AUMA Drives: 35-Stunden-Woche als nÀchster Schritt im Osten?
Veröffentlicht am: 20.03.2026 um 02:41 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Angleichung der Arbeitsbedingungen zwischen Ost und West schreitet voran. Nun könnte der sĂ€chsische Getriebespezialist AUMA Drives zum nĂ€chsten Vorreiter fĂŒr die 35-Stunden-Woche werden. Die Belegschaft und die IG Metall setzen auf den Druck erfolgreicher TarifabschlĂŒsse in der Region.
Seit der Wiedervereinigung ist die kĂŒrzere Arbeitswoche ein Symbol fĂŒr Gleichheit. In der westdeutschen Metall- und Elektroindustrie ist sie lĂ€ngst Standard. Im Osten arbeiten viele BeschĂ€ftigte jedoch noch 38 Stunden. Dieser Unterschied wird zunehmend als ungerecht empfunden. FĂŒr Unternehmen wird die Arbeitszeit daher zum entscheidenden Faktor im Wettbewerb um knappe FachkrĂ€fte.
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Branchentrend setzt AUMA unter Druck
Die Bewegung hat Fahrt aufgenommen. Seit Januar gilt die 35-Stunden-Woche im BMW-Werk Leipzig. Ăhnliche AbschlĂŒsse bei Siemens Energy oder Bosch senden ein starkes Signal. Die Grundlage ist ein Tarifvertrag von 2021. Er ermöglicht individuelle StufenplĂ€ne zur Arbeitszeitreduzierung.
Experten sehen darin mehr als Gerechtigkeit. Angesichts des demografischen Wandels ist eine attraktive Arbeitszeit wirtschaftliche Notwendigkeit. Unternehmen, die an der 38-Stunden-Woche festhalten, riskieren Nachteile. Die Gewerkschaft argumentiert zudem mit Gesundheit und ProduktivitÀt: Motiviertere Mitarbeiter arbeiten effizienter.
Coswiger Betrieb mit bewegter Tarifgeschichte
Bei AUMA Drives ist die Lage besonders. Der Spezialist fĂŒr Antriebssysteme hatte nach 2008 lange keine Tarifbindung. Lohn und Arbeitsbedingungen hinkten der Branche hinterher. Mitarbeiter waren unzufrieden, vor allem im Vergleich zu westlichen Standorten der Gruppe.
Im Februar 2023 kam die Wende. Nach Warnstreiks einigten sich IG Metall und GeschĂ€ftsfĂŒhrung. Der Deal brachte ein Lohnplus bis Ende 2024 und eine InflationsprĂ€mie. Entscheidend war eine Verpflichtung: Verhandlungen ĂŒber weitere Branchentarife aufzunehmen. Dies schlieĂt die Arbeitszeit mit ein und legt den Grundstein fĂŒr kĂŒnftige GesprĂ€che.
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Wirtschaftliche Herausforderungen und Chancen
Eine kĂŒrzere Woche bei vollem Lohnausgleich ist eine finanzielle Herausforderung. ArbeitgeberverbĂ€nde warnen vor steigenden Kosten. Doch andere Betriebe zeigen: Flexible, stufenweise Modelle sind machbar. Oft beteiligen sich Belegschaften vorĂŒbergehend an den Kosten.
FĂŒr den Hightech-Hersteller AUMA Drives wĂ€re es eine organisatorische Aufgabe. Die Produktionsprozesse mĂŒssten neu geplant werden, um LieferfĂ€higkeit und QualitĂ€t zu sichern. Die Investition könnte sich aber auszahlen. Höhere Zufriedenheit, weniger Fluktuation und eine bessere Positionierung als Arbeitgeber in der Dresden-Region wĂ€ren der Lohn.
Verhandlungen als SchlĂŒssel zum Erfolg
Die nĂ€chsten Schritte werden am Verhandlungstisch entschieden. Die im Abschluss von 2023 vereinbarte Absicht ist der entscheidende Hebel. Die Erfolge der IG Metall in anderen ostdeutschen Betrieben erhöhen den Druck auf die AUMA-GeschĂ€ftsfĂŒhrung, eine Lösung zu finden.
Die Entwicklung in Coswig wird genau beobachtet. Sie steht exemplarisch fĂŒr den andauernden Kampf um die vollstĂ€ndige Angleichung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. Eine Einigung wĂ€re ein weiterer meilenstein. Sie wĂŒrde zeigen, dass faire Arbeitszeiten und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sein mĂŒssen.
