Alphabet Aktie: 135 Milliarden Dollar aus Anthropic-Anteil
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 04:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am 22. Juli wird Alphabet die Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 präsentieren. Während der Markt gespannt auf die finanzielle Performance blickt, rücken eine massive Neubewertung der Beteiligung am KI-Spezialisten Anthropic sowie technische Durchbrüche bei der Chip-Entwicklung in den Vordergrund. Die Aktie notierte am Montag bei einem Schlusskurs von 308,15 € und verzeichnet seit Jahresbeginn ein Plus von 15,69 %.
Anthropic-Beteiligung sorgt für Bewertungssprung
Ein zentraler Faktor für die Stimmung der Anleger ist die Beteiligung von Alphabet am KI-Startup Anthropic. Laut Berichten von Analysten der Bank of America hält Alphabet rund 14 % an dem Unternehmen. Bei einer aktuellen Bewertung von Anthropic in Höhe von 965 Milliarden US-Dollar entspricht dieser Anteil einem Wert von circa 135 Milliarden US-Dollar. Die Experten prognostizieren daraus resultierende, noch nicht realisierte Gewinne in Höhe von etwa 80 Milliarden US-Dollar.
Diese enorme Wertsteigerung könnte die Bilanz deutlich beeinflussen, während Anthropic selbst laut Medienberichten einen Börsengang bis Oktober 2026 anstrebt. In Prognosemärkten wird die Wahrscheinlichkeit, dass Alphabet die Gewinnerwartungen übertrifft, derzeit auf über 97 % geschätzt. Analysten von Morningstar, darunter Malik Ahmed Khan, bezeichnen die Aktie im Vorfeld der Zahlen als günstig bewertet und verweisen auf das faire Kursziel von 433 US-Dollar.
Erwartungen an Cloud-Wachstum und neue Chip-Generation
Für das zweite Quartal rechnet der Markt im Konsens mit einem Umsatz von etwa 116,8 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 21 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspräche. Beim Gewinn pro Aktie wird ein Wert von 2,87 US-Dollar erwartet. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Segment Google Cloud, für das Erlöse zwischen 22,5 und 22,8 Milliarden US-Dollar prognostiziert werden – ein Wachstum von 65 %. Bereits im ersten Quartal konnte die Cloud-Sparte mit einem Umsatz von 20 Milliarden US-Dollar und einem Auftragsbestand von 462 Milliarden US-Dollar überzeugen.
Parallel dazu verdichten sich Berichte über die Entwicklung eines neuen KI-Serverchips mit dem Namen „Frozen v2“. Dieser soll die Architektur des KI-Modells Gemini direkt in das Silizium einbetten. Ziel ist eine Steigerung der Effizienz um das Sechs- bis Zehnfache im Vergleich zu aktuellen TPUs (Tensor Processing Units). Ein Einsatz des Chips ist ab dem Jahr 2028 geplant. Trotz dieser technologischen Ambitionen steht Alphabet unter Kostendruck: Für das Gesamtjahr 2026 wird mit Investitionsausgaben zwischen 180 und 190 Milliarden US-Dollar gerechnet, was fast einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Regulatorische Hürden durch die EU-Kommission
Abseits der operativen Zahlen sieht sich Alphabet mit verschärften Regulierungen in Europa konfrontiert. Die EU-Kommission hat am 16. Juli 2026 verbindliche Entscheidungen unter dem Digital Markets Act (DMA) getroffen. Demnach muss Google sein Betriebssystem Android bis Juli 2027 für konkurrierende KI-Assistenten öffnen. Zudem ist das Unternehmen verpflichtet, ab Januar 2027 anonymisierte Suchdaten mit Wettbewerbern zu teilen.
Zusätzlicher finanzieller Druck entsteht durch Gerichtsurteile in Schweden, Dänemark und Großbritannien im Zusammenhang mit Klagen des Preisvergleichsportals PriceRunner. Hier wurden Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe angeordnet. Trotz dieser Herausforderungen bleibt das Gros der Analysten optimistisch. Von 34 Experten raten 29 zum Kauf der Aktie, die aktuell etwa 12,15 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 350,75 € notiert.
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