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Alibaba Aktie: Wette auf KI drückt auf den Kurs

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 04:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Massive Ausgaben für KI-Infrastruktur drücken Alibabas operative Marge und lassen den Aktienkurs auf Jahrestiefs fallen.

Alibaba Aktie: KI-Investitionen belasten den Kurs massiv
Abstrakte Darstellung des E-Commerce- und Technologiesektors mit KI-Elementen, die sowohl Innovation als auch Marktunsicherheit andeuten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

85,60 Euro. Tiefer stand Alibaba zuletzt kaum. Die Aktie notiert 47,03 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 161,60 Euro und liegt nur noch 7,67 Prozent über dem Jahrestief von 79,50 Euro, erreicht am 26. Juni 2026.

Der 14-Tage-RSI von 29,6 signalisiert überverkauftes Terrain. Auf 30-Tage-Sicht steht ein Minus von 17,85 Prozent zu Buche. Eine kleine Erholung von 1,90 Prozent binnen sieben Handelstagen ändert daran wenig.

Die Kernfrage: Kapex gegen Marge

Alibaba investiert massiv in KI und Cloud-Infrastruktur. Rund 53 Milliarden Dollar sind über drei Jahre eingeplant. Chinesische Medien berichten unter Berufung auf einen ungenannten Insider, der Konzern erwäge eine Aufstockung auf etwa 69 Milliarden Dollar. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bisher nicht.

Parallel läuft das Kapitalmanagement weiter. Zwischen dem 22. und 26. Juni 2026 kaufte Alibaba an der New Yorker Börse gut 5 Millionen Aktien zur Einziehung zurück, zu Kursen um 12 US-Dollar. Das Mandat dafür stammt vom 25. September 2025 und deckt bislang erst 0,03 Prozent des genehmigten Rückkaufvolumens ab. Bis Ende Juli 2026 gilt zudem ein Moratorium für neue Aktienausgaben.

Die entscheidende Frage für die kommenden Quartale: Wächst das KI-Geschäft schnell genug, um die Margenerosion aufzufangen, bevor Investoren die Geduld verlieren? Das Ausmaß der Erosion ist bereits sichtbar. Das operative Ergebnis (EBITA) brach ein, getrieben von drei Faktoren: KI-Investitionen, Werbeausgaben und ein langsameres Umsatzwachstum. Unterm Strich steht ein Einbruch des Kerngewinns um 84 Prozent — der bewusst in Kauf genommene Preis einer langfristigen Wette.

Bull-Szenario: Cloud-Wachstum rechtfertigt den Einsatz

Optimisten verweisen auf die Cloud-Sparte. Die Cloud Intelligence Group wächst um 36 Prozent, KI-Produkte liefern bereits im zehnten Quartal in Folge dreistellige Wachstumsraten. Alibaba-Chef Eddie Wu selbst bezeichnet die Investitionsphase als zeitlich begrenzt und hochgradig überzeugt: Die Rendite der Investments über die nächsten drei bis fünf Jahre sei "extrem klar", so seine Formulierung.

Sollte das KI-Wachstum im prognostizierten Tempo anhalten, könnte sich die aktuelle Margenschwäche als vorübergehend erweisen — nicht als strukturelles Problem. Bullen argumentieren mit dieser Logik, der Abschlag von 47,03 Prozent zum Jahreshoch und der Abstand von 31,55 Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt (125,06 Euro) würden die tatsächliche Verschlechterung des Geschäfts übertreiben. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 168,10 Euro. Das entspräche einem Kurspotenzial von rund 96,4 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.

Bär-Szenario: Ausgaben ohne Gegenwert

Die vorsichtigere Lesart: Alibaba stapelt KI-Kapex auf ein bereits schwach wachsendes Kerngeschäft. Das Besondere an der aktuellen Lage: Der Konzern gibt massiv für KI-Infrastruktur aus, während gleichzeitig ein Preiskampf im heimischen Quick-Commerce-Geschäft tobt. Der Umsatz wächst dabei nur um 3 Prozent pro Jahr.

Analysten haben ihre Modelle bereits angepasst. Die Gewinnschätzungen je Aktie (non-GAAP) für die Geschäftsjahre 2027 und 2028 wurden um 12,9 bis 14,2 Prozent gesenkt, wegen der höheren Investitionen. Für 2029 gibt es inzwischen eine erste Prognose.

Sollten Engpässe bei Chips oder Ausführungsfehler im KI-Geschäft die Monetarisierung weiter verzögern, könnte der Margendruck deutlich länger anhalten als vom Management signalisiert. Die Aktie bliebe dann unter ihren gleitenden Durchschnitten hängen, statt sich aus der überverkauften Zone zu lösen.

Ausblick: Erholung oder neuer Rutsch

Zwei Wege zeichnen sich ab. Beschleunigt sich das Cloud-Wachstum weiter und bleiben die KI-Produkte bei dreistelligen Raten, dürfte das Bull-Szenario an Zugkraft gewinnen — mit Kurszielen Richtung 50-Tage-Durchschnitt bei 104,31 Euro und 100-Tage-Durchschnitt bei 110,58 Euro. Der stark überverkaufte RSI würde eine solche Gegenbewegung zusätzlich stützen.

Zeigen die kommenden Quartalszahlen dagegen eine weitere Ausweitung der Margenschwäche ohne beschleunigtes KI-Wachstum, droht ein erneuter Test der Jahrestiefs nahe 79,50 Euro. Der nächste konkrete Prüfstein ist der anstehende Quartalsbericht, der in den kommenden Monaten erwartet wird. Dort werden aktualisierte Cloud-Wachstumsraten und neue Kapex-Vorgaben zeigen, ob sich die annualisierte Volatilität von aktuell 29,49 Prozent zu einer nachhaltigen Erholung auflöst — oder zu einer weiteren Abwärtsbewegung.

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