Autozuliefer Aumovio beendet Rechtsstreit mit BMW - Aktie zieht an
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 20:17 Uhr | dpa.de(neu: weitere Details)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Autozulieferer Aumovio DE000AUM0V10 hat einen Rechtsstreit wegen eines fehlerhaften Bremssystems mit dem wichtigen Kunden BMW DE0005190003 beigelegt. Wegen der Vergleichssumme in Höhe von 350 Millionen Euro senkte das Unternehmen seine Prognose für den Gewinn. Zudem wurde das obere Ende der Umsatz-Zielspanne gekappt. Da Aumovio am Donnerstag aber auch ankündigte, die Zusammenarbeit mit BMW auszuweiten, und zudem von dem Autobauer Aufträge über eine Milliarde Euro erhalten wird, zog die im MDax DE0008467416 notierte Aktie deutlich an.
Der Rechtsstreit ging auf einen Rückruf von rund 1,5 Millionen BMWs im September 2024 zurück. Der Autobauer und der Zulieferer Continental, zu dem Aumovio damals noch gehört hatte, warfen sich die Schuld zu und der Streit eskalierte. Da sich die beiden Kontrahenten nicht außergerichtlich einigen konnten, verklagten sie sich im Sommer 2025 gegenseitig. BMW forderte Schadenersatz für den Rückruf und Conti wehrte sich mit einer Gegenklage gegen die hohe Forderung.
Innerhalb des Vergleichs haben beide Konzerne vereinbart, dass alle Ansprüche erledigt sind, die Gegenstand der rechtlichen Auseinandersetzung waren. Die Einigung mit BMW ist nach Einschätzung des JPMorgan-Experten Jose M Asumendi für Aumovio günstiger ausgefallen als befürchtet. Er bestätigte seine "Overweight"-Einstufung bei einem Kursziel von 62 Euro. Vorsichtiger ist sein Bernstein-Kollege Harry Martin. Er stuft das Papier mit "Market-Perform" ein. Sein Kursziel liegt bei 38 Euro.
Die Unsicherheit über diesen Rechtsstreit habe dazu beigetragen, dass die Aktie des Autozulieferers seit der Abspaltung von Continental mit einem Abschlag zur Konkurrenz gehandelt werde, schrieb er in einer ersten Einschätzung zu der Einigung, die er insgesamt als positiv bewertet.
Der Kurs kletterte nach der Mitteilung um bis zu 17 Prozent auf 43 Euro und damit zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit Februar. Das Niveau konnte das Papier nicht ganz halten, ging aber mit einem Plus von 11 Prozent auf 40,80 Euro aus dem Xetra-Handel. Aumovio hatte früher zum Dax-Konzern DE0008469008 Continental DE0005439004 gehört.
Da sich dieser auf das Reifengeschäft fokussieren will, wurde Aumovio im September 2025 abgespalten. Der erste Kurs der Aumovio-Aktie hatte bei 35 Euro gelegen. Größter Anteilseigner des mit rund vier Milliarden Euro bewerteten Unternehmens ist wie bei Continental die Familie Schaeffler. Diese hält 46 Prozent der Aktien.
Die Zahlung des Vergleichsbetrags in Höhe von 350 Millionen Euro werde in zwei Teilzahlungen im dritten und vierten Quartal geleistet. Bisher hatte Aumovio lediglich Rückstellungen von 54 Millionen Euro getroffen. Der Vergleich belastet daher das Ergebnis des zweiten Quartals. Ohne die Folgen des Vergleichs hätte der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) voraussichtlich 152 Millionen Euro betragen und der Umsatz bei rund 4,31 Milliarden Euro gelegen.
Das ist nach Angaben des Unternehmens mehr als Experten bisher erwartet haben. JPMorgan-Analyst Asumendi stufte die Zahlen als solide ein. Inklusive des Vergleichs wird der bereinigte operative Gewinn voraussichtlich rund 50 Millionen betragen und der Umsatz bei 4,24 Milliarden Euro liegen. "Diese Kennzahlen basieren auf dem bislang ungeprüften Zwischenabschluss. Die vollständige Berichterstattung erfolgt planmäßig am 6. August."
Aumovio senkte wegen des Vergleichs die Prognose für den Umsatz, die operative Marge sowie den Zufluss an Zahlungsmitteln. Die operative Marge gemessen an dem um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde jetzt zwischen 3 und 4 Prozent anstatt wie bisher zwischen 3,5 und 5,0 Prozent erwartet. "Im Einklang mit den für die Gesellschaft geltenden Definitionen bereinigter Kennzahlen wird ein Teil der aus dem Vergleich resultierenden Belastung bei der Ermittlung des bereinigten Ebits als Sondereffekt berücksichtigt."
Das Aumovio-Management hat den Blick wegen des schwachen Abschneidens in den Vorjahren zuletzt vor allem aufs Sparen gerichtet. Noch unter Conti wurden 5.400 Verwaltungsjobs und 1.750 Stellen in der Forschung und Entwicklung gestrichen. Weitere 3.000 Jobs in Forschung und Entwicklung entfielen zum Großteil schon bis Ende 2025, im Januar wurde der Abbau von weiteren 4.000 Stellen in dem Bereich angekündigt. Bei den noch laufenden Sparrunden gehen erneut Arbeitsplätze in Deutschland verloren, der Schwerpunkt liegt aber auf dem Ausland.
Auch in der Produktion hat Aumovio den Rotstift angesetzt. Von weltweit 55 Produktionsstätten Ende 2025 sollen bis Ende 2028 zehn wegfallen. So kündigte das Unternehmen im März an, ein Werk in China dichtzumachen, 1.500 Stellen in der Produktion fallen damit zusätzlich weg. Zwei weitere Fabriken, darunter eine im hessischen Babenhausen, sollen dieses Jahr zusätzlich die Arbeit einstellen. Zwei weitere Standorte in Rheinböllen in Rheinland-Pfalz und Mechelen in Belgien werden verkauft.
