ABB Aktie: Boom bei Rechenzentren, teurer Kaufpreis
Veröffentlicht am: 17.07.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Starke Zahlen, aber die Aktie rutscht ab — bei ABB passt das auf den ersten Blick nicht zusammen. Der Grund liegt nicht im operativen Geschäft, sondern in einem milliardenschweren Zukauf, den Analysten als überteuert einstufen.
Das zweite Quartal 2026 fiel für den Schweizer Technologiekonzern sogar noch kräftiger aus als der bereits starke Jahresstart. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 9,48 Milliarden Dollar, der Auftragseingang zog vergleichbar sogar um 28 Prozent auf gut 12 Milliarden Dollar an. Getrieben wurde das Wachstum vor allem von höheren Volumina — Rechenzentren zählten zu den stärksten Nachfragetreibern, daneben legten auch Elektrifizierung und Antriebstechnik deutlich zu.
Auch bei der Profitabilität ging es weiter aufwärts. Die operative Marge kletterte um 0,9 Prozentpunkte auf 20,2 Prozent und bewegt sich damit komfortabel innerhalb der zuletzt angehobenen Zielspanne von 18 bis 22 Prozent. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn erreichte 1,23 Milliarden Dollar, ein Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Management zeigte sich entsprechend zuversichtlicher und hob die Jahresprognose an: Statt eines hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Umsatzwachstums peilt ABB nun ein Plus im niedrigen zweistelligen bis unteren Teens-Bereich an.
Rotork-Deal belastet die Stimmung
Parallel zu den Quartalszahlen kündigte ABB die geplante Übernahme des britischen Automatisierungsspezialisten Rotork an. Das Unternehmen bietet den Rotork-Aktionären 503 Pence je Aktie in bar, was einer Bewertung von 5,5 Milliarden Dollar entspricht. Finanziert werden soll der Kauf über vorhandene Barmittel, Bankkredite und Erlöse aus dem bereits veräußerten Robotics-Geschäft.
Rotork passt strategisch gut ins Portfolio: Der Anbieter von Durchflusskontrollgeräten und elektrischen Stellantrieben beliefert unter anderem die Öl- und Gasindustrie, die Chemiebranche sowie zunehmend auch Rechenzentren. Mit einer bereinigten operativen Marge von 24,6 Prozent im vergangenen Jahr würde das Geschäft die ABB-Konzernrendite eher stützen als belasten und rund drei Prozent zum Gesamtumsatz beisteuern. Trotzdem bewerteten Analysten den Kaufpreis als hoch — die ABB-Aktie gab daraufhin um gut vier Prozent nach.
Der Kursrückgang traf auf ein ohnehin schwaches Marktumfeld: Der Schweizer Leitindex SMI rutschte am Donnerstag zeitweise unter die Marke von 14.200 Punkten, auch weil an der Wall Street ein verhaltener Handelsstart erwartet wurde.
Für das dritte Quartal stellt ABB ein Umsatzwachstum im unteren bis mittleren Teens-Bereich in Aussicht, die operative Marge soll dabei über dem Niveau des zweiten Quartals liegen. Der Rotork-Deal soll in der ersten Jahreshälfte 2027 abgeschlossen werden.
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