Trump gegen neue Strafen fĂŒr Moskau - Kiew enttĂ€uscht
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 14:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas knapp vor einem Monat von Trump unterzeichnete Sanktionspaket gegen Russland sollte den Kreml wegen seines Angriffskriegs gegen die Ukraine stĂ€rker unter Druck setzen. Die darin vorgesehenen Zölle ruhen nun bis auf Weiteres, wie aus einem am Freitag (Ortszeit) veröffentlichten Dekret hervorging. Sein Vorgehen begrĂŒndete der US-PrĂ€sident damit, dass dies "zum jetzigen Zeitpunkt im nationalen Interesse" der USA liege. Aus Moskau gab es fĂŒr den Schritt Lob - aus Kiew wurde Kritik laut.
Mitte September hatte Trump das vom US-Parlament verabschiedete Gesetz mit neuen weitreichenden StrafmaĂnahmen gegen Russland unterzeichnet. Das Sanktionspaket hatte zuvor eine parteiĂŒbergreifende Mehrheit im Kongress bekommen.
Das Gesetz sah vor, dass die im Text verankerten Zölle und Sanktionen 30 Tage nach der Unterzeichnung automatisch greifen - es sei denn, der PrĂ€sident wĂŒrde innerhalb dieser Zeit anders entscheiden. Trump setzte die Zölle also kurz vor Ende der vom Kongress vorgegebenen Frist aus.
Selenskyj: Lockerung ist Ansporn fĂŒr Putin
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj kritisierte die Aussetzung der geplanten US-Sanktionen. Eine Lockerung des Drucks auf Moskau und finanzielle Belohnungen seien fĂŒr Kremlchef Wladimir Putin nur Ansporn, weiter zuzuschlagen, teilte er in einem Beitrag bei Telegram mit. Er beklagte dabei, dass Trump sich zu dem Schritt entschlossen habe - einen Tag nach einem der massivsten SchlĂ€ge Moskaus gegen die ukrainische Energieinfrastruktur.
"Mehr als 15 wichtige Anlagen zur Stromerzeugung und -ĂŒbertragung in verschiedenen Regionen der Ukraine wurden angegriffen", sagte er. Moskau habe seine Angriffe ausgeweitet und versuche die Ressourcen des Landes zu zerschlagen. Laut Behörden gab es Tote und Verletzte. Hunderttausende Menschen waren demnach ohne Strom und Heizung.
"Russland versucht, in der Ukraine kurz vor dem Winter einen Blackout herbeizufĂŒhren", sagte Selenskyj. Das Land wolle Millionen Menschen Strom und Heizung nehmen. "Es braucht Druck, um dies zu stoppen", forderte er. Trump könne das Sanktionsgesetz auch wieder in Kraft setzen. "Aber es muss wirklich greifen", betonte Selenskyj. Schon zuvor hatte Trump ungeachtet bestehender Sanktionen mit Putin Diesellieferungen aus Russland vereinbart und damit die Kritik Selenskyjs auf sich gezogen.
Politikwissenschaftler: "Dunkelster Moment" im Ukraine-Krieg
Nach dem Stopp des US-Sanktionspakets gegen Russland sieht der Geopolitik-Experte Klemens Fischer die Ukraine in verzweifelter Lage. "Das ist garantiert der dunkelste Moment fĂŒr die Ukrainer in diesem Krieg bisher", sagte der Professor fĂŒr Internationale Beziehungen und Geopolitik an der UniversitĂ€t Köln dem Deutschlandfunk.
Trump habe Kiew von Anfang an nicht so unterstĂŒtzt, wie es die westlichen Staaten gerne gehabt hĂ€tten. Nun verhalte er sich aber noch radikaler, sagte er mit Blick auf die Zwischenwahlen am 3. November und die hohen Energiekosten infolge des Iran-Kriegs, den Trump mit Israel begonnen hatte.
Selbst wenn sich Trump der Ukraine nach den Midterms wieder zuwenden wĂŒrde, könnten die kommenden Wochen langfristigen Schaden anrichten, warnt Fischer. Die Ukraine sei etwa bei der Luftabwehr nahezu zu 100 Prozent von den USA abhĂ€ngig.
Moskau lobt die US-Entscheidung
Dagegen lobte Moskau erwartungsgemÀà die US-Entscheidung als "wichtigen und wahrhaft historischen Moment". Der Schritt fördere den Dialog und die fĂŒr beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit, teilte der fĂŒr die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit zustĂ€ndige Kreml-Beauftragte Kirill Dmitrijew bei Telegram mit.
Er erklĂ€rte: "Dieses Gesetz (...) hĂ€tte die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und den USA faktisch vollstĂ€ndig zum Erliegen bringen und vor allem der amerikanischen Wirtschaft sowie den WeltmĂ€rkten schweren Schaden zufĂŒgen können." Im Gegensatz zu Sanktionen und Konfrontation trage die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und den USA zur StabilitĂ€t der Weltwirtschaft bei, sagte er.
Das sei Grundlage fĂŒr die StĂ€rkung des Vertrauens und die Erreichung eines dauerhaften Friedens, meinte Dmitrijew. Als Kreml-UnterhĂ€ndler verhandelt er mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner auch ĂŒber ein Ende der russischen Invasion.
So sollte Russland unter Druck gesetzt werden
Das nun auf Eis gelegte Gesetz sieht neben direkten Sanktionen gegen russische Politiker und Firmen auch StrafmaĂnahmen gegen russische Ăl- und Gas-Exporte vor, mit denen Moskau seinen Angriffskrieg finanziert. Das Gesetz wĂŒrde Trump unter anderem dazu berechtigen, die fĂŒnf gröĂten KĂ€ufer russischer EnergietrĂ€ger mit Sanktionen zu belegen. Gleiches gilt fĂŒr jene fĂŒnf LĂ€nder, die Russland am meisten dabei helfen, Energiesanktionen zu umgehen. Damit könnte es die US-Handelsbeziehungen zu den wirtschaftlichen Schwergewichten China und Indien weiter strapazieren, die groĂe Mengen russischen Erdöls beziehen.
Das Sanktionsgesetz trĂ€gt den Namen des im Juli gestorbenen Senators und Trump-Vertrauten Lindsey Graham, der es maĂgeblich vorangetrieben hatte. Viele Demokraten hatten kritisiert, dass der Gesetzentwurf Trump zu viel Freiraum bei der VerhĂ€ngung oder Aussetzung von Sanktionen einrĂ€umt.
Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 mit westlicher MilitÀr- und Milliardenhilfe gegen eine russische Invasion.
