ASML: 43 bis 45 Milliarden Euro Jahresprognose angehoben
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 07:58 Uhr | Redaktion boerse-global.de
ASML hat mit einem Rekordquartal die eigenen Wachstumspläne massiv nach oben korrigiert, doch der Kurs des niederländischen Lithografiespezialisten spiegelt die Euphorie derzeit nicht wider. Der Ausrüster für die Chipindustrie schloss den Montag bei 1.527,60 Euro und liegt damit 12,61 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Auf Sicht von 30 Tagen hat die Aktie 9,59 Prozent verloren – ein deutliches Zeichen dafür, dass Anleger die starken Geschäftszahlen mit Vorsicht gegen die hohe Bewertung und geopolitische Risiken abwägen.
Starkes zweites Quartal, deutlich angehobene Jahresprognose
Im zweiten Quartal 2026 steigerte ASML den Nettoumsatz auf 9,3 Milliarden Euro, nach 7,7 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Der Nettogewinn kletterte auf 2,9 Milliarden Euro von 2,3 Milliarden Euro, die Bruttomarge lag bei 54 Prozent und damit ĂĽber der eigenen Prognose. Auf dieser Basis hob das Unternehmen seine Jahresprognose 2026 spĂĽrbar an: Der Nettoumsatz soll nun zwischen 43 und 45 Milliarden Euro liegen, zuvor waren 36 bis 40 Milliarden Euro angepeilt. Auch die Margenerwartung stieg von 51 bis 53 Prozent auf nun 54 bis 56 Prozent. FĂĽr das dritte Quartal stellt ASML einen Umsatz von 11 bis 12 Milliarden Euro in Aussicht. CEO Christophe Fouquet beschrieb den Auftragseingang als "extrem stark" und verwies auf die Nachfrage durch Investitionen in KĂĽnstliche Intelligenz, die sowohl fortschrittliche Logik- als auch Speicherchips befeuert.
Kapazitätsausbau als Antwort auf die KI-Nachfrage
Um die Nachfrage zu bedienen, plant ASML eine Erhöhung der Produktionskapazität für EUV- und DUV-Systeme um jeweils 30 Prozent im Jahr 2027, gefolgt von einer weiteren Steigerung um 30 Prozent im Jahr 2028. Das Unternehmen bleibt alleiniger Anbieter von EUV-Lithografiesystemen, ein Monopol, das Analysten von JPMorgan zufolge perspektivisch eine Jahresproduktion von bis zu 110 EUV-Anlagen ermöglichen könnte. Ein Hochleistungssystem der High-NA-Generation kostet nach Marktangaben rund 350 bis 400 Millionen Euro pro Maschine. Intel setzt die High-NA-Technologie bereits für seinen 18A-Prozess ein, während TSMC bei den Kosten der neuen Systeme zurückhaltend bleibt und sie noch nicht im großen Stil einsetzt. Der Anteil Chinas an den ASML-Umsätzen soll 2026 bei rund 20 Prozent liegen, nachdem er zuvor bei über 40 Prozent gelegen hatte – eine Folge verschärfter Exportbeschränkungen, die das Unternehmen zugleich als Risikofaktor benennt. Parallel zum Wachstumskurs hatte ASML im Januar 2026 einen Abbau von rund 1.700 Stellen in den Niederlanden und den USA angekündigt.
Bindungsprämie für Beschäftigte, Bewertung bleibt umstritten
Um Fachkräfte angesichts des harten Wettbewerbs um Chip-Talente zu halten, bietet ASML rund 44.500 bis 45.000 Beschäftigten eine einmalige bedingte Aktienzuteilung im Wert von 20.000 Euro an. Die Zuteilung erfolgt zum 1. Januar 2027, die Sperrfrist endet am 1. Januar 2030 – wer vorher kündigt, verliert den Anspruch. Zum Vergleich: Samsung soll seinen Mitarbeitern Berichten zufolge Boni von bis zu 340.000 US-Dollar bieten, auch TSMC und SK Hynix setzen auf ähnliche Bindungsprogramme. Mehr als die Hälfte der ASML-Belegschaft arbeitet in den Niederlanden, rund 8.500 Beschäftigte sitzen in den USA.
An der Börse bleibt die Bewertung ein Streitpunkt. ASML notiert derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 54,9, während der Branchendurchschnitt bei 45,8 und der Durchschnitt vergleichbarer Wettbewerber bei 66,3 liegt. Acht Analysten stufen die Aktie mehrheitlich mit Kaufempfehlungen ein, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 2.421 US-Dollar. Belastend wirkt zugleich eine Studie des Hague Centre for Strategic Studies im Auftrag der niederländischen Regierung, die dem heimischen Halbleitersektor ein "sehr hohes Risiko" chinesischer Einflussnahme bescheinigt – höher als etwa der maritimen oder der Luftfahrtbranche – und auf jahrelange Spionageaktivitäten gegen ASML und NXP verweist. Die Studie fordert strengere Sicherheitsprüfungen an Standorten wie dem ASML-Sitz in Veldhoven.
Die Kombination aus Rekordzahlen, angehobener Prognose und gleichzeitiger Kurskorrektur zeigt, wie stark der breite Ausverkauf bei Halbleiterwerten – ausgelöst unter anderem durch die Marktreaktion auf das chinesische KI-Modell Kimi K3 – auch ein fundamental gut aufgestelltes Unternehmen wie ASML erfasst hat.
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