Alm. Brand Aktie: Rekord trotz Sonderlast
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 12:10 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ein Gerichtsurteil frisst im zweiten Quartal fast den kompletten Gewinn auf – und trotzdem hebt der dänische Versicherer seine Jahresprognose an. Bei Alm. Brand klaffen Schlagzeile und operative Realität deutlich auseinander.
Grund für die Diskrepanz ist ein Urteil des dänischen Obersten Gerichts vom 28. April 2026. Es senkt die Schwelle für den Anspruch auf Erwerbsminderungsrente in der Berufsunfähigkeitsversicherung von 15 auf 5 Prozent – mit Folgen für die gesamte dänische Versicherungsbranche. Alm. Brand reagierte mit einer einmaligen Reservestärkung von 700 Millionen dänischen Kronen, die den Vorsteuergewinn des Quartals auf gerade einmal 50 Millionen Kronen drückte. Der Markt hatte sogar mit einem Verlust gerechnet, sodass das Ergebnis die Erwartungen trotz der Belastung übertraf.
Operatives Geschäft so stark wie nie
Klammert man den Sondereffekt aus, zeigt sich ein anderes Bild. Das bereinigte Versicherungsergebnis stieg um 24,6 Prozent auf 648 Millionen Kronen – der höchste Wert, den das Unternehmen je in einem Quartal ausgewiesen hat. Die zugrundeliegende Schadenquote verbesserte sich um 200 Basispunkte gegenüber dem Vorjahr, gestützt durch niedrigere laufende Schäden, höhere Run-off-Gewinne und den Wegfall der Integrationskosten aus der früheren Codan-Übernahme.
Die beiden Kernsegmente entwickeln sich gegenläufig. Personal Lines wächst mit 5,2 Prozent Prämienplus weiter kräftig, getragen von Bankkooperationen und Marktanteilsgewinnen. Commercial Lines schrumpft dagegen um 2,3 Prozent – eine bewusste Entscheidung des Managements, das in einem weichen Markt für Berufsunfähigkeitsversicherung Profitabilität vor Volumen stellt. CEO Andreas Ruben Madsen zeigte sich mit dem Tempo unzufrieden und kündigte einen Wechsel an der Spitze des Commercial-Lines-Geschäfts an, um "neue Augen" auf das Problem zu richten.
Prognose nach oben, Risiken bleiben
Trotz der Sonderbelastung hob Alm. Brand die Jahresprognose für das Versicherungsergebnis um 100 Millionen auf 1,2 bis 1,4 Milliarden Kronen an, bereinigt um den Gerichtseffekt sogar auf 1,9 bis 2,1 Milliarden Kronen.
Auch beim Gewinn vor sonstigen Erträgen und Aufwendungen erhöhte der Versicherer die Zielspanne um 200 Millionen Kronen. Die Solvenzquote lag zum 30. Juni bei 225 Prozent, deutlich über der selbst gesteckten Mindestmarke von 180 Prozent.
An der Börse fiel die Reaktion verhalten positiv aus: Die Aktie legte im frühen Handel um 1,88 Prozent auf 16,76 Kronen zu, nachdem sie zuvor bei 16,45 Kronen geschlossen hatte.
Offene Fragen bleiben dennoch bestehen. Das Schiedsverfahren mit dem Rückversicherer Gard zieht sich hin – eine endgültige Klärung erwartet das Management frühestens im Sommer 2027. Dazu kommen Presseberichte, wonach Vertriebspartner Sydbank über einen neuen Versicherungspartner nachdenken könnte; Alm. Brand betonte, mit der bestehenden Zusammenarbeit zufrieden zu sein und in den laufenden Prozess eingebunden zu sein.
Für das dritte und vierte Quartal rechnet das Management mit jeweils rund 100 weiteren Basispunkten Verbesserung bei der zugrundeliegenden Schadenquote, getragen von Initiativen wie der Konsolidierung von Rechenzentren und optimierten Reparaturprozessen in der Kfz-Sparte.
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