Erleichterung in Nahost nach Einigung bei Gaza-GesprÀchen
09.10.2025 - 14:57:26 | dpa.deDie Einigung zwischen Israel und der Hamas ĂŒber wichtige Punkte bei den Verhandlungen zur Beendigung des Gaza-Kriegs löst in der Region groĂe Erleichterung aus. Die Vereinbarung sieht die Freilassung der in den Gazastreifen verschleppten Geiseln sowie die das ZurĂŒckziehen der israelischen Truppen auf eine vereinbarte Linie vor. Israels Regierung um MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu muss nach Berichten aber die Ăbereinkunft noch offiziell absegnen.
Am spĂ€ten Nachmittag (Ortszeit) kommt einem Bericht der «Times of Israel» zufolge zunĂ€chst das Sicherheitskabinett zusammen, anschlieĂend die gesamte Regierung. Netanjahus rechtsextremer Koalitionspartner Bezalel Smotrich kĂŒndigte in einem X-Beitrag an, er und seine Partei wĂŒrden dem Deal nicht zustimmen. Es wird dennoch mit einer deutlichen Mehrheit fĂŒr das Abkommen gerechnet. Mit der Billigung soll dann auch die vereinbarte Waffenruhe in Kraft treten.
Durchbruch nach wenigen Tagen der GesprÀche
Nur wenige Tage nach Beginn der indirekten Verhandlungen unter Vermittlung von Ăgypten, Katar, der TĂŒrkei und den USA im Ă€gyptischen Scharm el Scheich verkĂŒndete US-PrĂ€sident Donald Trump in der Nacht zu Donnerstag den Durchbruch bei den GesprĂ€chen. Israels Regierungschef Netanjahu und die Hamas bestĂ€tigten die Einigung auf die erste Phase eines von Trump vorgelegten Friedensplans, der den Weg zu einem Ende des Kriegs ebnen soll.
Auslöser des Gaza-Kriegs war der Terrorangriff der Hamas und anderer islamistischer Terrorgruppen auf Israel am 7. Oktober 2023. Etwa 1.200 Menschen wurden dabei getötet und mehr als 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Israel reagierte seinerseits mit schweren Angriffen. Seitdem wurden laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde in dem umkĂ€mpften KĂŒstenstreifen mehr als 67.000 PalĂ€stinenser getötet.
Freude in Israel und dem Gazastreifen - aber auch Sorge
In Israel sorgte die Einigung fĂŒr groĂe Freude. Auf dem «Platz der Geiseln» im Zentrum von Tel Aviv versammelten sich zahlreiche Menschen. Es wurde gejubelt, gesungen, getanzt und geklatscht. Einige schwenkten israelische und US-Flaggen. «Alle von ihnen - jetzt!», riefen sie zudem. Bei vielen ist die Erleichterung auch von Vorsicht begleitet. «Wir sind auch immer noch angespannt und hoffen, dass alles so lĂ€uft wie geplant», sagte ein Israeli.
Im Gazastreifen rief die Nachricht ĂŒber einen Durchbruch groĂe Emotionen hervor. «Meine erste Reaktion war, hemmungslos zu weinen», sagte ein PalĂ€stinenser. Er fĂŒhle nun Freude, aber auch Trauer - vor allem wegen der Angehörigen, die er in dem zwei Jahre dauernden Krieg verloren habe.
Was wurde vereinbart?
Bekannt ist, dass nun zunĂ€chst die in den Gazastreifen verschleppten Geiseln freigelassen werden sollen. DafĂŒr soll Israel seine Truppen auf eine vereinbarte Linie zurĂŒckziehen. Im Gazastreifen befinden sich noch 48 Geiseln, von denen nach israelischen Informationen noch 20 am Leben sind. Israel soll im Gegenzug rund 250 zu lebenslanger Haft verurteilte palĂ€stinensische HĂ€ftlinge sowie etwa 1.700 nach dem 7. Oktober 2023 Inhaftierte freilassen.Â
Die USA hatten betont, dass die Geiseln absolute PrioritĂ€t hĂ€tten. In einer zweiten Phase von Verhandlungen sollen Bedingungen geschaffen werden, die einen Frieden langfristig sichern. So ist ein vollstĂ€ndiger RĂŒckzug Israels aus Gaza laut Trumps Plan erst zu einem spĂ€teren Zeitpunkt vorgesehen, wenn eine internationale Stabilisierungstruppe (ISF) fĂŒr Sicherheit vor Ort sorgt. Auch um eine Entwaffnung der Hamas wird es zu einem spĂ€teren Zeitpunkt gehen.Â
Was ist unklar?
Es ist bisher nicht vollends klar, wann genau die Geiseln in den kommenden Tagen freigelassen werden - und ob es wirklich alle auf einmal sein und auch die sterblichen Ăberreste der Geiseln, die tot entfĂŒhrt wurden oder nicht ĂŒberlebt haben, an Israel ĂŒbergeben werden. Offen ist auch, welche palĂ€stinensischen HĂ€ftlinge Israel fĂŒr die Geiseln freilĂ€sst. Auch dies war ein Streitpunkt in den Verhandlungen.
Es wird jedoch vermutet, dass die Geiseln am Samstag, Sonntag oder Montag freigelassen werden könnten. Der Friedensplan sieht eine Frist von 72 Stunden nach Inkrafttreten der Vereinbarung vor - es hÀngt also auch davon ab, wann sie unterzeichnet wird. Zur Unterzeichnung gibt es noch keine offiziellen Informationen.
Die Islamistenorganisation erklĂ€rte sich bereits vergangene Woche damit einverstanden, dass der Gazastreifen nach Kriegsende zunĂ€chst von einer Ăbergangsregierung palĂ€stinensischer Technokraten unter Aufsicht eines internationalen Gremiums regiert werde. Es ist aber unklar, ob sie damit auch der Forderung von Trumps Friedensplan zustimmte, dass sie selbst dabei keine Rolle spielen darf. Diese Frage dĂŒrfte aber auch in folgenden weiteren Verhandlungen fallen.Â
Bundeskanzler Merz zuversichtlich
Auch auĂerhalb Israels sorgte die Nachricht ĂŒber die Einigung fĂŒr Optimismus. Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich etwa zuversichtlich â zugleich warnte er aber auch vor einer voreiligen Bewertung. «Also die Hoffnungen, auch was Israel betrifft und den Gazastreifen betrifft, haben hier in der letzten Nacht noch einmal zugenommen, aber noch ist das nicht wirklich abgeschlossen», sagte der CDU-Chef vor Journalisten in Berlin. «Die Entwicklung in Israel macht uns Mut.»Â
Spitzenvertreter der EU kĂŒndigten nach dem Durchbruch bei den Verhandlungen Hilfe an. Die EU werde weiterhin die schnelle und sichere Lieferung humanitĂ€rer Hilfe in den Gazastreifen unterstĂŒtzen, teilte EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen mit. Und wenn die Zeit reif dafĂŒr sei, werde die EU auch bereitstehen, um den Wiederaufbau zu unterstĂŒtzen.
Die Konfliktparteien forderte von der Leyen auf, die getroffene Vereinbarung vollstĂ€ndig einzuhalten. «Die heutige Chance muss genutzt werden», schrieb sie in sozialen Netzwerken. Sie sei eine Gelegenheit, einen glaubwĂŒrdigen politischen Weg hin zu dauerhaftem Frieden und Sicherheit mit einer Zweistaatenlösung einzuschlagen.Â
Arabische LĂ€nder begrĂŒĂen Einigung
Arabische LĂ€nder drĂŒckten ihre Hoffnung auf StabilitĂ€t aus. Ăgyptens PrĂ€sident Abdel Fattah al-Sisi sprach von einem «historischen Moment». Das Abkommen schlieĂe nicht nur das Kapitel des Kriegs. «Es öffnet auch das Tor der Hoffnung fĂŒr die Völker der Region â fĂŒr eine Zukunft, die von Gerechtigkeit und StabilitĂ€t geprĂ€gt ist», so al-Sisi in einem Post auf X.
Auch Saudi-Arabien begrĂŒĂte die Einigung und lobte die BemĂŒhungen von Trump und der anderen Vermittler, wie das AuĂenministerium erklĂ€rte. Der einflussreiche Golfstaat hoffe, dass die Menschen im Gazastreifen nun schnell Hilfe erhielten. Israel mĂŒsse sich vollstĂ€ndig zurĂŒckziehen, damit Sicherheit und StabilitĂ€t wiederhergestellt werden könnten.
