Xi besucht Trump: Handelsstreit und viele Konflikte beim Gipfel
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSChinas Staats- und Parteichef Xi Jinping trifft am Mittwoch in Washington ein und wird dort bis Freitag von US-PrÀsident Donald Trump mit einem umfangreichen Staatsprogramm empfangen.
MilitÀrparade und Staatsbankett
Trump will Xi persönlich am Flughafen abholen. Geplant sind unter anderem eine MilitÀrschau, ein Staatsbankett mit hochrangigen Tech-Managern und ein gemeinsamer Tee.
Xi erwidert damit Trumps pompösen Besuch in Peking im Mai. Zuletzt war der chinesische Staatschef 2023 zu einem Wirtschaftsgipfel nach Kalifornien gereist und hatte dort den damaligen US-PrĂ€sidenten Joe Biden getroffen. Trump empfing Xi bereits 2017 auf seinem Anwesen Mar-a-Lago; der bislang letzte offizielle Staatsbesuch Xis im WeiĂen Haus fand 2015 statt.
Abkommen ĂŒber Grönland belastet Gipfel
Nur einen Tag vor Xis Ankunft unterzeichnete Trump mit DĂ€nemark und Grönland ein Abkommen ĂŒber Verteidigung und eine stĂ€rkere militĂ€rische PrĂ€senz auf der Arktisinsel. Die USA wollen damit auch verhindern, dass China in der Region an Einfluss gewinnt. Der Schritt könnte zu diplomatischen Spannungen beim Gipfel fĂŒhren.
Aus Peking kommen zugleich Signale fĂŒr eine engere Zusammenarbeit. Der Besuch soll nach EinschĂ€tzung des China-Experten Edgard Kagan vom Washingtoner Forschungsinstitut CSIS auch durch die persönliche Begegnung der beiden Staatschefs StabilitĂ€t schaffen.
Handelsfrieden lÀuft im November aus
Der im Oktober vereinbarte Handelsfrieden lĂ€uft am 10. November in wichtigen Teilen aus. Die USA verzichteten zunĂ€chst auf weitere Zollerhöhungen, wĂ€hrend China einen Teil seiner verschĂ€rften Exportkontrollen fĂŒr Seltene Erden aussetzte.
China könnte eine VerlĂ€ngerung bis zum Ende von Trumps Amtszeit anstreben. Washington dĂŒrfte sich dagegen eher nur fĂŒr einige weitere Monate binden wollen, um den wirtschaftlichen Druck aufrechtzuerhalten. Als mögliche Ergebnisse gelten ein lĂ€ngerer Aufschub, chinesische KĂ€ufe von US-Agrarprodukten und Boeing-Flugzeugen sowie Zollsenkungen fĂŒr ausgewĂ€hlte Waren.
FĂŒr die USA ist auĂerdem eine verlĂ€sslichere Lieferung kritischer Rohstoffe wichtig. China beherrscht bei vielen Seltenen Erden groĂe Teile der weltweiten Verarbeitung. Peking könnte im Gegenzug Erleichterungen bei amerikanischen TechnologiebeschrĂ€nkungen verlangen.
KI-Wettlauf mit begrenzter Kooperation
Die USA und China konkurrieren um leistungsfÀhige KI-Modelle, Computerchips und Rechenzentren. Washington will Chinas Zugang zu modernsten KI-Chips und deren Produktion begrenzen, wÀhrend Peking eigene Technologien vorantreibt.
Beide Seiten sorgen sich zugleich vor einem Missbrauch leistungsfĂ€higer Systeme fĂŒr Cyberangriffe, biologische Waffen oder militĂ€rische Zwecke. Wenige Tage vor dem Gipfel einigten sich hochrangige UnterhĂ€ndler nach US-Angaben auf einen KI-Dialog, der auch einen Mechanismus zur Warnung vor Gefahren enthalten soll. Experten erwarten zunĂ€chst jedoch nur begrenzte Fortschritte.
Iran, Russland und Taiwan
Trump will mit Xi auch ĂŒber den Krieg mit dem Iran sprechen. China ist der gröĂte KĂ€ufer iranischen Ăls und ein wichtiger Partner Teherans. Washington hofft auf chinesischen Druck, um die Lage in der StraĂe von Hormus zu stabilisieren.
ZusĂ€tzlichen Streit birgt ein neues US-Sanktionspaket gegen Russland. Es sieht mögliche Zölle von bis zu 100 Prozent gegen Staaten vor, die weiterhin russisches Ăl oder Gas kaufen, und könnte damit auch China treffen.
Ein weiterer Konfliktpunkt ist Taiwan. China betrachtet die demokratisch regierte Insel als Teil seines Staatsgebiets und schlieĂt den Einsatz von Gewalt nicht aus. Die USA sind Taiwans wichtigster Waffenlieferant; ein von Trump geplantes Waffenpaket im Wert von rund 14 Milliarden US-Dollar ist bislang nicht genehmigt.
Persönliche Diplomatie als Krisenmanagement
Der Besuch fÀllt in eine Phase, in der Washington und Peking ihre Konkurrenz auf mehreren Ebenen austragen. Handel, Technologie, Sicherheitsfragen und geopolitische Konflikte greifen ineinander. Dadurch kann ein begrenztes Abkommen in einem Bereich rasch durch Streit in einem anderen belastet werden.
Besonders greifbar ist der Zeitdruck im Handel: Die im Oktober vereinbarte Zollpause lĂ€uft am 10. November in wichtigen Teilen aus. FĂŒr Unternehmen bedeutet das weiterhin hohe Unsicherheit bei Lieferketten, Preisen und Investitionsentscheidungen. Seltene Erden sind dabei ein strategischer Hebel, weil sie fĂŒr Elektroautos, Elektronik, Luftfahrt und RĂŒstung benötigt werden.
KI und globale Konflikte
Die GesprĂ€che ĂŒber KĂŒnstliche Intelligenz zeigen zugleich, dass beide Staaten trotz ihres Technologie-Wettlaufs gemeinsame Risiken begrenzen mĂŒssen. Ein direkter Informationskanal ĂŒber SicherheitsvorfĂ€lle wĂ€re zunĂ€chst vor allem ein Instrument zur Vermeidung von Fehlkalkulationen; umfassendere Regeln scheitern voraussichtlich an fehlendem Vertrauen und gegensĂ€tzlichen Sicherheitsinteressen.
FĂŒr Europa und Deutschland ist der Gipfel deshalb auch wirtschaftlich und sicherheitspolitisch relevant. Entscheidungen zu Zöllen, Rohstoffexporten und TechnologiebeschrĂ€nkungen können europĂ€ische Hersteller unmittelbar treffen. GesprĂ€che ĂŒber Iran, Russland, die Ukraine und Taiwan zeigen zudem, dass das VerhĂ€ltnis der beiden gröĂten WirtschaftsmĂ€chte weit ĂŒber bilaterale Handelsfragen hinausreicht.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau.de: âVor Trump-Xi-Gipfel: China und USA beraten ĂŒber KIâ (21.09.2026)
Der Bericht hebt hervor, Vertreter beider Staaten hĂ€tten vor dem Gipfel ĂŒber Sicherheitsrisiken KĂŒnstlicher Intelligenz und einen Mechanismus zum Informationsaustausch beraten. Zugleich stelle er den auslaufenden Zollfrieden sowie mögliche GesprĂ€che ĂŒber Iran, Taiwan und Russland in den gröĂeren Zusammenhang des Treffens.
Der Artikel betone den geplanten direkten Kommunikationskanal fĂŒr KI-Risiken und schildere die GesprĂ€che der UnterhĂ€ndler als Vorbereitung des PrĂ€sidententreffens. Anders als die dpa-Meldung setze er den Schwerpunkt stĂ€rker auf den technischen Sicherheitsdialog; offen bleibe, wie verbindlich ein solcher Mechanismus werde.
Beide Berichte bestĂ€tigten die zentrale Bedeutung von Handel und KĂŒnstlicher Intelligenz fĂŒr den Gipfel. Unterschiede ergĂ€ben sich vor allem bei der Gewichtung: WĂ€hrend der tagesschau-Bericht mehrere auĂenpolitische Konfliktfelder einordne, konzentriere sich der FOCUS-Beitrag stĂ€rker auf den geplanten KI-Dialog.
