Analyse, Steuerentlastungen

Analyse: Steuerentlastungen könnten weitgehend verpuffen

Veröffentlicht: 03.07.2026 um 14:35 Uhr, dpa.de

Entlastungen bei der geplanten Reform der Einkommensteuer drohen wegen steigender SozialbeitrÀge weitgehend zu verpuffen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Zwar könne die geplante Entlastung den Anstieg der RentenbeitrĂ€ge in vielen FĂ€llen kompensieren, insbesondere bei Haushalten mit Kindern durch die Erhöhung des Kindergelds. "Unterm Strich bleibt im Jahr 2028 jedoch zumeist nicht spĂŒrbar mehr Netto vom Brutto", sagte der IW-Steuerexperte Tobias Hentze der Deutschen Presse-Agentur. "Sollten die SozialbeitrĂ€ge darĂŒber hinaus steigen, sind Mehrbelastungen absehbar."

Der Rentenbeitrag liegt derzeit bei 18,6 Prozent des Bruttolohns. 2028 wird er laut Prognose der Deutschen Rentenversicherung bei 19,9 Prozent liegen - noch nicht berĂŒcksichtigt sind darin ebenso wie in der IW-Untersuchung Auswirkungen der von der schwarz-roten Koalition geplanten Kapitalrente, die das Rentenniveau stabilisieren soll. DafĂŒr wĂŒrde der von Arbeitnehmern und Arbeitgebern hĂ€lftig gezahlte Rentenbeitrag zusĂ€tzlich um bis zu zwei Prozentpunkte erhöht. Ebenfalls nicht berĂŒcksichtigt sind in der IW-Analyse mögliche Mehrbelastungen bei der Krankenversicherung.

Auch aus Sicht anderer Ökonomen könnten die Entlastungen verpuffen. Marcel Fratzscher, PrĂ€sident des Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW), hatte die von der Koalition geplante Steuerreform unambitioniert genannt. "Eine echte Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen mĂŒsste stĂ€rker bei Sozialabgaben, Transfers oder ErwerbstĂ€tigenzuschĂŒssen ansetzen - dies fehlt jedoch grĂ¶ĂŸtenteils."

Koalition will Beitragsanhebungen vermeiden

Bei der gesetzlichen Krankenversicherung und der Pflegeversicherung ringt die Koalition noch um Einschnitte bei den Ausgaben, um Beitragsanhebungen 2027 zu vermeiden. Die gesetzlichen Krankenkassen legen die ZusatzbeitrĂ€ge dann aber jeweils selbst fĂŒr ihre Versicherten fest. Bei der Pflege legt die Politik den Beitrag direkt fest und will eine allgemeine Anhebung verhindern. Im Blick steht aber ein leicht höherer Beitrag fĂŒr Kinderlose. In beiden Sozialversicherungen soll die Grenze beim Einkommen, bis zu der BeitrĂ€ge fĂ€llig sind, zusĂ€tzlich angehoben werden. Das bedeutet höhere Belastungen fĂŒr Gutverdiener.

"Kalte Progression"

Ein weiteres Problem ist die "kalte Progression". Das ist eine Art schleichende Steuererhöhung, wenn eine Gehaltserhöhung komplett durch die Inflation aufgefressen wird, aber dennoch zu einer höheren Besteuerung fĂŒhrt. So sagte Hentze dem "Handelsblatt", die "kalte Progression" solle offenbar anders als in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr vollstĂ€ndig ausgeglichen werden. FĂŒr viele LeistungstrĂ€ger, insbesondere ohne Kindergeldbezug, bedeute dies gemessen am Realeinkommen eine Steuererhöhung. Der Finanzwissenschaftler Frank Hechtner von der UniversitĂ€t Erlangen NĂŒrnberg sagte dem "Handelsblatt": "Die kalte Progression wird leider in den Jahren 2027 und 2028 nicht ausgeglichen, sodass hier durchaus von einer Mogelpackung gesprochen werden darf."

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