Die Shoppingtour fĂŒr Weihnachtsgeschenke fĂ€llt kĂŒrzer aus
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 14:06 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Monate November und Dezember sind immens wichtig fĂŒr die GeschĂ€fte und Online-Shops. Doch wie eine reprĂ€sentative YouGov-Umfrage im Auftrag des Handelsverbands (HDE) Deutschland zeigt, werden sich viele Verbraucher angesichts der schwachen Konjunktur eher zurĂŒckhalten auf ihrer Shoppingtour. Das Thema in Fragen und Antworten.
Wie ĂŒppig wird die Bescherung an Heiligabend?
Der Befragung zufolge schĂ€tzen die Verbraucher die Höhe ihrer Geschenkausgaben zum Jahresende im Schnitt auf 262 Euro und damit auf einen Euro weniger als 2025. Befragt wurden zwischen dem 13. bis 15. Oktober knapp 2.100 Menschen im Alter von ĂŒber 18 Jahren. Was nach viel Geld klingt, ist mit Blick auf die Jahre 2023 und 2024 ein eher niedriger Wert: Damals hatten die Befragten Ausgaben von jeweils knapp 300 Euro angekĂŒndigt.
HDE-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Stefan Genth zeigt sich dennoch zufrieden mit dem Umfrageergebnis. "Die Zeichen stehen auf StabilitĂ€t", sagt der Verbandsvertreter. Es gebe eine positive Grundstimmung. "Zu Weihnachten gönnt man sich etwas, Geschenke werden gekauft und nachgefragt."
Gut die HĂ€lfte der in der HDE-Erhebung befragten Verbraucher plant, gleich viel fĂŒr Weihnachtsgeschenke auszugeben wie im Vorjahr. Knapp jeder Vierte möchte weniger ausgeben, wĂ€hrend nur jeder Zehnte mehr ausgeben möchte. Eine Kantar-Umfrage im Auftrag des Vergleichsportals Idealo ergibt ein Ă€hnliches Bild.
Wie ist die Stimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher?
Die Stimmung könnte besser sein. Die Nachfrage sei zwar weiterhin vorhanden, aber die Konsumentinnen und Konsumenten seien preissensibler geworden, sagt Kai Hudetz vom Kölner Instituts fĂŒr Handelsforschung (IFH). "Beim Adventskalender wĂŒrden viele eher zu einer gĂŒnstigeren Variante greifen, als ganz darauf zu verzichten." Gestiegene Preise hinterlieĂen zunehmend Spuren im Konsumalltag. Die Sorge vor weiteren Preissteigerungen treffe auf eine hohe Bereitschaft zum Sparen. "Der Handel muss sich auf Kundinnen und Kunden einstellen, die ihre Ausgaben sehr genau abwĂ€gen."
Katharina Gangl vom NĂŒrnberg Institut fĂŒr Marktentscheidungen (NIM) bewertet die Kauflaune als "etwas dĂŒsterer als vor einem Jahr". "Die Sorge vor weiter steigenden Preisen belastet die Verbraucher stark", sagt die Expertin und verweist dabei auf die höheren Energiepreise als besonders negative Erfahrung im Alltag der Menschen. Hinzu kommt bei vielen die BefĂŒrchtung, dass politische Reformen den eigenen finanziellen Spielraum weiter einschrĂ€nken könnten.
Zwar nĂ€hmen die Menschen die konjunkturelle Aufhellung wahr, sie erwarteten aber nicht unbedingt, dass das aktuelle Wirtschaftswachstum auch bei ihnen im Geldbeutel ankomme. "Insgesamt entsteht wahrscheinlich das GefĂŒhl, sich kĂŒnftig weniger leisten zu können - und das bremst natĂŒrlich die Kauflaune."
Was wird denn am liebsten verschenkt?
Am hĂ€ufigsten planen die Verbraucher dieses Jahr das Verschenken von Gutscheinen - 30 Prozent der Befragten gaben in der YouGov/HDE-Umfrage an, diese verschenken zu wollen. Auch Spielwaren (27 Prozent), BĂŒcher (25 Prozent), Kosmetik (23 Prozent) und Bekleidung (20 Prozent) sind gefragt. Uhren oder Schmuck möchte jeder Zehnte unter den Weihnachtsbaum legen. Die separate Kantar/Idealo-Umfrage des Vergleichsunternehmens Idealo ergibt, dass auch gemeinsame Unternehmungen und Selbstgemachtes hoch im Kurs sind bei den BescherungsplĂ€nen.
Wie ist die Stimmung in der Handelsbranche?
MĂ€Ăig, aber man mĂŒht sich um Optimismus. In einer HDE-Befragung von 300 Unternehmen gaben zwei Drittel an, dass sie mit einem schlechteren oder gar deutlich schlechteren WeihnachtsgeschĂ€ft als im Vorjahr rechneten, nur elf Prozent gehen von einem besseren oder deutlich besseren GeschĂ€ft aus. 85 Prozent der Befragten gaben an, dass die Verbraucher wohl stĂ€rker auf den Preis achten werden, da vieles teurer geworden sei.
"Viele Handelsunternehmen sehen sich vor Beginn des WeihnachtsgeschĂ€fts mit steigenden Kosten fĂŒr Energie, Personal und ausufernder BĂŒrokratie konfrontiert", sagte HDE-PrĂ€sident Alexander von Preen. Das trage nicht zu einer optimistischen EinschĂ€tzung der GeschĂ€ftslage bei. "Doch die Kundinnen und Kunden sind in Weihnachtsstimmung und planen mit im Vergleich zum Vorjahr stabilen Geschenkausgaben: Es gibt Anzeichen dafĂŒr, dass Weihnachten der Krise trotzen kann."
Wie stark ziehen die GeschÀfte in der Weihnachtszeit wohl an?
Der Handelsverband geht in den beiden letzten Monaten dieses Jahres von einem Umsatzplus von zwei Prozent auf 129,2 Milliarden Euro in Deutschlands Einzelhandel aus. Nach Abzug der Inflation - also real - wĂ€re es ein Plus von einem Prozent. Hierbei geht es um den Umsatz im Einzelhandel insgesamt, also auch fĂŒr AlltagskĂ€ufe und nicht nur fĂŒr Geschenke. Im gesamten Jahr 2026 wird der Einzelhandel in Deutschland voraussichtlich auf Erlöse von 697,4 Milliarden Euro kommen und damit zwei Prozent mehr als 2025.
Ein Siebtel dieses Umsatzes entfÀllt auf das Online-GeschÀft und der Rest auf VerkÀufe des stationÀren Handels, also in GeschÀften. WÀhrend das stationÀre GeschÀft nur um 1,6 Prozent anzieht, geht es im Online-Segment mit 4,4 Prozent deutlich steiler nach oben.
