BDU Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen / Bei verhaltenem ...
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 08:31 Uhr | dpa, AD HOC NEWSErstmals seit dem dritten Quartal 2020 liegt der BDU-GeschĂ€ftsklimaindex jedoch unter dem ifo-GeschĂ€ftsklimaindex, der auf 89,9 Punkte gestiegen ist. WĂ€hrend die aktuelle GeschĂ€ftslage von den Beratungen etwas schwĂ€cher beurteilt wird, haben sich die Erwartungen fĂŒr die kommenden sechs Monate aufgehellt. In einer Zusatzbefragung hat der BDU zudem untersucht, wie weit KI bereits vom Tool zum "Betriebssystem" der Beratungsunternehmen geworden ist. Das Ergebnis: Operativ ist KI bereits breit im Einsatz, bei der gezielten strategischen Steuerung besteht dagegen noch Nachholbedarf.
"Der Consultingmarkt zeigt sich weiterhin verhalten, aber stabil. Positiv ist, dass die Beratungen wieder etwas zuversichtlicher auf die kommenden sechs Monate schauen", kommentiert BDU-PrĂ€sidentin Iris Grewe die aktuellen Zahlen des GKI. "Die positiveren Prognosen fĂŒr die gesamtwirtschaftliche Entwicklung stimmen zuversichtlich. Die Consultingbranche ist typischerweise ein Trendfolger: Zieht die Wirtschaft an und investieren die Unternehmen stĂ€rker, spiegelt sich das mit einem zeitlichem Versatz in der Regel in der Nachfrage nach Beratungsleistungen wider", so Grewe weiter.
Sanierungsberatung legt deutlich zu
Zwischen den Beratungsfeldern zeigen sich weiterhin deutliche Unterschiede. Am stĂ€rksten entwickelt sich die Sanierungsberatung: Ihr GKI steigt um 7,1 Punkte und erreicht mit 110 den höchsten Wert aller Beratungsfelder. Gleichzeitig hat sich die aktuelle GeschĂ€ftslage deutlich verbessert: 59 Prozent der Sanierungsberatungen bewerten sie als ĂŒber Budget, nach 38 Prozent im Vorquartal. Auch die Strategieberatung (+1,8 Punkte auf 95) und die HR-Beratung (+6,0 Punkte auf 85) legen zu. RĂŒckgĂ€nge verzeichnen dagegen die IT-Beratung (-1,8 Punkte auf 88) sowie die Organisations- und Prozessberatung (-2,1 Punkte auf 83). Insgesamt fĂ€llt der Ausblick in vier von fĂŒnf Beratungsfeldern besser aus als die EinschĂ€tzung der aktuellen Lage.
Bei den UnternehmensgröĂen stechen die groĂen Beratungen mit mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz hervor. Ihr GeschĂ€ftsklimaindex steigt um 11,2 Punkte auf 99. Gleichzeitig erwarten nur noch fĂŒnf Prozent eine Verschlechterung ihrer GeschĂ€fte in den kommenden sechs Monaten, nach 32 Prozent im Vorquartal.
Hohe Nachfrage aus RĂŒstungsindustrie und öffentlichem Sektor
Die höchste Nachfragedynamik verzeichnen die Beratungen derzeit in der RĂŒstungsindustrie: 88 Prozent der dort aktiven Befragten beurteilen die Nachfrage als sehr gut oder gut. Es folgen die Energie- und Versorgungswirtschaft sowie Non-Profit-Organisationen und öffentliche Institutionen mit jeweils 39 Prozent. Schwach bleibt die Nachfrage insbesondere aus klassischen Industriebranchen: In der Chemie bewerten 16 Prozent die Nachfrage als sehr gut oder gut, im Maschinenbau 14 Prozent und im Fahrzeugbau sieben Prozent.
KI: Breiter Einsatz, aber strategisches Ziel hÀufig noch unklar
Die aktuelle Zusatzbefragung zeigt, dass KĂŒnstliche Intelligenz in den Beratungsunternehmen nahezu flĂ€chendeckend angekommen ist. Nur rund ein Prozent der Umfageteilnehmer setzen KI derzeit ĂŒberhaupt nicht ein. Vier von zehn Beratungen haben KI bereits in Arbeits- oder Projektprozesse integriert oder strategisch im Unternehmen verankert, weitere 40 Prozent setzen sie systematisch in ausgewĂ€hlten Bereichen ein.
Dabei zeigt sich eine LĂŒcke zwischen operativer Nutzung und strategischer Steuerung: 80 Prozent haben KI-Anwendungen gezielt ausgewĂ€hlt und bereitgestellt, 71 Prozent verfĂŒgen ĂŒber verbindliche Regeln fĂŒr die interne Nutzung und 66 Prozent qualifizieren ihre Mitarbeitenden systematisch. DemgegenĂŒber steuern nur 36 Prozent ihren KI-Einsatz bereits anhand klar definierter Ziele oder PrioritĂ€ten.
"Bei KI laufen derzeit fast alle los: Sie fĂŒhren Tools ein, schaffen Regeln und schulen ihre Teams. Gleichzeitig ist vielen Unternehmen noch nicht eindeutig klar, welches strategische Ziel sie mit dem Einsatz erreichen wollen. Die nĂ€chste Entwicklungsstufe wird deshalb davon geprĂ€gt sein, die breite Nutzung in Richtung eines zielgerichteten und messbaren Einsatzes weiterzuentwickeln", sagt die BDU-PrĂ€sidentin.
Der bislang deutlichste Nutzen liegt in der ProduktivitĂ€t: 86 Prozent erkennen einen Mehrwert durch Zeitersparnis und höhere ProduktivitĂ€t, 60 Prozent durch effizientere Beratungsprojekte. Wie hoch der Nutzen insgesamt ausfĂ€llt, wird dagegen zurĂŒckhaltender bewertet: Lediglich 31 Prozent der Unternehmen sehen derzeit einen eher hohen oder sehr hohen Mehrwert. Zudem wird der Erfolg bislang selten systematisch gemessen. Mehr als die HĂ€lfte der Beratungen beurteilt ihn vor allem anhand einzelner Erfahrungen und RĂŒckmeldungen.
KI verÀndert damit aktuell vor allem die Arbeitsweise der Beratungen und noch nicht die GeschÀftsmodelle. Neue Preis-, Erlös- oder GeschÀftsmodelle spielen trotz ihrer Wichtigkeit bislang noch eine untergeordnete Rolle. Gleichzeitig erwarten die Beratungen eine deutlich tiefere KI-Integration: Knapp drei Viertel gehen davon aus, dass KI in etwa zwei Jahren fest in Arbeits- und Projektprozesse integriert oder strategisch im Unternehmen verankert sein wird. Aktuell sind es 40 Prozent.
Ăber den BDU: Im Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen BDU e.V. sind aktuell rund 600 Unternehmen mit 19.000 Beraterinnen und Beratern organisiert. Damit zĂ€hlt der BDU weltweit zu den drei fĂŒhrenden Wirtschafts- und BerufsverbĂ€nden der Consultingwirtschaft.
Zur Systematik: Der an die Systematik des ifo-Instituts angelehnte BDU-GeschÀftsklimaindex (GKI) erscheint quartalsweise und bildet die aktuelle wirtschaftliche Lage und die Erwartungen der Branche an die geschÀftliche Entwicklung ab.
Beratungsfelder: Organisations- und Prozessberatung, Strategieberatung, IT-Beratung, HR-Beratung, Sanierungsberatung
Teilnehmende: An der Befragung haben sich insgesamt 198 Beraterinnen und Berater beteiligt.
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