ASML: 1.541,20 Euro vor Quartalszahlen
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 13:52 Uhr, Redaktion boerse-global.de
ASML steht vor einem Test, der weit ĂŒber das eigene GeschĂ€ft hinausreicht. Am Mittwoch legt der niederlĂ€ndische ChipausrĂŒster seine Zahlen zum zweiten Quartal vor â und die gesamte KI-Branche schaut zu. Der Kurs kletterte am Dienstag auf 1.541,20 Euro, ein Plus von 1,41 Prozent, wĂ€hrend Investoren sich vor dem Bericht positionieren.
Die Aktie notiert damit 3,40 Prozent ĂŒber ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1.490,59 Euro. Zum Rekordhoch von 1.748,00 Euro, aufgestellt am 30. Juni, fehlen aber noch 11,83 Prozent. Der Grund fĂŒr die ZurĂŒckhaltung: hohe Erwartungen, hohe Bewertung, hohes Risiko.
Analysten erwarten deutliches Wachstum
ASML ist der weltweit gröĂte Lieferant von Anlagen fĂŒr die Chipproduktion. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 604,72 Milliarden Euro ist der Konzern das wertvollste börsennotierte Unternehmen Europas. Der KI-Boom hat die Aktie allein in diesem Jahr um 55,94 Prozent nach oben getrieben, auf Zwölfmonatssicht steht ein Plus von 123,10 Prozent zu Buche.
FĂŒr das zweite Quartal rechnen Analysten laut LSEG-Daten mit einem Nettogewinn von 2,61 Milliarden Euro â ein Anstieg von 8,8 Prozent. Der Umsatz soll um 14 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro steigen. Susquehanna-Analyst Mehdi Hosseini erwartet einen klaren Ăbertreffer der Prognosen samt angehobenem Ausblick. Seine BegrĂŒndung: ASMLs KapazitĂ€t bis Ende 2027 könnte bereits komplett ausgebucht sein.
Manche Analysten halten sogar die mittelfristigen Ziele des Konzerns fĂŒr ĂŒberholt. Morningstar-Analyst Javier Correonero bezeichnet das 2030er-Umsatzziel von mindestens 44 Milliarden Euro als "sehr wahrscheinlich veraltet". Seine eigene SchĂ€tzung liegt bei 60 Milliarden Euro.
KapazitÀt und China-Risiko im Blick
Neben den reinen Finanzzahlen richtet sich der Blick der Anleger auf die ProduktionskapazitĂ€t. ASML will in diesem Jahr 60 EUV-Anlagen ausliefern, im nĂ€chsten Jahr 80. Theoretisch wĂ€ren sogar 90 Maschinen ohne zusĂ€tzliche KapazitĂ€ten möglich â JPMorgan-Analysten trauen dem Unternehmen sogar bis zu 110 Einheiten zu.
Ein ASML-Sprecher erklĂ€rte gegenĂŒber Reuters, man suche "ĂŒber die 90 hinaus nach kreativen Wegen, um Kunden zu helfen". Dazu zĂ€hlen Upgrades Ă€lterer Maschinen, schnellere Montage und zĂŒgigere Installation. Um das zu stemmen, hat sich der Konzern zusĂ€tzliche Lieferungen langlebiger Bauteile gesichert â darunter Linsen und Spiegel vom deutschen Zulieferer Zeiss sowie Hochleistungslaser von Trumpf.
Ein Unsicherheitsfaktor bleibt bestehen: ein geplantes US-Gesetz wĂŒrde VerbĂŒndete der Vereinigten Staaten zwingen, sich den Exportkontrollen gegen China anzugleichen. ASML wird in dem Gesetzentwurf namentlich genannt.
Deutsche Bank und Bernstein bleiben optimistisch
Trotz der Unsicherheiten bleibt die Stimmung unter Analysten mehrheitlich konstruktiv. Die Deutsche Bank hob ihr Kursziel in diesem Monat von 1.600 auf 1.800 Euro an und bestÀtigte die Kaufempfehlung. Auch Bernstein bekrÀftigte zuletzt seine Buy-Einstufung.
Der RĂŒckblick auf das erste Quartal erklĂ€rt die hohen Erwartungen. ASML meldete damals einen Umsatz von 8,76 Milliarden Euro, ein Plus von 13 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. Der Nettogewinn stieg um 5,4 Prozent auf 2,84 Milliarden Euro, die Bruttomarge lag bei 53 Prozent â am oberen Ende der eigenen Prognose. Im Anschluss hob der Konzern seine Jahresprognose an: Der Umsatz soll nun zwischen 36 und 40 Milliarden Euro liegen, zuvor lag die Spanne bei 34 bis 39 Milliarden Euro.
CEO Christophe Fouquet begrĂŒndete die Anhebung damals mit einem sich verfestigenden Wachstumsausblick der Halbleiterbranche. Die Nachfrage nach Chips ĂŒbersteige das Angebot, Kunden wĂŒrden ihre KapazitĂ€tsplĂ€ne fĂŒr 2026 und darĂŒber hinaus beschleunigen.
Volatile Vorzeichen fĂŒr den Berichtstag
Die Bedeutung des Mittwochs reicht ĂŒber ASML selbst hinaus. In einer Phase, in der viele Investoren nervös auf mögliche Ăbertreibungen bei KI-Technologiewerten blicken, tragen die Zahlen von ASML und Taiwan Semiconductor Manufacturing diese Woche besonderes Gewicht. Der KapazitĂ€ts-Fahrplan des fĂŒhrenden AusrĂŒsters dĂŒrfte zeigen, wie schnell die gesamte Branche noch expandieren kann.
Die 30-Tage-VolatilitĂ€t der Aktie liegt bei knapp 63,99 Prozent annualisiert â ein hoher Wert, der auf entsprechend groĂe KursausschlĂ€ge hindeutet. Bei einem RSI von 48,8 ist der Titel weder ĂŒberkauft noch ĂŒberverkauft, trotz der Rally der vergangenen zwölf Monate. Am Mittwoch dĂŒrften vor allem drei Themen den Ausschlag geben: die Auftragslage, die China-Exposition und die konkreten KapazitĂ€tsplĂ€ne fĂŒr die kommenden Jahre.
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