MilitÀrabkommen mit Polen unterzeichnet
17.06.2026 - 17:46:59 | dpa.de35 Jahre nach ihrem Nachbarschaftsvertrag haben Deutschland und Polen einander noch mehr Zusammenarbeit versprochen, sie vertiefen die militÀrische Kooperation - doch Probleme im VerhÀltnis bleiben.
"Im Bewusstsein der tragischen Geschichte des 20. Jahrhunderts tragen wir eine besondere Verantwortung fĂŒr unsere Region und unseren Kontinent - als VerbĂŒndete in der Nato und Partner in der EuropĂ€ischen Union." Das erklĂ€rten die AuĂenminister Johann Wadephul (CDU) und Radoslaw Sikorski gemeinsam anlĂ€sslich des Deutsch-Polnischen Forums in Berlin. Die Veranstaltung mit etwa 700 Teilnehmern fand am 35. Jahrestag der Unterzeichnung des bilateralen Freundschafts- und Nachbarschaftsvertrages von 1991 statt.
Verteidigungsminister unterzeichnen Abkommen
Parallel unterzeichneten Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und sein polnischer Kollege Wladyslaw Kosiniak-Kamysz in Warschau ein neues MilitĂ€rabkommen. Die NachbarlĂ€nder ĂŒbernĂ€hmen damit Verantwortung fĂŒr ihre Zukunft in Europa, sagte Pistorius. Kosiniak-Kamysz sagte, das Abkommen eröffne neue Möglichkeiten der Kooperation bei Cybersicherheit und hochmodernen Technologien.
Die Vereinbarung betont nach Angaben der Bundesregierung die Verpflichtung zum gegenseitigen Beistand im Rahmen von EU und Nato. Polen und Deutschland wollen auch bei der Entwicklung militĂ€rischer FĂ€higkeiten und in der RĂŒstungsindustrie enger zusammenarbeiten. Zudem soll es gemeinsame Manöver geben. Pistorius kĂŒndigte eine VerlegeĂŒbung "Grand Eagle" mit 1.200 Soldaten von Deutschland durch Polen nach Litauen im November an.
Das polnische Verteidigungsministerium unterstrich zudem die Bereiche MilitÀrlogistik und Infrastruktur und die Kooperation im Ostseeraum. Das Abkommen enthÀlt aber keine gegenseitigen Sicherheitsgarantien, wie sie in einem polnisch-französischen Vertrag vom vergangenen Jahr stehen.
Rechtes Lager in Polen sieht Deutschland mit Misstrauen
Kosiniak-Kamysz verteidigte im Parlament in Warschau die Zusammenarbeit mit Berlin gegen das Deutschland-skeptische rechte Lager. Polen orientiere sich sicherheitspolitisch in Richtung USA, Skandinavien und TĂŒrkei, sagte er im Parlament in Warschau. "Aber der Vektor der polnischen Sicherheit ist auch auf unseren VerbĂŒndeten und Nachbarn gerichtet, der Deutschland heute ist", betonte er der Nachrichtenagentur PAP zufolge.
"Deutschland und die Ukraine sind unsere VerbĂŒndeten", sagte MinisterprĂ€sident Donald Tusk. "Jeder, der versucht, die guten deutsch-polnischen Beziehungen zu zerstören, dient Russland; jeder, der heute die Ukraine angreift, hilft Russland", sagte er bei einer Pressekonferenz.
Schnelle Schienen fĂŒr Freundschaft und Verteidigung
Auch in Berlin spielten die verĂ€nderte Sicherheitslage und die Bedrohung durch Russland eine Rolle. Verkehrsverbindungen und die grenzĂŒberschreitende Infrastruktur mĂŒssten ausgebaut werden, forderten die AuĂenminister Wadephul und Sikorski. Das helfe den persönlichen Kontakten und der Wirtschaft, es stĂ€rke im Gefahrenfall aber auch die Verteidigung.
"Zusammen bilden Deutschland und Polen das RĂŒckgrat der europĂ€ischen Verteidigung und der Abschreckung der Nato gegen die russische Bedrohung", sagte Wadephul. "Wer also in deutsch-polnische Schienen investiert, der investiert in Freundschaft und Verteidigung zugleich."
Hilfe fĂŒr die letzten KZ-Opfer in Polen?
Sikorski nannte es eine Erfolgsgeschichte, dass die polnischen Investitionen und FirmenkĂ€ufe in Deutschland zunehmen. Aber er verwies auch auf die Lasten der Vergangenheit. "Die letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs sterben, darunter Menschen, die besonders stark unter den deutschen Verbrechen gelitten haben: KZ-HĂ€ftlinge und Zwangsarbeiter", sagte er. "Wir haben ihnen gegenĂŒber besondere Verpflichtungen, sowohl in moralischer als auch in materieller Hinsicht." Deutschland solle sich dieser Verantwortung rasch stellen.
Preise fĂŒr deutsch-polnische VerstĂ€ndigung
FĂŒr besondere Verdienste um die deutsch-polnische VerstĂ€ndigung wurde bei dem Forum der erste Botschafter des nachkommunistischen Polens in Berlin, Janusz Reiter, geehrt. Auch das Kooperationszentrum Frankfurt-Slubice wurde fĂŒr seine Bildungsarbeit auf beiden Seiten der Oder ausgezeichnet. Die deutsche Seite gab zugleich KulturgĂŒter an Polen zurĂŒck, die dort wĂ€hrend des Kriegs geraubt worden waren. Dazu zĂ€hlten ein wertvoller Ring des polnischen Königshauses der Jagiellonen und eine mittelalterliche Handschrift.
