Anleihen, Kursgewinne

Deutsche Anleihen: Kursgewinne nach US-Zwischenwahl

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 17:02 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Kurse deutscher Staatsanleihen haben am Mittwoch nach den Zwischenwahlen in den USA zugelegt.

Der richtungweisende Euro-Bund-Future DE0009652644 stieg um 0,21 Prozent auf 122,64 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf 3,30 Prozent.

In einer deutlichen Abrechnung mit der Politik von Präsident Donald Trump haben US-Wähler den Demokraten die volle Kontrolle über den Kongress übertragen. Trumps Republikaner haben ihre Mehrheit nicht nur im Abgeordnetenhaus, sondern auch im Senat verloren - was noch vor wenigen Monaten als kaum wahrscheinlich galt. Die Abstimmung wurde zu einem Referendum über Trump, den Amerikaner unter anderem für steigende Preise verantwortlich machen.

"Für die kommenden beiden Jahre zeichnet sich allerdings ein konfliktreiches Verhältnis zwischen Weißem Haus und Kongress ab", kommentierte Dirk Chlench, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. "Die Demokraten können Trumps innenpolitische Agenda bremsen, eigene Vorhaben aber angesichts seines Vetorechts ebenfalls nur eingeschränkt durchsetzen." Chlench erwartet Auseinandersetzungen über den Bundeshaushalt und die Anhebung der Staatsschuldenobergrenze. "Für die Kapitalmärkte könnte die Schuldenobergrenze deshalb 2027 erneut zu einem Belastungsfaktor werden."

Getrieben von hohen Energiepreisen ist die Inflation in der Eurozone im Oktober auf den höchsten Stand seit über drei Jahren gestiegen. Im Jahresvergleich legten die Verbraucherpreise um 4,0 Prozent zu. Die Kursreaktionen hielten sich jedoch in Grenzen, da Volkswirte dies erwartet hatten. Die Teuerung steigt damit immer stärker über das von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebte Ziel von mittelfristig zwei Prozent, bei dem die EZB die Preisstabilität als gewährleistet ansieht. "Die EZB muss in Anbetracht der unveränderten Kernteuerungsrate nicht in Hektik verfallen", kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. "Eine Zinsanhebung im Dezember um 25 Basispunkte ist derweil mit der hohen Oktober-Teuerungsrate gesetzt."

Auch an den Finanzmärkten ist eine Zinserhöhung zumindest für den Dezember fest eingepreist. Zuletzt hatte Bundesbankpräsident Joachim Nagel, der auch Mitglied des EZB-Rates ist, gesagt, dass eine Zinserhöhung im Dezember "sehr wahrscheinlich notwendig" sei. Aus heutiger Sicht dürfte kaum ein Weg an einer Zinserhöhung vorbeiführen, wenn sich der Inflationsausblick nicht deutlich verbessere, sagte Nagel am Dienstagabend auf einer Veranstaltung in Berlin. Am vergangenen Donnerstag hatte die EZB ihren Leitzins noch bestätigt.

Die Stimmung der Dienstleister in der Eurozone hat sich im Oktober stärker als erwartet verschlechtert. Der von S&P Global ermittelte Einkaufsmanagerindex (PMI) lag aber weiter über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. In Frankreich ist der Indikator hingegen eingebrochen und deutlich unter die Wachstumsschwelle gefallen.

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de | DE0009652644 | ANLEIHEN | boerse | 70458118 |