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WDH/ ROUNDUP 3: Die GrĂŒnde fĂŒr den Milliardenverlust bei VW - Aktie legt zu

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 15:29 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
(Wiederholung: PrÀzisierung im 12. Absatz, dass die dort genannten Zahlen sich auf die ersten neun Monate beziehen.)WOLFSBURG - Volkswagen DE0007664039 steuert auf das erste Verlustjahr seit dem Diesel-Skandal zu.

(Wiederholung: PrÀzisierung im 12. Absatz, dass die dort genannten Zahlen sich auf die ersten neun Monate beziehen.)

WOLFSBURG (dpa-AFX) - Volkswagen DE0007664039 steuert auf das erste Verlustjahr seit dem Diesel-Skandal zu. Im dritten Quartal stand unter dem Strich ein Verlust von rund 5,82 Milliarden Euro, wie der Konzern in Wolfsburg mitteilte. Damit Ă€ndern sich auch die Vorzeichen fĂŒr das bisherige Jahr: FĂŒr die ersten neun Monate steht ein Ergebnis nach Steuern von minus 2,72 Milliarden Euro. Ein großer Teil davon sind zwar Buchverluste - aber nicht nur.

Das sind die wichtigsten GrĂŒnde fĂŒr die tiefroten Zahlen bei Europas grĂ¶ĂŸtem Autobauer:

Mehr Stromer, weniger Geld: das E-Auto-Paradox

Volkswagen verliert bei den Verkaufszahlen deutlich an Boden. Im laufenden Jahr steuert der Konzern weltweit auf ungefĂ€hr acht Millionen Auslieferungen zu. Einen Lichtblick gibt es aber: das GeschĂ€ft mit E-Autos in Europa. Jedes fĂŒnfte bis Ende September ausgelieferte Auto auf dem Kontinent war ein reiner Stromer - und rund 40 Prozent des Auftragsbestands entfallen auf E-Modelle. FĂŒr den Boom verantwortlich macht VW DE0007664039 unter anderem die hohen Spritpreise und die bessere VerfĂŒgbarkeit von Einstiegsmodellen. Allein fĂŒr die Kleinwagen-Familie um den ID. Polo lagen zuletzt 150.000 Bestellungen vor.

Nach Angaben von VW-Finanzchef Arno Antlitz liegt die Nachfrage auf einem Niveau, das der Konzern erst fĂŒr 2029 erwartet hatte. Doch mit Blick auf den Gewinn hilft das nicht: "Der Markterfolg unserer Elektrofahrzeuge setzt unser Ergebnis zusĂ€tzlich unter Druck", sagte der Manager. Denn ein E-Auto bringt dem Konzern derzeit weniger Gewinn als ein vergleichbarer Verbrenner.

WĂ€chst der Anteil der Stromer, sinkt also der Ertrag. Der schnelle Hochlauf bei E-Autos verwĂ€ssere die Gewinnmarge, sagte Antlitz. Die Marge des Modells ID. Cross liege bei 70 bis 80 Prozent eines vergleichbaren Verbrennermodells. Bei anderem Modellen sei der Wert niedriger. Antlitz ging davon aus, dass sich der Effekt in den nĂ€chsten Monaten verstĂ€rken wird. Man mĂŒsse daher die Kosten senken. Immerhin: Antlitz gab sich zuversichtlich, dass VW durch den Boom die CO2-Flottengrenzwerte der EU zunĂ€chst einhalten und Strafzahlungen vermeiden kann.

China: vom Gewinnbringer zum Problemfall

China ist der weltgrĂ¶ĂŸte Automarkt und immens wichtig fĂŒr Volkswagen. Die GeschĂ€fte in der Volksrepublik laufen aber seit einiger Zeit schlecht. Neben der Konkurrenz lokaler Hersteller macht dem Konzern ein Nachfrageeinbruch zu schaffen. VW-China-Chef Ralf BrandstĂ€tter sprach zuletzt von einem Markt "im freien Fall". 2025 wurden mehr als 24 Millionen Autos dort verkauft. FĂŒr 2026 werden demnach weniger als 19 Millionen erwartet.

In den ersten neun Monaten sanken die VerkÀufe um gut 30 Prozent auf 1,38 Millionen. Die Entwicklung nahm zuletzt auch an Fahrt auf. In Spitzenzeiten verkaufte das Unternehmen jÀhrlich mehr als vier Millionen Autos in China.

Die Erwartungen sind entsprechend niedrig: FĂŒr 2026 rechnet VW in China vor Abschreibungen mit einem Abschneiden um die Gewinnschwelle. Nach dem ersten Halbjahr war VW fĂŒr das einstige WachstumsgeschĂ€ft noch von 200 bis 600 Millionen Euro positivem anteiligem Beitrag ausgegangen. Antlitz zufolge besteht aber ein erhebliches Risiko, dass das vierte Quartal das Ergebnis vor Abschreibungen in den Negativbereich drĂŒckt. Zum Vergleich: In Spitzenjahren verdiente VW in China mehr als 4 Milliarden Euro.

Außerdem hat VW den Wert von chinesischen Tochterfirmen, die der Konzern komplett kontrolliert, um rund eine Milliarde Euro nach unten korrigiert.

Abschreibung auf Porsche-Firmenwert

FĂŒr das laufende Jahr rechnete der VW-Konzern zuletzt mit Sonderkosten von rund 10 Milliarden Euro. Davon wurden 8,7 Milliarden bereits verbucht. GrĂ¶ĂŸter Einzelposten ist eine Abschreibung auf den Firmenwert des Stuttgarter Sport- und GelĂ€ndewagenbauers Porsche. Er belĂ€uft sich auf rund 6,4 Milliarden Euro. Die Wertberichtigung ist nicht zahlungswirksam, drĂŒckt aber den Gewinn. Hintergrund sind niedrigere Erwartungen an die Entwicklung der Tochter.

Bereits ein Jahr zuvor war die Lage bei Porsche einer der HauptgrĂŒnde fĂŒr den Quartalsverlust. Die Luxusmarke, einst eine Gewinnperle des Konzerns, steckt bereits lĂ€nger in der Krise. Belastend wirkten insbesondere der Einbruch beim China-GeschĂ€ft, die US-Zölle und Kurskorrekturen bei der Elektro-Strategie. Zuletzt hatten sich die GeschĂ€ftszahlen von Porsche stabilisiert.

Umbau kostet: Was noch auf der Rechnung steht

Die VW-FĂŒhrung um Chef Oliver Blume baut den Konzern gerade um. Und das kostet massig Geld. So wirkt sich demnach im dritten Quartal der angestrebte Verkauf des Werks OsnabrĂŒck an den Finanzinvestor Aurelius sowie an das Land Niedersachsen belastend aus. Beide wollen den Standort auf RĂŒstung trimmen. Eine genaue Summe nannte Volkswagen nicht.

Ohne die Sondereffekte hÀtte VW im TagesgeschÀft in den ersten neun Monaten einen Gewinn von 8,8 Milliarden Euro verbuchen können. Der Konzernumsatz lag in diesem Zeitraum bei 233,4 Milliarden Euro (minus 2,2 Prozent).

Und jetzt?

Ob Volkswagen das Jahr tatsĂ€chlich mit Verlust abschließen wird, muss sich zeigen. Doch viel deutet darauf hin. Der E-Auto-Hochlauf dĂŒrfte den Gewinn weiter drĂŒcken. Außerdem laufen im vierten Quartal voraussichtlich weitere Sonderkosten auf, zum Beispiel fĂŒr zusĂ€tzliche Vorruhestandsregelungen.

Auch eine Einigung mit den Arbeitnehmern ĂŒber die weiteren SparplĂ€ne des Vorstands könnte zusĂ€tzliche Kosten verursachen, etwa fĂŒr Abfindungen. Auch wenn das vor Jahresende als unwahrscheinlich gilt. Das Management selbst rechnet im TagesgeschĂ€ft höchstens mit einem Mini-Gewinn.

Was macht die Aktie?

Die im Dax DE0008469008 notierte und dieses Jahr schwach gelaufene Aktie fiel zunĂ€chst, drehte dann aber ins Plus. Das Papier gewann am Nachmittag in einem freundlichen Gesamtmarkt zuletzt 2,8 Prozent auf 70,96 Euro. In diesem Jahr hat es damit immer noch knapp ein Drittel an Wert eingebĂŒĂŸt. Die hohen Sonderbelastungen waren seit der Gewinnwarnung im September bekannt. Die detaillierten Zahlen seien nun im Wesentlichen wie erwartet ausgefallen, schrieb Analyst Philippe Houchois von der US-Investmentbank Jefferies. Beim Zahlungsmittelzufluss aus dem Automobilbereich tendiere der Konzern zum oberen Ende der Jahresprognosespanne.

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