ATX, RBI

ATX: Ölpreis bremst, RBI rettet

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 18:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Steigende Ölpreise belasten den Wiener Aktienmarkt, während eine überraschende RBI-Kehrtwende den ATX vor einem stärkeren Rückgang bewahrt.

ATX rutscht ab: Ölpreis-Schock und RBI-Rallye bewegen Wiener Börse
Digitaler Börsenbildschirm mit Aktienkursen vor einer modernen Wiener Skyline bei gedämpftem Licht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Ölpreis zieht Richtung 100 US-Dollar, und der Wiener Aktienmarkt spürt es sofort. Der ATX schloss am Donnerstag 1,06 Prozent tiefer bei 6.459,21 Punkten. Ohne eine überraschende Kehrtwende bei RBI wäre der Rückgang deutlich schmerzhafter ausgefallen.

Auslöser der Nervosität war der Iran-Krieg. Der Brent-Ölpreis überschritt erstmals seit Ende Mai wieder die Marke von 100 US-Dollar je Barrel, nachdem die Houthi-Miliz nach eigenen Angaben zwei saudi-arabische Schiffe im Roten Meer beschossen hatte. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran und den Houthi mit Vergeltung, falls sich solche Angriffe wiederholen. Die Sorge vor Lieferunterbrechungen auf einer der wichtigsten Handelsrouten trieb die Inflationsängste an den Märkten an.

Die EZB ließ ihre Leitzinsen derweil unverändert. Am Markt wird nun mit einer Zinserhöhung im September und einem weiteren Schritt bis Jahresende gerechnet.

RBI dreht ins Plus

Während der breite Markt unter den Ölpreis-Sorgen litt, sorgte ein russisches Gerichtsurteil am späten Nachmittag für Aufsehen. Die RBI-Aktien lagen den Großteil des Handelstages im Minus, drehten dann aber ins Plus und schlossen 3,7 Prozent höher auf einem neuen 18-Jahres-Hoch.

Grund war ein Urteil, das die rechtlichen Risiken für Verfahren außerhalb Russlands verringert. RBI kündigte daraufhin an, Schadenersatzklagen in Milliardenhöhe gegen die Beteiligungsgesellschaft Rasperia in Österreich einzureichen. Barclays-Analyst Krishnendra Dubey wertete die Ankündigung als weiteren positiven Schritt für das Institut — die potenzielle Rückgewinnung entspreche rund 17 Prozent der aktuellen Marktkapitalisierung von RBI, auch wenn das endgültige Ergebnis von weiteren rechtlichen Verfahren abhängt. Die Deutsche Bank hob parallel ihr Kursziel für RBI von 37 auf 40 Euro an, beließ die Einstufung aber bei "Hold".

Bankaktien und Industriewerte unter Druck

Abseits von RBI fiel die Bilanz mager aus. Einzig OMV profitierte vom hohen Ölpreis und legte um 1,7 Prozent zu. Die schwer gewichteten Bankaktien Erste Group und BAWAG gaben dagegen 2,4 respektive 1,7 Prozent nach, belastet von den anziehenden Inflationssorgen.

Unter den Industriewerten traf es voestalpine mit einem Minus von 2,5 Prozent, AT&S büßte im schwachen Sektorumfeld sogar 5,2 Prozent ein. Wienerberger setzte die Talfahrt vom Vortag fort und verlor weitere 4,2 Prozent auf 20,38 Euro — die UBS senkte nach der jüngsten Gewinnwarnung des Baustoffkonzerns ihr Kursziel von 21 auf 18 Euro und bestätigte die Verkaufsempfehlung. Auch bei Verbund blieben UBS und Deutsche Bank bei ihrer Sell-Einstufung, mit Verweis auf die anhaltend niedrigen Wasserstände als Belastungsfaktor für die Stromproduktion.

Der ATX bewegt sich damit weiter in seiner Konsolidierungsspanne zwischen 6.300 Punkten und dem Rekordhoch von knapp 6.600 Zählern. Ob die Ölpreis-Entwicklung im Zuge des Iran-Konflikts die Richtung vorgibt, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen.

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