Westjordanland: Israel verhÀngt Lockdown am Wahltag
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 02:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWSHebron bleibt militÀrisch abgeriegelt
- Israels Armee setzte im Westjordanland Einheiten von Armee, Grenzpolizei und Geheimdienst ein.
- Die MaĂnahmen umfassten EinsĂ€tze in rund 40 Gebieten und an etwa 400 Orten.
- Rund 40 VerdÀchtige wurden nach Angaben der Armee festgenommen.
Israel kĂŒndigt Abriegelung des Westjordanlands an
Israels Armee wird wĂ€hrend der Parlamentswahl am Dienstag das besetzte Westjordanland abriegeln. PalĂ€stinensische Arbeiter dĂŒrfen bereits am Sonntag und Montag nicht in israelische Siedlungen im Westjordanland und im Jordantal einreisen.
Ausnahmen fĂŒr einzelne Bereiche
Ausgenommen sind Industriezonen und eine begrenzte Zahl genehmigter Bereiche. Zudem sollen am Wahltag alle LandĂŒbergĂ€nge zwischen dem Westjordanland und Israel fĂŒr PalĂ€stinenser geschlossen werden.
Tödlicher Angriff löst MilitÀreinsatz aus
Hintergrund ist ein andauernder israelischer MilitĂ€reinsatz nach einem tödlichen Angriff bewaffneter PalĂ€stinenser nahe Hebron am Freitag. Nach Angaben der Armee wurden dabei zwei Soldaten getötet und drei weitere verletzt; die zwei mutmaĂlichen palĂ€stinensischen TĂ€ter aus Hebron seien getötet worden.
Rund 2.000 Menschen aus Hebron vertrieben
Verteidigungsminister Israel Katz bestĂ€tigte, dass rund 2.000 PalĂ€stinenser aus ihren HĂ€usern in Hebron vertrieben wurden. Sie dĂŒrften nach seinen Angaben erst zurĂŒckkehren, wenn die Probleme mit der Hamas in Hebron gelöst seien.
Der BĂŒrgermeister von Hebron, Jussef al-Dschabari, hatte zuvor von 2.200 Vertriebenen seit Beginn der Razzien am Freitag gesprochen. Die israelische Armee erklĂ€rte, Soldaten hĂ€tten gemeinsam mit Grenzpolizei und Geheimdienst in rund 40 Gebieten und an 400 Orten im Westjordanland Anti-Terror-EinsĂ€tze durchgefĂŒhrt.
Armee meldet rund 40 Festnahmen
Nach Angaben der Armee wurden rund 40 VerdĂ€chtige festgenommen, darunter Mitglieder der Hamas und des Islamischen Dschihad. Die politische FĂŒhrung billigte demnach die Empfehlung des Verteidigungsministeriums fĂŒr ein Einreiseverbot palĂ€stinensischer Arbeiter in Siedlungen und Industriegebiete wĂ€hrend der Wahl.
Die angekĂŒndigte Abriegelung fĂ€llt in eine Phase deutlich verschĂ€rfter SicherheitsmaĂnahmen im Westjordanland. Auslöser ist der tödliche Angriff nahe Hebron, auf den die israelische Armee mit Durchsuchungen, Festnahmen und ZugangsbeschrĂ€nkungen reagiert.
Hebron nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Die Stadt ist zwischen palĂ€stinensischer Verwaltung und israelischer MilitĂ€rkontrolle geteilt; zugleich leben dort israelische Siedler inmitten palĂ€stinensischer Viertel. MaĂnahmen wie Ausgangssperren, geschlossene ĂbergĂ€nge und Arbeitsverbote treffen deshalb nicht nur mutmaĂliche VerdĂ€chtige, sondern den Alltag einer groĂen Zivilbevölkerung.
Folgen fĂŒr Bevölkerung und Politik
Im Westjordanland leben etwa drei Millionen PalÀstinenser und mehr als 500.000 israelische Siedler. Die EinschrÀnkung des Zugangs zu Siedlungen und Industriezonen kann palÀstinensische BeschÀftigte unmittelbar an ihrer Arbeit hindern und damit Einkommen sowie Versorgung beeintrÀchtigen.
Die Vertreibung von rund 2.000 Menschen aus ihren HĂ€usern verschĂ€rft zudem die humanitĂ€re und politische Dimension des MilitĂ€reinsatzes. Die PalĂ€stinensische Autonomiebehörde fordert internationalen Druck zum Schutz der Bevölkerung. Gleichzeitig macht Israel die RĂŒckkehr der Betroffenen vom Abschluss der MaĂnahmen gegen die Hamas in Hebron abhĂ€ngig.
Wahl und Sicherheitslage
Dass die vollstĂ€ndige Abriegelung am Wahltag gelten soll, verbindet Sicherheitsentscheidungen mit einem zentralen politischen Termin in Israel. FĂŒr die palĂ€stinensische Bevölkerung bedeutet die MaĂnahme zusĂ€tzliche BewegungsbeschrĂ€nkungen, wĂ€hrend die israelische FĂŒhrung damit den Schutz von Soldaten und Zivilisten begrĂŒndet.
Der Einsatz steht auĂerdem im gröĂeren Zusammenhang der seit dem Hamas-GroĂangriff vom 7. Oktober 2023 anhaltenden Gewalt im Westjordanland. Die aktuelle Entwicklung dĂŒrfte daher nicht nur an der Dauer der Abriegelung, sondern auch daran gemessen werden, ob sie weitere Angriffe verhindert und wann die vertriebenen Familien zurĂŒckkehren können.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: âIsrael vertreibt 2000 PalĂ€stinenser aus Hebronâ (25.10.2026)
Der Beitrag berichtet ebenfalls ĂŒber die Vertreibung der rund 2.000 PalĂ€stinenser und ordnet sie in die israelische Offensive nach dem tödlichen Angriff ein. Anders als die dpa-Meldung legt er einen Schwerpunkt auf den Wahlkampf von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu sowie auf die Forderung der PalĂ€stinensischen Autonomiebehörde nach internationalem Handeln.
stern: â2000 PalĂ€stinenser aus ihren HĂ€usern in Hebron vertriebenâ (24.10.2026)
Der stern bestĂ€tigt die Angaben zur Offensive, zu den getöteten Soldaten und zur angekĂŒndigten Abriegelung. ZusĂ€tzlich hebt der Beitrag die seit 1967 bestehende Besatzung, die Teilung Hebrons und die wachsenden Spannungen durch Siedlerangriffe hervor.
Beide BeitrĂ€ge stimmen beim Kern der Vertreibung und der militĂ€rischen Reaktion ĂŒberein. Unterschiede liegen vor allem in der politischen Einordnung; offen bleibt insbesondere, wann die Betroffenen zurĂŒckkehren können.
