ROUNDUP, Tote

Erneut Tote bei ICE-EinsÀtzen - US-Migrationsbehörde unter Druck

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 17:45 Uhr, dpa.de

(Aktualisierung: durchgehend aktualisiert.)WASHINGTON - Mehrere Monate lang war es ruhiger um die US-Migrationsbehörde ICE - nun hÀufen sich TodesfÀlle im Zusammenhang mit EinsÀtzen der umstrittenen Behörde wieder.

(Aktualisierung: durchgehend aktualisiert.)

WASHINGTON (dpa-AFX) - Mehrere Monate lang war es ruhiger um die US-Migrationsbehörde ICE - nun hĂ€ufen sich TodesfĂ€lle im Zusammenhang mit EinsĂ€tzen der umstrittenen Behörde wieder. Am Dienstag (Ortszeit) wurde ein Mensch auf der Flucht vor ICE-Beamten auf einer Straße von einem Sattelzug erfasst und tödlich verletzt, wie die Autobahnpolizei von Florida nach ersten Erkenntnissen mitteilte.

Die Person sei mit drei anderen Insassen eines Wagens auf einem Tankstellenparkplatz im US-Bundesstaat Florida auf Beamte der Migrationsbehörde und die fĂŒr grenzĂŒberschreitende Verbrechen zustĂ€ndige Abteilung HSI des Heimatschutzministeriums getroffen. Ein Sprecher des Heimatschutzministeriums teilte auf dpa-Anfrage mit, dass das Todesopfer einen mexikanischen Pass hatte. Die Rede war von einem Einsatz von Strafverfolgungsbehörden. Der Hintergrund blieb unklar.

Fahrzeugkontrollen durch ICE: ja oder nein?

In den vergangenen Tagen waren bereits zwei Menschen im Kontext von ICE-VorfĂ€llen gestorben. Die Migrationsbehörde reagierte nach Informationen von US-Medien mit Änderungen an ihrer Vorgehensweise. Ein Großteil der nicht dringend erforderlichen Fahrzeugkontrollen bei EinsĂ€tzen werde zumindest vorerst eingestellt, berichteten mehrere US-Medien am Dienstag ĂŒbereinstimmend unter Berufung auf informierte Quellen.

Kurz darauf verteidigte US-PrĂ€sident Donald Trump jedoch das Vorgehen der ICE-Beamten und forderte sie dazu auf, an Fahrzeugkontrollen festzuhalten. Um "Kriminelle" aus dem Land zu schaffen, "mĂŒssen wir stark, hart und klug vorgehen, und wir DÜRFEN nicht eines der wichtigsten und wirksamsten Instrumente von ICE zur VerbrechensbekĂ€mpfung aufgeben, DIE VERKEHRSKONTROLLE!", schrieb er am Mittwochmorgen (Ortszeit) auf der Plattform Truth Social. Die ICE-Beamten sollten sich wieder an ihre "sehr wichtige Arbeit" machen, betonte Trump.

Das Weiße Haus bestĂ€tigte dem Sender Fox News, dass der US-PrĂ€sident die kurzzeitige KursĂ€nderung bei ICE aufhob, wie das US-Medium berichtete.

John Sandweg, ehemaliger Leiter der Einwanderungsbehörde unter dem demokratischen PrĂ€sidenten Barack Obama, hatte die zwischenzeitige Änderung in der Vorgehensweise im GesprĂ€ch mit der "Washington Post" zuvor als sinnvollen Schritt bezeichnet, um tödliche EinsĂ€tze zu vermeiden. Im Rahmen von Trumps Massenabschiebungskampagne habe es Druck auf die Beamten gegeben, die Zahl der Festnahmen zu erhöhen, was zu einer Zunahme der Fahrzeugkontrollen und damit verbundener Risiken gefĂŒhrt habe. Im Vergleich zu Streifenpolizisten seien ICE-Mitarbeiter dafĂŒr aber weniger gut ausgebildet.

TodesfÀlle in den vergangenen Tagen

Nachdem vergangene Woche im texanischen Houston ein ICE-Beamter einen Einwanderer aus Mexiko bei einer Kontrolle erschossen hatte, ereignete sich vor wenigen Tagen im nordöstlichen Bundesstaat Maine ein Ă€hnlicher Vorfall, bei dem ein Mensch starb. Lokalen BĂŒrgerrechtsorganisationen zufolge handelt es sich bei dem Getöteten um einen 26 Jahre alten Mann aus Kolumbien, der eine Arbeitserlaubnis in den USA hatte.

Die ICE-EinsĂ€tze sind Teil der strikten Abschiebepolitik von PrĂ€sident Trump. Bereits Anfang des Jahres war die Behörde stark in die Kritik geraten. Bundesbeamte hatten im Januar die US-BĂŒrger RenĂ©e Good und Alex Pretti erschossen. Das Vorgehen hatte fĂŒr einen landesweiten Aufschrei gesorgt. Auch die Aufarbeitung der FĂ€lle steht in der Kritik. So hatten damals Videoaufnahmen der EinsĂ€tze erhebliche Zweifel an den Darstellungen der Behörde aufgeworfen.

Unmut im In- und Ausland

Auch ein halbes Jahr spĂ€ter wirken die FĂ€lle noch nach. Einer Reuters/Ipsos-Umfrage vom vergangenen Monat zufolge sahen 51 Prozent der 1.262 Befragten Trumps Migrationspolitik "auf dem falschen Weg". Nur 35 Prozent befĂŒrworteten demnach Trumps Vorgehen. Die Werte seien Ă€hnlich niedrig wie nach den TodesfĂ€llen zu Beginn des Jahres, schrieb der Sender CNN. Die jĂŒngsten VorfĂ€lle dĂŒrften wenige Monate vor den wichtigen Zwischenwahlen im November fĂŒr weiteren Unmut sorgen.

Im Ausland wird ebenfalls Kritik laut. Mexiko schaltete den UN-Hochkommissar fĂŒr Menschenrechte ein. Außenminister Roberto Velasco bat UN-Hochkommissar Volker TĂŒrk in einem Schreiben, TodesfĂ€lle eigener StaatsbĂŒrger im Zusammenhang mit der Behörde prĂŒfen zu lassen und Informationen von den US-Behörden einzuholen, wie das mexikanische Außenministerium mitteilte. Das BĂŒro des Hochkommissars solle zudem prĂŒfen, ob die VorfĂ€lle mit den internationalen Menschenrechtsverpflichtungen der USA vereinbar seien.

PrĂ€sidentin Claudia Sheinbaum hatte in der vergangenen Woche angekĂŒndigt, nach den TodesfĂ€llen mexikanischer StaatsbĂŒrger im Zusammenhang mit ICE nicht mehr nur diplomatisch, sondern auch juristisch gegen die Verantwortlichen vorzugehen. Nach Angaben der Regierung starben bislang drei Mexikaner bei EinsĂ€tzen der Einwanderungsbehörde und 14 weitere in Abschiebehaft.

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