Hausarzt, Fachmediziner

Ärztekammer-Chef: Erst zum Hausarzt, dann zum Fachmediziner

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 06:11 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Patienten sollen aus Sicht von BundesÀrztekammer-PrÀsident Klaus Reinhardt vor einem Besuch beim Fachmediziner zunÀchst den Hausarzt aufsuchen.

Wer dies nicht tue, solle einen Nachteil spĂŒren, sagte Reinhardt (66) der Funke Mediengruppe. Es gehe dabei nicht zuerst ums Geld, betonte er.

"Wer sich nicht an sinnvolle Spielregeln hÀlt, sollte erleben, dass er im Zweifel lÀnger wartet als jemand, der genauso krank ist, aber die Spielregeln eingehalten hat", erklÀrte Reinhardt. "Am Ende kann auch die Frage nach finanziellen Mechanismen stehen."

Reinhardt Ă€ußerte sich angesichts eines Gesetzesvorhabens der Bundesregierung aus CDU und SPD zur EinfĂŒhrung eines Systems bei der sogenannten PrimĂ€rversorgung. Dabei sollen die HausĂ€rzte als erste Anlaufstelle im Mittelpunkt stehen. Ziele sind die effektivere Steuerung der Patienten, eine bessere medizinische Versorgung und auch geringere Kosten.

Einschnitte fĂŒr alle spĂŒrbar

Anfang Juli war das sogenannte Beitragssatzstabilisierungsgesetz von Bundestag und Bundesrat gebilligt worden. Das milliardenschwere Sparpaket soll die gesetzlichen Krankenkassen von stark steigenden Ausgaben entlasten und Millionen Versicherte vor höheren BeitrÀgen bewahren. Dabei sind auch Einschnitte geplant.

Die Einschnitte wĂŒrden fĂŒr alle spĂŒrbar sein, prophezeite Reinhardt. "Ärzte werden stĂ€rker hinschauen mĂŒssen, wer die Versorgung im Krankheitsfall vordringlich benötigt", sagte er. "Jenseits dessen fĂŒhrt ein System, in dem BehandlungsfĂ€lle in dieser Dimension nicht mehr bezahlt werden, zu EinschrĂ€nkungen. Das fĂ€ngt bei Leistungen an, die nicht unmittelbar zur medizinischen Versorgung gehören."

Reinhardt sieht ungeregelten Zugang zu Gesundheitsleistungen

Mit einer stĂ€rkeren PrimĂ€rversorgung könnten Wartezeiten verkĂŒrzt werden. Mit 9,7 sogenannten Arzt-Patienten-Kontakten pro Jahr liege Deutschland europaweit ganz weit oben. Zudem gebe es rund 220 stationĂ€re FĂ€lle je 1.000 Einwohner, laut Reinhardt eine der höchsten Krankenhausbehandlungszahlen weltweit. "Das sind auch Folgen unseres völlig ungeregelten Zugangs zu Gesundheitsleistungen", sagte der PrĂ€sident der BundesĂ€rztekammer.

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