | dpa.de

Am 17. MĂ€rz will sich Kremlchef Putin als PrĂ€sident bestĂ€tigen lassen. Das soll ĂŒberzeugend aussehen. Deshalb soll fĂŒr eine hohe Wahlbeteiligung gesorgt werden - auch mithilfe einer Handy-Kontrolle.

WĂ€hler in einem russischen Wahllokal in Wahlkabinen (Archivbild). - Foto: Demian Stringer/ZUMA/dpa

Die unabhĂ€ngige russische Wahlbeobachterorganisation Golos befĂŒrchtet einen wachsenden Druck auf WĂ€hler und WĂ€hlerinnen zur Teilnahme an der PrĂ€sidentenwahl am 17. MĂ€rz.

Vor allem durch die Stimmabgabe von Menschen, die vom Staat abhĂ€ngig sind, solle die Wahlbeteiligung hochgetrieben werden, schrieb die Organisation auf ihrem Telegram-Kanal. Dies betreffe Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Behörden und anderen staatlichen Einrichtungen, die Belegschaft staatlicher Unternehmen oder großer kremlnaher Firmen. 

Elektronische Kontrolle der Stimmabgabe

Als einen Beleg nannte Golos ein System zur elektronischen Kontrolle der Stimmabgabe, das angeblich von der Kremlpartei Geeintes Russland in ihren Gliederungen verbreitet werde. Dabei erhielten WÀhler auf ihr Handy eine SMS mit einem Link, um die Wahlteilnahme zu bestÀtigen. Dieser Link funktioniere aber nur, wenn die Standortbestimmung des Telefons eingeschaltet sei und das GerÀt direkt im Wahllokal genutzt werde. Die Wahlbeobachter stuften diese Art der Datensammlung als Verletzung des Wahlgeheimnisses ein.

Kremlchef Wladimir Putin (71) möchte sich am 17. MĂ€rz fĂŒr weitere sechs Jahre als PrĂ€sident bestĂ€tigen lassen. Dabei ist der Rahmen so gesteckt, dass nur ein Wahlsieg herauskommen kann. Ernsthafte Gegenkandidaten gibt es nicht. Die russischen Behörden setzen alles daran, die Wahl als ĂŒberzeugende Volksabstimmung darzustellen.

Die Nichtteilnahme ist dabei fĂŒr WĂ€hler eine der wenigen Möglichkeiten, sich dem System zu entziehen und Unzufriedenheit auszudrĂŒcken. Nach Berichten des exilrussischen Internetportals «Meduza» werden Mitglieder von Geeintes Russland angehalten, mindestens zehn andere Menschen zur Wahl zu bringen. Angestellte von Staatsunternehmen soll drei Menschen mitbringen. 

Protestaufruf zur Wahlteilnahme

Kremlgegner haben dazu aufgerufen, als Zeichen des Protests am Wahltag genau um 12.00 Uhr zur Wahl zu gehen. An den erwarteten Schlangen vor den Wahllokalen werde sich ablesen lassen, wie hoch die Unzufriedenheit tatsĂ€chlich sei. Diese Aktion wird auch von Julia Nawalnaja unterstĂŒtzt, der Witwe des im Februar in russischer Haft gestorbenen Regimekritikers Alexej Nawalny.

Die russische Justiz ĂŒbt seit langem Druck auf Golos aus, um die Arbeit der Wahlbeobachter zu behindern.

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