DGB: 123 Milliarden Schaden durch 'Tarifflucht'
12.09.2025 - 06:19:05 | dpa.deDieses Geld entgehe den SozialversicherungstrĂ€gern durch "Tarifflucht und Lohndumping", schreibt der Gewerkschaftsbund in einer neuen BroschĂŒre zum Thema, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuvor berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) darĂŒber.
"Bund, LÀnder und Kommunen nehmen aus demselben Grund circa 24 Milliarden Euro weniger Einkommensteuer ein", hieà weiter. Auf Basis einer Sonderauswertung der Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamts hatte der DGB die Zahl und die Verdienste der nach Tarif und der nicht nach Tarif bezahlten BeschÀftigten untersucht. Hintergrund: "Aktuell profitieren (...) nur noch etwa die HÀlfte aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland von tarifvertraglichen Regelungen", wie der DGB feststellt.
Was der DGB berechnete
Millionen Menschen hĂ€tten - so der Befund des DGB - mangels Tarifvertrags weniger in der Tasche, als dies mit so einer vertraglichen Basis wohl der Fall wĂ€re: "Mit sinkender Tarifbindung verschlechtern sich ihre Arbeitsbedingungen und Einkommensperspektiven." Konkret berechneten die DGB-Fachleute, wie hoch die Mehreinnahmen bei Einkommensteuern und Sozialabgaben bei einer 100-prozentigen Tarifbindung ausfallen wĂŒrden. Dann wurden die gesamten Sozialversicherungseinzahlungen, Steuereinnahmen und das Gesamt-Netto berechnet und mit der aktuellen Situation bei der Tarifbindung verglichen.
Tausende Euro weniger Lohn pro Jahr
Auch die Kaufkraft der arbeitenden Bevölkerung leidet laut DGB unter mangelnder Tarifbindung. WĂ€ren fĂŒr alle TarifvertrĂ€ge gĂŒltig, hĂ€tten die BeschĂ€ftigten demnach rund 58 Milliarden Euro mehr pro Jahr im Portemonnaie. Im Schnitt haben BeschĂ€ftigte ohne Tarifvertrag laut DGB jĂ€hrlich 2.891 Euro netto weniger als TarifbeschĂ€ftigte. Bei BeschĂ€ftigten im Osten ohne Tarifvertrag kommt der DGB sogar auf ein jĂ€hrliches Netto-Minus von 3.451 Euro.
"Addiert man alle Kosten zusammen, also die Mindereinnahmen bei den Sozialversicherungen, dem Fiskus und im Geldbeutel der BeschÀftigten, ergibt sich ein Schaden von 123 Milliarden Euro pro Jahr", so der Gewerkschaftsbund. Dabei hÀtten sich die "Kosten der Tarifflucht" im Vergleich zur vorherigen Auswertung von 2023 leicht von damals 130 Milliarden Euro verringert. Ein Grund: eine "zaghafte" Erhöhung der Tarifbindung in einigen LÀndern, wie der DGB feststellt.
"Eine hohe Tarifbindung ist kein Hemmschuh, sondern Motor fĂŒr wirtschaftliches Wachstum - sie stĂ€rkt die Binnennachfrage und sichert gute, nachhaltige Arbeit", sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell dem RND.
Was die Regierung tut
FĂŒr den Bund hatte die Bundesregierung im August ein Gesetz fĂŒr mehr Tarifbindung im Kabinett auf den Weg gebracht. Bei öffentlichen AuftrĂ€gen des Bundes ab 50.000 Euro sollen Firmen den PlĂ€nen zufolge ihre BeschĂ€ftigten nach Tarifbedingungen bezahlen mĂŒssen.
Konkret heiĂt das, sie mĂŒssten Entgelt, Weihnachtsgeld, Urlaub und Ruhezeiten wie in branchenĂŒblichen TarifvertrĂ€gen gewĂ€hren. Damit hĂ€tten Unternehmen, die sich an TarifvertrĂ€ge halten, bessere Chancen auf AuftrĂ€ge als bisher. Wettbewerbsnachteile von Unternehmen mit Tarifvertrag im Vergleich mit jenen ohne, die dafĂŒr billigere Angebote machen können, sind ein zentrales Argument fĂŒr die Koalition, die Tarifbindung zu stĂ€rken.
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