GESAMT-ROUNDUP: Merz und Meloni zelebrieren Freundschaft - Wo bleibt Macron?
23.01.2026 - 17:53:19 | dpa.deBei einem Treffen unter Vorsitz von Bundeskanzler Friedrich Merz und MinisterprÀsidentin Giorgia Meloni in Rom beschlossen beide Regierungen, ihre Zusammenarbeit auszubauen - insbesondere in den Bereichen Verteidigung und wirtschaftliche WettbewerbsfÀhigkeit. Damit reagieren die beiden EU-Partner auf das Vorgehen von US-PrÀsident Donald Trump wie zuletzt im Konflikt um Grönland sowie Russlands Krieg gegen die Ukraine.
Insgesamt wurden acht Vereinbarungen unterzeichnet. Unter anderem sollen neue RĂŒstungsprojekte und gemeinsame Ăbungen der StreitkrĂ€fte angestoĂen werden. Zugleich betonten die Regierungschefs ĂŒbereinstimmend, dass die engere Zusammenarbeit nicht gegen andere Partnerstaaten gerichtet sei. In Europa könnten "wir alle nur zusammen in dieser EuropĂ€ischen Union den Weg gehen".
Merz: "Keine Hierarchie in den Beziehungen"
Auf die Frage, ob Italien nun genauso wichtig sei wie der traditionell engste europĂ€ische Partner Deutschlands, Frankreich, sagte Merz: "Es gibt fĂŒr Deutschland keine Hierarchie in den Beziehungen."
Hintergrund ist, dass der Ausbau der Partnerschaft mit Italien in eine Zeit fĂ€llt, in der es zwischen Deutschland und Frankreich nicht so gut lĂ€uft - gerade im RĂŒstungsbereich. Das von Berlin, Paris und Madrid geplante Luftkampfsystem FCAS steht auf der Kippe. In der Handelspolitik hatte sich Frankreich beim Abschluss eines EU-Freihandelsabkommens mit Lateinamerika quer gestellt. Dann machte Italien nach einigem Zögern den Weg frei, wofĂŒr sich Merz noch einmal sehr bei Meloni bedankte.
Treffen im "VestibĂŒl der schwierigen Lieben"
Die Regierungskonsultationen fanden in der Villa Pamphilj statt, wo Italien wichtige StaatsgĂ€ste empfĂ€ngt. Zuvor trafen sich Merz und Meloni unter vier Augen im "Vestibolo degli amori difficili", dem "VestibĂŒl der schwierigen Liebschaften". Das VerhĂ€ltnis zwischen dem CDU-Kanzler und der Regierungschefin von der Rechtspartei Fratelli d'Italia (BrĂŒder Italiens) ist jedoch alles andere als belastet. Im Gegenteil: Die beiden haben ihre Zusammenarbeit im ersten Dreivierteljahr von Merz' Amtszeit immer weiter ausgebaut. Auch Meloni war voll des Lobes.
Deutschland und Italien wollen unter anderem gemeinsame Projekte bei der Produktion von Drohnen, bei Flug- und Raketenabwehr, Marineschiffen und Unterwassersystemen sowie elektronischer KampffĂŒhrung und Luftkampfsystemen prĂŒfen. AuĂerdem wurde eine neue Fassung eines 2023 vereinbarten geplanten Aktionsplans unterzeichnet. Diese umfasst eine engere Zusammenarbeit bei Polizei und Nachrichtendiensten, auch beim Thema Migration.
Deutsch-italienische VorschlĂ€ge fĂŒr den EU-Gipfel
Mit Blick auf einen EU-Sondergipfel zur wirtschaftlichen WettbewerbsfĂ€higkeit am 12. Februar hatten Deutschland und Italien bereits zuvor die Initiative ergriffen und VorschlĂ€ge zur Vertiefung des EU-Binnenmarkts mit seinen rund 450 Millionen Verbrauchern erarbeitet. Dazu gehört eine VerkĂŒrzung von Genehmigungsverfahren und die Streichung von Rechtsvorschriften. FrĂŒher gingen solche Initiativen hĂ€ufig von Deutschland und Frankreich als "Motor" der EU aus.
Merz bekrĂ€ftigte, dass das Freihandelsabkommen der EU mit den lateinamerikanischen Staaten baldmöglichst nun vorlĂ€ufig in Kraft treten solle. Zugleich kritisierte er die GrĂŒnen, die im Europaparlament fĂŒr eine ĂberprĂŒfung des Abkommens durch die europĂ€ische Justiz gestimmt hatten. "Wir dĂŒrfen uns von denen nicht aufhalten lassen, die ĂŒber den Hebel der Handelspolitik letztendlich die SchwĂ€chung Europas betreiben." Der Kanzler sprach sich fĂŒr baldige weitere Handelsabkommen aus - etwa mit Indien, Mexiko, Indonesien und Australien.
Merz und Meloni gelten als Trump-Versteher
Merz und Meloni hatten bereits den Donnerstagabend beim EU-Gipfel in BrĂŒssel miteinander verbracht, bei dem nach der vorĂŒbergehenden Eskalation des Grönland-Konflikts wichtigstes Thema war, wie es in den Beziehungen zu den USA weitergehen soll. Die beiden gehören zu den europĂ€ischen Regierungschefs mit dem besten Draht zu US-PrĂ€sident Donald Trump.
Schon die Ampel-Koalition unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte bei Regierungskonsultationen im November 2023 einen Aktionsplan fĂŒr eine vertiefte Zusammenarbeit mit Italien vereinbart. Merz versprach bereits bei seinem Antrittsbesuch in Rom im Mai, diesen "auf ein neues Ambitionsniveau" heben zu wollen. Auf die Frage, ob er sich auch einen umfassenden Freundschaftsvertrag mit Italien wie den mit Frankreich vorstellen könne, antwortete Merz in der gemeinsamen Pressekonferenz nicht.
Zwischen Rom und Berlin gibt es regelmĂ€Ăig Regierungskonsultationen - wie mit anderen wichtigen PartnerlĂ€ndern auch. Beteiligt waren diesmal insgesamt fast zwei Dutzend Minister.
Meloni seit mehr als drei Jahren an der Regierung
Meloni steht seit Oktober 2022 an der Spitze einer Koalition aus drei rechten und konservativen Parteien. Inzwischen hÀlt sich ihre Regierung so lange wie kaum eine andere Regierung im Italien der Nachkriegszeit. Die nÀchste regulÀre Parlamentswahl findet im kommenden Jahr statt. In allen Umfragen liegt Meloni mit ihrer Partei vorn.
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