ASML, Aktie

ASML Aktie: Prognose auf 43 bis 45 Milliarden Euro

Veröffentlicht: 17.07.2026 um 04:16 Uhr, Redaktion boerse-global.de

ASML erhöht Umsatzprognose für 2026 dank KI-Boom, doch geopolitische Risiken und Exportkontrollen belasten den Aktienkurs.

ASML hebt Jahresprognose erneut an: KI-Boom treibt Nachfrage
Abstrakte Darstellung der Halbleiterindustrie mit futuristischem Glanz und komplexen Mustern, die technologische Präzision und Wachstum symbolisieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der niederländische Lithografie-Spezialist erwartet nun einen Nettoumsatz von 43 bis 45 Milliarden Euro bei einer Bruttomarge von 54 bis 56 Prozent. Der Kurs schloss zuletzt bei 1.567,40 Euro und liegt damit gut zehn Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro aus dem Juni. Auf Monatssicht hat die Aktie 3,88 Prozent verloren, obwohl die operative Entwicklung kaum Anlass zur Sorge gibt.

Starkes zweites Quartal, ambitionierter Ausblick

Im zweiten Quartal 2026 erzielte ASML einen Nettoumsatz von 9,326 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 2,918 Milliarden Euro, das Ergebnis je Aktie lag bei 7,59 Euro. Für das dritte Quartal stellt das Unternehmen einen Umsatz von 11 bis 12 Milliarden Euro und eine Marge von 55 bis 57 Prozent in Aussicht. Rechnet man die bisherigen Halbjahreszahlen und die Q3-Mitte gegen die neue Jahresprognose, ergibt sich für das vierte Quartal ein impliziter Umsatz von rund 14,4 Milliarden Euro – 25 Prozent mehr als im dritten Quartal und 48 Prozent über dem Vorjahresquartal.

Treiber der Anhebung ist die anhaltende Nachfrage nach Chipfertigungsanlagen im Zuge des KI-Booms. CEO Christophe Fouquet spricht von sehr starker Dynamik in den Bereichen DRAM und Advanced Logic. Für 2026 plant ASML mindestens 60 bis 65 Systeme der Low-NA-EUV-Generation, das Unternehmen will die Kapazität bis 2027 auf 80 Einheiten steigern. Für die Jahre 2027 und 2028 ist zusätzlich eine jährliche Kapazitätssteigerung von 30 Prozent bei Low-NA-EUV- und ArFi-Systemen vorgesehen. In Eindhoven entsteht in diesem Quartal ein neuer Campus, zudem arbeitet ASML nach eigenen Angaben mit Elon Musks Terafab-Projekt zusammen.

Preismacht wird zum Thema

Als alleiniger Hersteller von EUV-Lithografiesystemen verschiebt ASML seine Preisstrategie hin zu einer wertbasierten Kalkulation. Finanzchef Roger Dassen deutete laut Berichten der Taipei Times Preisanpassungen für Low-NA-EUV-Systeme an – ein Schritt, der Reibung mit Großkunde TSMC erzeugen könnte, da der taiwanische Auftragsfertiger einer Erhöhung ablehnend gegenübersteht. RBC bewertete das Umfeld dennoch als reif für Preiserhöhungen. Die Analysten von Bernstein sprechen von einer "Triple Happiness" aus Umsatz-, Kapazitäts- und Margenüberraschung und heben ihr Kursziel von 2.300 auf 2.500 Euro an, verbunden mit einer Outperform-Einstufung. Für 2027 rechnet das Haus mit einem Umsatz von 56 Milliarden Euro, für 2028 mit 72 Milliarden Euro. Barclays erhöhte sein Kursziel auf 2.400 Euro bei einer Overweight-Empfehlung, JPMorgan hob sein Ziel von 2.200 auf 2.400 US-Dollar an und bestätigte die Overweight-Einstufung.

Die operative Entwicklung im Speichersegment untermauert den Optimismus: Allein im ersten Halbjahr 2026 erzielte ASML dort einen Umsatz von 6,4 Milliarden Euro, was bereits 76 Prozent des gesamten Vorjahreswerts entspricht.

China-Geschäft bleibt Risikofaktor

Trotz der starken Zahlen bleibt die geopolitische Komponente ein Belastungsfaktor für den Kurs. China soll 2026 rund 20 Prozent des ASML-Umsatzes ausmachen. US-Handelsminister Howard Lutnick äußerte zuletzt den Verdacht, eine EUV-Maschine von ASML könnte unter Umgehung der Exportkontrollen nach China gelangt sein. CEO Fouquet wies die Vorwürfe zurück und verwies auf interne Kontrollmechanismen des Unternehmens. Parallel arbeitet ein überparteilicher Gesetzentwurf im US-Kongress an schärferen Beschränkungen für DUV-Lieferungen von ASML nach China, während die USA mit Investitionen in das Unternehmen xLight eine Alternative zum EUV-Monopol aufbauen wollen.

Die Kombination aus Rekordprognose und politischem Gegenwind erklärt die verhaltene Kursreaktion: Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 1.501,52 Euro, der aktuelle Kurs damit nur moderat darüber. Anleger scheinen die operative Stärke anzuerkennen, blenden die Exportkontroll-Debatte aber nicht aus.

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