Nachbarn Deutschland und Polen vertiefen ihre Zusammenarbeit
17.06.2026 - 15:19:35 | dpa.de35 Jahre nach ihrem Nachbarschaftsvertrag haben Deutschland und Polen einander noch mehr Zusammenarbeit versprochen, sie vertiefen die militÀrische Kooperation - doch Probleme im VerhÀltnis bleiben.
"Im Bewusstsein der tragischen Geschichte des 20. Jahrhunderts tragen wir eine besondere Verantwortung fĂŒr unsere Region und unseren Kontinent - als VerbĂŒndete in der Nato und Partner in der EuropĂ€ischen Union." Das erklĂ€rten die AuĂenminister Johann Wadephul (CDU) und Radoslaw Sikorski gemeinsam anlĂ€sslich des Deutsch-Polnischen Forums in Berlin. Die Veranstaltung mit etwa 700 Teilnehmern fand am 35. Jahrestag der Unterzeichnung des bilateralen Freundschafts- und Nachbarschaftsvertrages von 1991 statt.
Schnellere Schienen fĂŒr Freundschaft und Verteidigung
Das neue MilitĂ€rabkommen wollten Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und sein polnischer Kollege Wladyslaw Kosiniak-Kamysz nachmittags in Warschau unterzeichnen. Allerdings spielte die verĂ€nderte Sicherheitslage und die Bedrohung durch Russland auch in Berlin eine Rolle. Verkehrsverbindungen und die grenzĂŒberschreitende Infrastruktur mĂŒssten ausgebaut werden, forderten Wadephul und Sikorski. Das helfe den persönlichen Kontakten und der Wirtschaft, es stĂ€rke im Gefahrenfall aber auch die Verteidigung.
"Zusammen bilden Deutschland und Polen das RĂŒckgrat der europĂ€ischen Verteidigung und der Abschreckung der Nato gegen die russische Bedrohung", sagte Wadephul. "Wer also in deutsch-polnische Schienen investiert, der investiert in Freundschaft und Verteidigung zugleich."
Hilfe fĂŒr die letzten KZ-Opfer in Polen?
Sikorski nannte es eine Erfolgsgeschichte, dass die polnischen Investitionen und FirmenkĂ€ufe in Deutschland zunehmen. Aber er verwies auch auf die Lasten der Vergangenheit. "Die letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs sterben, darunter Menschen, die besonders stark unter den deutschen Verbrechen gelitten haben: KZ-HĂ€ftlinge und Zwangsarbeiter", sagte er. "Wir haben ihnen gegenĂŒber besondere Verpflichtungen, sowohl in moralischer als auch in materieller Hinsicht." Deutschland solle sich dieser Verantwortung rasch stellen.
Verteidigungsminister unterzeichnen Abkommen in Warschau
Das neue MilitĂ€rabkommen mit Polen betont nach Angaben der Bundesregierung die Einbettung beider LĂ€nder in Nato und EU und bekrĂ€ftigt die Verpflichtung zum gegenseitigen Beistand. Polen und Deutschland wollen auch bei der Entwicklung militĂ€rischer FĂ€higkeiten und in der RĂŒstungsindustrie enger zusammenarbeiten. Zudem soll es gemeinsame Ăbungen geben.
FĂŒr Polen ist besonders die Zusammenarbeit im Ostseeraum wichtig. Nach Angaben der polnischen Nachrichtenagentur PAP geht die Vereinbarung der Ministerien aber nicht so weit wie Abkommen mit Frankreich und GroĂbritannien mit Beistandsregeln ĂŒber den EU- und Nato-Rahmen hinaus. Die polnische Regierung habe damit vermeiden wollen, dass der rechtskonservative PrĂ€sident Karol Nawrocki ein Veto dagegen einlegt.
Rechtes Lager in Polen sieht Deutschland mit Misstrauen
Kosiniak-Kamysz verteidigte im Parlament in Warschau die Zusammenarbeit mit Berlin gegen das deutschland-skeptische rechte Lager. Polen orientiere sich in sicherheitspolitisch in Richtung USA, Skandinavien und TĂŒrkei, sagte er im Parlament in Warschau. "Aber der Vektor der polnischen Sicherheit ist auch auf unseren VerbĂŒndeten und Nachbarn gerichtet, der Deutschland heute ist", betonte er der Nachrichtenagentur PAP zufolge.
"Deutschland und die Ukraine sind unsere VerbĂŒndeten", sagte MinisterprĂ€sident Donald Tusk. "Jeder, der versucht, die guten deutsch-polnischen Beziehungen zu zerstören, dient Russland; jeder, der heute die Ukraine angreift, hilft Russland", sagte er bei einer Pressekonferenz.
Preise fĂŒr deutsch-polnische VerstĂ€ndigung
FĂŒr besondere Verdienste um die deutsch-polnische VerstĂ€ndigung wurde bei dem Forum der erste Botschafter des nachkommunistischen Polens in Berlin, Janusz Reiter, geehrt. Auch das Kooperationszentrum Frankfurt-Slubice wurde fĂŒr seine Bildungsarbeit auf beiden Seiten der Oder ausgezeichnet. Die deutsche Seite gab zugleich KulturgĂŒter an Polen zurĂŒck, die dort wĂ€hrend des Kriegs geraubt worden waren. Dazu zĂ€hlten ein wertvoller Ring des polnischen Königshauses der Jagiellonen und eine mittelalterliche Handschrift.
