Social-Media-Verbot: BrĂŒssel bremst nationale Vorhaben aus
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 15:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNationale GesetzesentwĂŒrfe, die sich mit der auf europĂ€ischer Ebene geplanten Altersgrenze fĂŒr soziale Medien ĂŒberschneiden, sollen zunĂ€chst um ein Jahr aufgeschoben werden, wie ein Sprecher der BrĂŒsseler Behörde sagte. Bis dahin gilt demnach eine sogenannte Stillhaltefrist.
Die Entscheidung kann auch als Signal an Deutschland und andere EU-LĂ€nder verstanden werden, zunĂ€chst nicht mit der Entwicklung nationaler Gesetze fortzufahren und stattdessen den Vorschlag der EU-Kommission fĂŒr eine europaweite Regelung voranzubringen. Im September schlug BrĂŒssel vor, in der gesamten EU den Zugang zu Social-Media erst ab 13 und die Erstellung eigener Konten auf den Plattformen erst ab 15 Jahren zu erlauben.
Verhandlungen fĂŒr EU-Lösungen könnten dauern
Doch bevor der Gesetzesvorschlag umgesetzt werden kann, mĂŒssen sich die MitgliedslĂ€nder auf europĂ€ischer Ebene einigen und mit dem EU-Parlament verhandeln. Das könnte Monate oder sogar Jahre dauern.
Der Kommissionssprecher sagte, man mĂŒsse sich auf diese Verhandlungen konzentrieren. Er warnte vor einer Fragmentierung innerhalb der EU. "Wenn man das tut, gibt es in den verschiedenen Mitgliedstaaten unterschiedliche Altersgrenzen und unterschiedliche Gesetze." Das lieĂe sich kaum noch durchsetzen und die Online-Plattformen kĂ€men nach Ansicht der EU-Kommission damit nicht zurecht.
Bundesregierung plante Ăbergangslösung
Die deutsche Bundesregierung hatte eigentlich Eckpunkte fĂŒr Ăbergangsregeln beschlossen, bis die entsprechenden EU-weiten Social-Media-BeschrĂ€nkungen in Kraft sind. Bundesfamilienministerin Karin Prien hatte gesagt, man warte nicht.
In Deutschland ist demnach eine Reform des Jugendschutzgesetzes geplant. Ziel sei ein Kabinettsbeschluss noch in diesem Jahr. Bevor die Gesetzgebung in Bundestag und Bundesrat abgeschlossen ist, dauere es dann noch ein paar Monate.
Italien, Frankreich und Griechenland dĂŒrfen trotzdem
Konkret bezog sich die Entscheidung der EU-Kommission zunĂ€chst auf einen Gesetzesentwurf Ăsterreichs, wo Video-Sharing-Plattformen wie etwa Instagram, TikTok oder Snapchat US83304A1060 erst fĂŒr Jugendliche ab 14 erlaubt werden sollten.
Da die EuropĂ€ische Kommission die Digitalregeln in der EU gegenĂŒber den groĂen Online-Plattformen durchsetzt, mĂŒssen MitgliedslĂ€nder sie bei nationalen Gesetzesvorhaben notifizieren. Auch Polen und Belgien hatten bei der BrĂŒsseler Behörde daher ihre VorschlĂ€ge eingereicht - sie dĂŒrften zunĂ€chst ebenfalls vertröstet werden.
Anders ist das nach Angaben der Kommission etwa bei Italien, Frankreich und Griechenland: Sie hatten ihre lĂ€nderspezifischen VorschlĂ€ge lange genug vor dem Vorschlag fĂŒr eine EU-weite Regelung gemacht. Die EU-Kommission musste ihnen bereits RĂŒckmeldung geben, weshalb die LĂ€nder ihre Verbote nun einfĂŒhren können.
So kĂŒndigte Griechenland als erster EU-Staat an, den Zugang zu sozialen Medien fĂŒr Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren ab dem 1. Januar 2027 zu verbieten.
