Alphabet Aktie: 4,1 Milliarden Euro Strafe
Veröffentlicht: 02.07.2026 um 20:08 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ein europÀisches Gericht bestÀtigt eine Rekordstrafe gegen Google. Fast zeitgleich rechnet Wells Fargo mit einem gewaltigen Wachstumsschub im Cloud-GeschÀft. Die Alphabet-Aktie muss beide Nachrichten an einem Tag verarbeiten.
Am Donnerstag wies der EuropĂ€ische Gerichtshof die letzte Berufung von Google gegen die Kartellstrafe wegen Android ab. Die Strafe bleibt bei 4,1 Milliarden Euro. UrsprĂŒnglich hatte die EU-Kommission die Strafe 2018 verhĂ€ngt, 2022 wurde sie leicht reduziert. Google habe seine Marktmacht bei Android missbraucht, urteilten die Richter: Hersteller mussten Google Search und Chrome vorinstallieren, Google zahlte fĂŒr ExklusivitĂ€t und blockierte bestimmte nicht zertifizierte Android-Versionen.
Google erklĂ€rte, die eigenen Vereinbarungen bereits 2018 an die ursprĂŒngliche Entscheidung angepasst zu haben. Der Konzern konzentriere sich weiter auf Innovation. Im vorbörslichen Handel gab die Aktie um etwa ein Prozent nach.
Wells Fargo sieht Cloud-Wachstum ĂŒber dem Markt-Konsens
WĂ€hrend das Urteil fĂŒr Schlagzeilen sorgte, arbeiteten Analysten von Wells Fargo an einer neuen Bewertung. Sie senkten ihr Kursziel fĂŒr Alphabet von 435 auf 416 US-Dollar. Die Einstufung "Overweight" behalten sie bei.
Der Grund fĂŒr die Senkung liegt nicht in schwĂ€cheren GeschĂ€ften. Wells Fargo passt lediglich die GewinnschĂ€tzungen fĂŒr 2027 und 2028 an höhere Investitionen in kĂŒnstliche Intelligenz an. FĂŒr 2027 rechnet die Bank nun mit einem Gewinn je Aktie von 15,14 US-Dollar, fĂŒr 2028 mit 18,13 US-Dollar.
Die operativen Aussichten fallen deutlich optimistischer aus. FĂŒr das zweite Quartal 2026 erwartet Wells Fargo ein Umsatzwachstum bei Google Search von 17 Prozent im Jahresvergleich. Bei Google Cloud rechnet die Bank sogar mit einem Sprung von 72 Prozent â klar ĂŒber dem Marktkonsens von 65 Prozent.
Noch spannender wird es laut Wells Fargo in der zweiten JahreshĂ€lfte 2026. Ab dem dritten Quartal könnten externe VerkĂ€ufe von Googles eigenen KI-Chips, den Tensor Processing Units, zum echten Wachstumstreiber werden. Die Bank hĂ€lt ein Umsatzwachstum von rund 150 Prozent im zweiten Halbjahr fĂŒr möglich. Die Kehrseite: Wells Fargo taxiert die Investitionsausgaben fĂŒr 2027 auf 290 Milliarden US-Dollar â deutlich mehr als die vom Markt erwarteten rund 250 Milliarden.
Kurs unter Druck, Fundament bleibt intakt
Die Alphabet-Aktie notiert aktuell bei 312,20 Euro und verliert am Tag 1,76 Prozent. Am Mittwoch hatte das Papier noch bei 317,80 Euro geschlossen. Zum Rekordhoch von 350,75 Euro aus Mitte Mai fehlen inzwischen fast elf Prozent.
Der Blick auf die lĂ€ngere Frist relativiert die aktuelle SchwĂ€che. Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Plus von 3,33 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 16,02 Prozent. Ăber zwölf Monate hat sich der Kurs mehr als verdoppelt â ein Zuwachs von 106,24 Prozent. Der 14-Tage-RSI liegt bei 48,9 und signalisiert damit weder Ăberkauft- noch Ăberverkauft-Zustand.
Der eigentliche Treiber hinter der Kursentwicklung bleibt die KI-Infrastruktur. Alphabet plant fĂŒr 2026 Investitionen zwischen 180 und 190 Milliarden US-Dollar. Google Cloud sitzt bereits auf einem Auftragsbestand von 460 Milliarden US-Dollar.
Wie ernst es Alphabet mit der Monetarisierung dieser Infrastruktur meint, zeigt ein aktuelles Projekt in Western New York. Der Konzern unterstĂŒtzt dort ein KI-Rechenzentrum im Volumen von 3,2 Milliarden US-Dollar. Die Rechenleistung der eigenen TPU-Chips soll kĂŒnftig an Anthropic vermietet werden â ein Schritt weg vom reinen Eigenbedarf, hin zum Chip-Vermieter fĂŒr die gesamte Branche.
Die Kartellstrafe aus BrĂŒssel bleibt damit eine Randnotiz im groĂen Bild. FĂŒr den Kurs entscheidender dĂŒrfte sein, ob die TPU-Vermietung an Kunden wie Anthropic ab dem dritten Quartal tatsĂ€chlich anspringt und das von Wells Fargo skizzierte Wachstumstempo von 150 Prozent erreichbar wird.
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