ROUNDUP, Shake

Shake Hands mit Maschine - Merz: Mensch im Mittelpunkt

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 16:20 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Metallhand des Roboters umschließt langsam die des Kanzlers, der zuckt mit keiner Wimper.

Die Hand sei nicht so stark wie eine menschliche, beteuert ein Mitarbeiter am Stand der Firma Neura Robotics, mit deren humanoidem Roboter Merz beim Digitalgipfel der Bundesregierung auf Tuchfühlung geht.

Die Begegnung zeigt das Spannungsfeld, in dem das zweitägige Expertentreffen mit Regierungsvertretern, Tech-Unternehmern und Wissenschaftler in Berlin stattfindet. KI verändert die Welt in rasantem Tempo. Wie wird das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine ausgestaltet? Welche Chancen und Risiken gibt es? Und was muss in Deutschland passieren, damit die USA und China in dem Technologiewettbewerb nicht uneinholbar davonziehen?

Merz: Müssen und wollen Spitzenreiter werden

Merz sprach in seiner Rede von einem epochalen Wandel und mahnte Tempo in Europa und Deutschland an. "Wir müssen, wir wollen Spitzenreiter werden." Er forderte aber auch, die Entwicklung Künstlicher Intelligenz müsse sich konsequent an menschlichen Werten orientieren. Der Mensch und seine Würde müssten im Zentrum der politischen Bemühungen bleiben.

Nach Erwartung der Bundesregierung werden die nächsten eineinhalb Jahre darüber entscheiden, ob Deutschland im internationalen KI-Wettbewerb den Anschluss hält. Deutschland drohe "trotz einer starken Ausgangsposition insbesondere in der Forschung" in eine Situation zu geraten, in der sich der Abstand zu den führenden KI-Standorten USA und China stetig vergrößere. "Das Zeitfenster, um diesen Abstand zu verringern, schließt sich bald", heißt es im Abschlussbericht der KI-Taskforce der Regierung, der beim Digitalgipfel vorgelegt wurde. Die nächsten zwölf bis achtzehn Monate seien für die Weichenstellung entscheidend.

Deutschland soll "KI-Nation" werden

Die Taskforce unter Leitung des Digitalministeriums war im Sommer vom Nationalen Sicherheitsrat der Regierung eingesetzt worden. Ihr Papier gibt als Ziel aus, Deutschland bis 2030 zur "KI-Nation" zu machen.

So sollen bis 2030 mindestens 80 Prozent der Großunternehmen und 55 Prozent der kleineren und mittleren Unternehmen KI einsetzen, die Zahl der KI-Startups soll sich verdreifachen, der Anteil der Wirtschaftsleistung, der KI-basiert erwirtschaftet wird, soll mehr als 10 Prozent betragen, 90 Prozent der Bundesbehörden sollen bis dahin mindestens eine KI-Anwendung zur Bearbeitung von Kernaufgaben nutzen. Gestärkt werden sollen den Plänen zufolge Alternativen zu großen KI-Modellen, etwa über einen Ausbau der Zusammenarbeit mit Frankreich und Kanada.

Humanoide und industrielle KI

Bei KI geht es längst um mehr als die reinen Sprachmodelle wie ChatGPT und Anwendungen am Bildschirm. Zunehmend bedeutender wird die Entwicklung humanoider Roboter etwa als künftige Haushaltshelfer oder industrielle KI mit der Produktionsprozesse beschleunigt und weniger fehleranfällig gemacht werden kann.

Auf der Tagesordnung steht bei der Konferenz auch ein besonders sensibles Thema, weil es fast alle betreffen wird: Wie wird KI die Arbeitswelt verändern? Kurz- bis mittelfristig könnten viele Bürojobs verloren gehen, wenn KI immer mehr Routineaufgaben übernimmt. Langfristig könnte auch körperliche Arbeit durch Roboter ersetzt werden. Welche Jobs bleiben übrig, welche entstehen neu? Was, wenn Menschen keine Aufgabe mehr haben und Einkommen wegbricht?

Eine Welt ohne Erwerbsarbeit und ohne Geld?

Eine Zukunft ohne Erwerbsarbeit, wie von Tech-Milliardär Elon Musk vorhergesagt, hält Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) weder für unausweichlich noch für erstrebenswert. Er sagte der Deutschen Presse-Agentur am Rande des Gipfels, es gebe kein Naturgesetz, dass das so passiere, weil der Mensch in der Lage sei, diesen Prozess zu gestalten. "Das heißt, wenn Elon Musk das so sagt, kann man sich auch die Frage stellen: Ist das die Welt, die er haben möchte? Ich möchte diese Welt nicht haben."

Musk hatte im Sommer in einem "Economist"-Interview gesagt, Künstliche Intelligenz werde in der Lage sein, jeden Job besser zu erledigen als ein Mensch. Arbeit werde dadurch "optional". Der reichste Mann der Welt kann sich sogar vorstellen, dass Geld in einer durch KI und Roboter geprägten hochproduktiven Überflussgesellschaft irgendwann keine Rolle mehr spielt.

Wildberger sagte: "In einer Welt, wo alles im Überfluss da ist und ich muss mich um gar nichts mehr kümmern und sorgen, ich weiß nicht, ob diese Welt so lebenswert ist." Er stimmte auf Nachfrage zu, dass das eine Welt wäre, in der Menschen nur noch auf Sinnsuche wären.

KI-Steuer, um Umwälzungen abzufedern?

Die Arbeitswelt werde sich ganz sicher verändern, sagte Wildberger. Es werde neue Jobs geben und solche, die unter Druck kämen. Jedoch werde das menschliche Urteilsvermögen eine größere Bedeutung bekommen. Er rief Firmen dazu auf, nicht auf die Einstellung junger Leute zu verzichten. Diese müssten lernen und Fertigkeiten entwickeln.

Diskutiert wird auch schon länger darüber, hohe Gewinne, die durch KI erwirtschaftet werden, zu besteuern um die Umwälzungen finanziell abfedern zu können. Familienministerin Karin Prien (CDU) hatte dem "Stern" gesagt: "Wir müssen zu neuen Formen von Besteuerung kommen. Wenn Wertschöpfung im Wesentlichen über Künstliche Intelligenz funktioniert, muss das auch besteuert werden. Anders geht es nicht." Microsoft-Gründer Bill Gates fordert schon länger, Roboter und KI zu besteuern, um den Anreiz zu verringern, Menschen durch Maschinen zu ersetzen.

Disclaimer...
de | US30303M1027 | ROUNDUP | boerse | 70446457 |