Wirecard-Prozess: Letzte Frist fĂŒr die Verteidiger
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 13:19 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Richter wollen den Verteidigern des frĂŒheren Vorstandschefs Markus Braun und der zwei Mitangeklagten eine zweiwöchige Frist fĂŒr ihre letzten BeweisantrĂ€ge setzen. Das sagte der Vorsitzende Richter Markus Födisch am 289. Prozesstag des Mammutprozesses.
VerkĂŒnden will die Kammer diese Frist nach jetzigem Stand am 11. November. Sofern dann keine neuen BeweisantrĂ€ge mehr kommen, plant Födisch das PlĂ€doyer der Staatsanwaltschaft mit deren StrafantrĂ€gen fĂŒr die drei Angeklagten ein. Festgelegte Termine fĂŒr PlĂ€doyers und Urteil gibt es jedoch noch nicht.
Wirecard-Prozess wird kein Spionageverfahren
Die Kammer hat zuletzt serienweise sowohl teils jahrelang zurĂŒckliegende BeweisantrĂ€ge als auch die von Brauns Verteidigerinnen geforderte Aussetzung des Prozesses abgelehnt. Wirecard hatte im Juni 2020 Insolvenz angemeldet, weil in der Bilanz verbuchte Guthaben von 1,7 Milliarden Euro nicht auffindbar waren - bis heute hat Insolvenzverwalter Michael JaffĂ© keine Hinweise, dass das Geld jemals existierte. Laut Anklage erdichteten Braun und Komplizen ĂŒber Jahre nicht vorhandene UmsĂ€tze, um die kreditgebenden Banken zu tĂ€uschen. Die Staatsanwaltschaft bezifferte den Betrugsschaden auf drei Milliarden Euro.
Brauns Verteidigungstheorie stöĂt auf keinen Glauben
Der ehedem in Dubai fĂŒr Wirecard tĂ€tige Manager Oliver Bellenhaus hat die Darstellung der Staatsanwaltschaft in allen wesentlichen Punkten bestĂ€tigt. Der seit ĂŒber sechs Jahren in Untersuchungshaft sitzende Ex-Konzernchef Braun hingegen bestreitet seit Prozessbeginn sĂ€mtliche VorwĂŒrfe. Der 1969 geborene österreichische Manager verteidigte sich mit dem Argument, die GeschĂ€fte seien echt gewesen, die Gewinne jedoch von Marsalek und Komplizen veruntreut worden.
Ein Freispruch ist jedoch ausgeschlossen, der Vorsitzende Richter Födisch hat Brauns Argumentation als nicht schlĂŒssige "Spekulationen" zurĂŒckgewiesen. Zudem hĂ€tte der österreichische Manager lĂ€ngst aus der Untersuchungshaft entlassen werden mĂŒssen, hielte die Kammer ihn fĂŒr unschuldig.
Auch der dritte Angeklagte E. in schwieriger Lage
Dritter Angeklagter ist der ehemalige Chefbuchhalter E., der der Anklage ebenso wie Braun widerspricht. Richter Födisch konfrontierte E. zuletzt mit ganz offensichtlich gefĂ€lschten Kontosalden ĂŒber 660 Millionen Euro aus dem MĂ€rz 2018, die an den Chefbuchhalter gerichtet waren und in denen nicht einmal das Datum stimmte. Der Wirecard-TreuhĂ€nder in Singapur hatte seine BestĂ€tigung der KontostĂ€nde vom Dezember 2017 nĂ€mlich angeblich schon im MĂ€rz 2017 abgeschickt - ein Ding der Unmöglichkeit. Einen Tag spĂ€ter erhielt E. eine korrigierte Fassung mit richtigem Datum, in der jedoch die angeblichen KontostĂ€nde jeweils um MillionenbetrĂ€ge geĂ€ndert waren. E. hatte dazu gesagt, er sei mit den Einzelheiten nicht befasst gewesen und habe keine ErklĂ€rung dafĂŒr.
