Finanzierung/Investitionen, Personalien

Mehrere VorstÀnde gehen

29.08.2024 - 20:48:50 | dpa.de

Beim Industriekonzern Thyssenkrupp DE0007500001 ist der Streit um die Neuaufstellung der Stahlsparte weiter eskaliert: Drei StahlvorstÀnde und vier Aufsichtsratsmitglieder werfen hin, darunter auch Chefaufseher Sigmar Gabriel und Stahlchef Bernhard Osburg.

Die Mandate des Vorstandes wĂŒrden mit sofortiger Wirkung enden, erklĂ€rte Gabriel in Duisburg nach einer Aufsichtsratssitzung der Stahlsparte. Die AufsichtsrĂ€te wollen ihre Mandate fristgerecht niederlegen. Erst am Vortag hatten Medien berichtet, dass den drei VorstĂ€nden AufhebungsvertrĂ€ge vorgelegt worden seien.

Gabriel macht Thyssenkrupp-Chef schwere VorwĂŒrfe

Gabriel sieht die Verantwortung fĂŒr die RĂŒcktritte vor allem bei Thyssenkrupp-Chef Miguel LĂłpez. Dieser habe eine "beispiellose Kampagne" gegen den Stahlvorstand öffentlich in Gang gesetzt. Dies sei ein "schwerer Vertrauensbruch". "Offenbar war es das Ziel, den Vorstand zur Aufgabe zu bewegen." LĂłpez hatte dem Stahlvorstand im Zusammenhang mit dessen PlĂ€nen fĂŒr die Neuaufstellung vor rund drei Wochen öffentlich "SchönfĂ€rberei" vorgeworfen. Der Stahlvorstand solle endlich einen langfristig tragfĂ€higen GeschĂ€ftsplan fĂŒr die Neuausrichtung der Stahlsparte vorlegen, hatte LĂłpez gefordert.

Hintergrund ist unter anderem ein erbitterter Streit um die finanzielle Ausstattung der Sparte durch den Mutterkonzern bei der geplanten VerselbststĂ€ndigung und Neuaufstellung. Die bisherigen PlĂ€ne des Stahlvorstands fĂŒr die Restrukturierung gehen dem Mutterkonzern nicht weit genug.

Die Stahlsparte leidet seit Langem unter der KonjunkturschwĂ€che und Billigimporten. Sie muss unter anderem deshalb KapazitĂ€ten und damit auch Personal abbauen. Was das StĂŒhlerĂŒcken in Vorstand und Aufsichtsrat fĂŒr die Zukunft der BeschĂ€ftigten bedeutet, ist derweil noch völlig offen. Der Aufsichtsrat hatte eigentlich einen Plan fĂŒr die Finanzierung der kommenden zwei Jahre fassen wollen - doch dazu kam es nicht.

Die Thyssenkrupp-Stahlsparte ist Deutschlands grĂ¶ĂŸter Stahlerzeuger. 27.000 Menschen sind dort beschĂ€ftigt, allein 13.000 davon arbeiten in Duisburg. Der Betriebsrat befĂŒrchtet im Zuge der Restrukturierung eine "Halbierung der HĂŒtte" und den Abbau Tausender ArbeitsplĂ€tze.

Gabriel feuert auch gegen EigentĂŒmer und Aufsichtsrat Russwurm

Gabriel bezeichnete die Anfang August vom Aufsichtsrat der Stahlsparte verabschiedeten Maßnahmen als "einen erfolgversprechenden Weg in die Neuaufstellung des Stahlunternehmens". Die PlĂ€ne sahen unter anderem den Verkauf der HĂŒttenwerke Krupp Mannesmann vor, an denen Thyssenkrupp Steel zu 50 Prozent beteiligt ist.

"Gut drei Wochen danach mĂŒssen wir mit großem Bedauern feststellen, dass es insbesondere mit dem Vorstandsvorsitzenden der Thyssenkrupp AG mit großer UnterstĂŒtzung seines Aufsichtsrats Differenzen ĂŒber diesen gemeinsamen Weg gibt", so Gabriel weiter. Aufsichtsratsvorsitzender des Mutterkonzerns Thyssenkrupp ist Siegfried Russwurm, der auch PrĂ€sident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie ist.

Die frĂŒhere Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz hatte Gabriel 2022 als Aufsichtsratschef der Stahlsparte geholt, um die UnabhĂ€ngigkeit im Prozess der VerselbststĂ€ndigung voranzubringen. Er verabschiedet sich mit den Worten: "Ich wĂŒnsche den BeschĂ€ftigten vor allen Dingen, dass ihr so gute Chefs bekommt, wie ihr sie jetzt verliert, und bessere EigentĂŒmer als ihr derzeit habt."

IG Metall: "Wir stehen vor einem Scherbenhaufen"

Die IG Metall kritisierte die VorgĂ€nge. "Die Ablösung der drei erfahrenen StahlvorstĂ€nde wirft uns meilenweit zurĂŒck", erklĂ€rte der Zweite Vorsitzende JĂŒrgen Kerner, der auch im Aufsichtsrat der Muttergesellschaft sitzt. Mit diesen Personalentscheidungen werde vom Stillstand bei den eigentlichen Problemen abgelenkt. "Gut ein Jahr nach dem Amtsantritt von Herrn Lopez als CEO stehen wir vor einem Scherbenhaufen."

Kritik kam auch aus der Politik. "Mit dem De-facto-Rauswurf des Stahlvorstandes löst Herr Lopez kein einziges Problem", erklÀrte die SPD-Landesvorsitzende NRW, Sarah Philipp. Im Gegenteil habe er damit jedwedes Vertrauen der Politik, der Belegschaft und in die Mitbestimmung zerstört. "Seine kalkulierte Attacke gegen die Arbeitnehmerseite verschÀrft die Krise des Unternehmens dramatisch."

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