Nach Angriff auf Israels Truppen: Neue Attacken in Gaza
19.10.2025 - 16:02:44 | dpa.deDie mĂŒhsam vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und der islamistischen Hamas ist gefĂ€hrlich ins Wanken geraten. Israel meldete Angriffe auf seine Truppen im SĂŒden des Gazastreifens mit zwei Todesopfern, die israelische Luftwaffe bombardierte daraufhin nach Medienberichten Dutzende Ziele im Gazastreifen. Insgesamt wurden nach Angaben mehrerer KrankenhĂ€user bei verschiedenen Angriffen 14 PalĂ€stinenser getötet.Â
Israel hat auĂerdem nach Angaben aus Sicherheitskreisen die Lieferung humanitĂ€rer HilfsgĂŒter in den Gazastreifen wieder gestoppt. Grund sei eine «eklatante Verletzung» der Waffenruhe-Vereinbarungen durch die Hamas. Nach Inkrafttreten der Waffenruhe am 10. Oktober waren die Hilfslieferungen als Teil der Vereinbarung ausgeweitet worden, mit einem Ziel von 600 Lkws am Tag.Â
Beschuss israelischer Truppen mit Panzerfaust
Ein ranghoher israelischer MilitĂ€r hatte der Hamas zuvor einen schweren VerstoĂ gegen die Waffenruhe im Gaza-Krieg vorgeworfen. Die Armee teilte mit, Soldaten seien im SĂŒden des Gazastreifens unter anderem mit einer Panzerfaust beschossen worden. Im Norden des Gazastreifens hĂ€tten sich Bewaffnete israelischen Soldaten genĂ€hert und seien erschossen worden. MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu ordnete als Reaktion neue Angriffe in dem KĂŒstenstreifen an.Â
Der militĂ€rische Hamas-Arm wies jedoch jegliche Verantwortung fĂŒr die gemeldeten Angriffe zurĂŒck. «Wir bekrĂ€ftigen unsere vollstĂ€ndige Verpflichtung, alles umzusetzen, was vereinbart wurde», hieĂ es in einer Mitteilung der Kassam-Brigaden. Dies gelte vor allem fĂŒr die Waffenruhe in allen Gebieten des Gazastreifens.
Angriff hinter der «gelben Linie»
Die Angriffe ereigneten sich nach Angaben des MilitĂ€rs in einem von Israel kontrollierten Gebiet östlich der «gelben Linie». Hinter diese hatte die Armee sich als Teil der vereinbarten Waffenruhe zurĂŒckgezogen.
Isat al-Rischek, Mitglied des Hamas-PolitbĂŒros, warf Israel in einer Mitteilung seinerseits vor, gegen die Waffenruhe zu verstoĂen und «fadenscheinige VorwĂ€nde» zu fabrizieren, «um seine Verbrechen zu rechtfertigen». Er beschuldigte Netanjahu, dieser wolle sich vor seinen Verpflichtungen gegenĂŒber den Vermittlern drĂŒcken, weil er unter Druck rechtsextremer Koalitionspartner stehe.
Rechtsextreme Minister fordern RĂŒckkehr zum Krieg
Israels Polizeiminister Ben-Gvir forderte Netanjahu nach ersten Berichten ĂŒber einen Hamas-Angriff dazu auf, die Armee anzuweisen, «die Kampfhandlungen im Gazastreifen vollstĂ€ndig und mit voller StĂ€rke wieder aufzunehmen».
«Die trĂŒgerischen Vorstellungen, Hamas werde ihre Haltung Ă€ndern oder auch nur ein von ihr unterschriebenes Abkommen einhalten, erweisen sich, wie zu erwarten, als gefĂ€hrlich fĂŒr unsere Sicherheit», schrieb Ben-Gvir auf der Plattform X. «Die nazistische Terrororganisation muss restlos vernichtet werden - und zwar möglichst bald.» Der ebenfalls ultrarechte Finanzminister Bezalel Smotrich schrieb bei X nur: «Krieg!» Die beiden Minister hatten die Waffenruhe-Vereinbarung von Anfang an kritisiert und auch dagegen gestimmt.
US-UnterhÀndler kommen wieder in die Region
Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas ist seit dem 10. Oktober in Kraft. Es gab allerdings bereits mehrere gewaltsame ZwischenfÀlle, bei denen auch PalÀstinenser getötet wurden.
Die Waffenruhe ist Teil eines Friedensplans von US-PrĂ€sident Donald Trump. Israel und die Hamas hatten sich dabei auch auf den Austausch von Geiseln und Gefangenen und einen teilweisen RĂŒckzug der israelischen Truppen im Gazastreifen geeinigt. An den Verhandlungen waren auch Ăgypten, Katar und die TĂŒrkei beteiligt gewesen. In dieser Woche werden US-VizeprĂ€sident JD Vance sowie die US-UnterhĂ€ndler Steve Witkoff und Jared Kushner in Israel erwartet.
Leichen von zwei weiteren Hamas-Geiseln identifiziert
Die Hamas hatte am Samstagabend in Ăbereinstimmung mit der Vereinbarung die Leichen von zwei weiteren Geiseln ĂŒbergeben. Das Forum der Geiselfamilien teilte mit, es handele sich um den israelischen Fotografen Ronen Engel aus dem Kibbuz Nir Oz sowie um einen Landwirtschaftsarbeiter aus Thailand, der acht Jahre lang in Israel gearbeitet habe.Â
Engel, ein 54-jĂ€hriger Vater von drei Kindern, war wĂ€hrend des Hamas-Massakers im israelischen Grenzgebiet am 7. Oktober 2023 getötet worden. Seine Leiche wurde in den Gazastreifen verschleppt. Seine Frau und zwei seiner Kinder waren ebenfalls entfĂŒhrt worden, aber wĂ€hrend einer Waffenruhe im Gegenzug fĂŒr palĂ€stinensische HĂ€ftlinge wieder freigelassen worden. Der ThailĂ€nder wurde den Angaben zufolge ebenfalls am Tag des Massakers getötet und aus dem Kibbuz Beeri verschleppt.Â
Damit verbleiben noch 16 getötete Geiseln im Gazastreifen. Israel wirft der Hamas absichtliche Verzögerung vor. Die Terrororganisation beruft sich dagegen darauf, dass es fĂŒr sie schwierig sei, die Leichen zu finden, weil sie unter den TrĂŒmmern bombardierter GebĂ€ude und Tunnel verschĂŒttet seien. Vor knapp einer Woche waren 20 Geiseln freigelassen worden, die zwei Jahre in der Gewalt der Hamas ĂŒberlebt hatten.Â
Die Kassam-Brigaden teilten mit, es sei die Leiche einer weiteren Geisel gefunden worden. Sie warnten, neue Angriffe Israels könnten die BemĂŒhungen um die Bergung weiterer sterblicher Ăberreste gefĂ€hrden.Â
Hamas widerspricht US-VorwĂŒrfen zu geplantem Angriff auf Zivilisten
Die Hamas wies derweil VorwĂŒrfe der USA zurĂŒck, dass sie einen Angriff auf palĂ€stinensische Zivilisten im Gazastreifen plane. Es handele sich um «haltlose Behauptungen», die im Einklang mit israelischer Propaganda stĂŒnden, hieĂ es in einer Mitteilung der Hamas.
Das US-AuĂenministerium hatte vor einem «unmittelbar bevorstehenden» geplanten Angriff der Hamas auf palĂ€stinensische Zivilisten gewarnt. Die USA hĂ€tten die GarantiemĂ€chte des Gaza-Friedensplans ĂŒber «glaubwĂŒrdige Berichte» informiert, die auf eine Verletzung der bestehenden Waffenruhe hindeuteten, teilte das Ministerium mit. Es hatte nach Inkrafttreten der Waffenruhe Berichte ĂŒber Hinrichtungen von palĂ€stinensischen Zivilisten im Gazastreifen durch die Hamas gegeben.
Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in Israels Geschichte durch Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer PalÀstinenserorganisationen. Am 7. Oktober 2023 wurden nahe der Grenze zum Gazastreifen auf israelischer Seite etwa 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 verschleppt. Israel reagierte mit massiven Angriffen aus der Luft und am Boden. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden mehr als 67.000 Menschen getötet.
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