ASML: Spionage-Vorwurf vor Quartalszahlen am 15. Juli
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 01:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ein US-Regierungsvertreter wirft ASML vor, seine streng kontrollierten EUV-Maschinen könnten in China gelandet sein. Der Konzern weist das entschieden zurück. Mitten in dieser Kontroverse steht am Mittwoch der Quartalsbericht an — es könnte kaum brisanter kommen.
US-Handelsminister Howard Lutnick hat Vorwürfe erhoben, wonach ASML-Lithografiemaschinen der Extreme-Ultraviolet-Klasse möglicherweise in chinesischen Fabriken auftauchen. ASML-Chef Christophe Fouquet weist die Anschuldigung zurück. Der Konzern verfolge seine Hochleistungsmaschinen mit einem lückenlosen Trackingsystem, so Fouquet. Unautorisierter Zugriff oder Reverse Engineering seien damit ausgeschlossen.
Die EUV-Systeme gelten als Kronjuwelen der Chipindustrie. Nur mit ihnen lassen sich die modernsten Halbleiter für KI-Anwendungen fertigen. An China verkauft ASML deshalb ausschließlich ältere DUV-Anlagen — mit Absicht, um den technologischen Abstand zu wahren.
Der Streit um Exportkontrollen geht weiter
Der Vorwurf reiht sich in eine größere Debatte ein. Am 10. Juli diskutierte die Branche, ob einseitige Exportverbote überhaupt wirken. Manche Analysten argumentieren, nur internationale Abkommen könnten die Risiken rund um fortschrittliche KI-Hardware wirklich eindämmen.
Für ASML ist das mehr als eine akademische Frage. Jede neue Restriktion trifft direkt das Geschäft mit dem wichtigsten Wachstumsmarkt der Branche.
Die Chipbranche boomt trotz allem
Während ASML mit den Vorwürfen kämpft, liefert der Rest der Halbleiterbranche beeindruckende Zahlen. Der Kontext zeigt: Die Nachfrage nach Chiptechnologie bleibt ungebrochen.
- SK Hynix ging am 11. Juli mit einem Volumen von 30 Milliarden Dollar an die Nasdaq. Die Papiere schlossen den ersten Handelstag bei 168,01 Dollar — deutlich über dem Ausgabepreis von 149 Dollar.
- Samsung Electronics meldete für das zweite Quartal 2026 einen vorläufigen operativen Gewinn von 89,4 Billionen Won, umgerechnet 58,4 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von über 1.810 Prozent im Jahresvergleich, getrieben vom KI-Chip-Boom.
- Applied Materials hob seine Wachstumsprognose für Halbleiteranlagen 2026 von 20 auf über 30 Prozent an.
Aktie konsolidiert nach starkem Lauf
Die ASML-Aktie schloss die Handelswoche bei 1.574,20 Euro, ein Minus von 0,51 Prozent am Freitag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 3,30 Prozent zu Buche. Der Blick auf die längere Frist relativiert das: Seit Jahresbeginn liegt das Papier mit 59,28 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sogar mit fast 129 Prozent.
Aktuell notiert die Aktie rund 6,5 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1.477,77 Euro. Zum Rekordhoch vom 30. Juni bei 1.748 Euro fehlen knapp zehn Prozent. Der RSI von 51,1 signalisiert eine neutrale technische Lage — weder überkauft noch überverkauft.
Bei der Bewertung gehen die Meinungen auseinander. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei etwa 60,3 — leicht unter dem Branchenschnitt von 65,1, aber über dem von manchen Analysten als fair erachteten Wert von 53,5. Institutionelle Investoren zeigten im ersten Quartal ein gemischtes Bild: Kestra Advisory Services und Account Management LLC bauten ihre Positionen ab, während Petix & Botte Co und Gradient Investments deutlich zukauften.
Die entscheidende Woche steht bevor
Am Mittwoch, den 15. Juli, legt ASML seine Zahlen zum zweiten Quartal vor. Im Fokus steht der Auftragsbestand, der zuletzt bei 38,8 Milliarden Euro lag, dazu die Umsatzprognose für das Gesamtjahr. Einen Tag später folgt TSMC mit eigenen Zahlen — ein wichtiger Indikator für die Nachfrage nach den neuesten High-NA-EUV-Systemen.
Analysten bewerten ASML derzeit mehrheitlich mit "Moderate Buy". Die durchschnittlichen Kursziele für die US-notierten Aktien liegen bei rund 1.854 Dollar. Ob die Quartalszahlen die Wachstumsstory bestätigen oder die Exportkontroverse neue Nahrung bekommt, entscheidet sich in den kommenden Tagen.
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