ROUNDUP, Gesundheits-Sparpaket

Gesundheits-Sparpaket soll kommen - Zuckerabgabe in Sicht

28.04.2026 - 16:39:03 | dpa.de

BERLIN - Eine Zuckerabgabe auf Limonaden und Colas, keine Abstriche beim Krankengeld, umstrittene Umstellungen beim Bundeszuschuss: Bei den PlĂ€nen der schwarz-roten Koalition fĂŒr Entlastungen der gesetzlichen Krankenkassen und stabile BeitrĂ€ge kommen noch mehrere Änderungen in Sicht.Das Kabinett soll an diesem Mittwoch GesetzesplĂ€ne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) auf den Weg bringen.

(neu: mehr Details und Hintergrund)

BERLIN (dpa-AFX) - Eine Zuckerabgabe auf Limonaden und Colas, keine Abstriche beim Krankengeld, umstrittene Umstellungen beim Bundeszuschuss: Bei den PlĂ€nen der schwarz-roten Koalition fĂŒr Entlastungen der gesetzlichen Krankenkassen und stabile BeitrĂ€ge kommen noch mehrere Änderungen in Sicht.

Das Kabinett soll an diesem Mittwoch GesetzesplĂ€ne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) auf den Weg bringen. In letzten Abstimmungen zeichnete sich dabei ein kleinerer Einsparpuffer fĂŒr das nĂ€chste Jahr ab. Kassen, Patientenvertreter und Opposition warnen, dass Bundeszahlungen unter dem Strich zu sinken drohen.

Angepeilt wird nun ein Einsparvolumen fĂŒr 2027 von 16,3 Milliarden Euro, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen erfuhr. Das ist mehr als das erwartete Defizit bei den Kassen von 15,3 Milliarden Euro. ZunĂ€chst hatte Warken noch Einsparungen von 19,6 Milliarden Euro fĂŒr 2027 vorgesehen.

In einem neuen Entwurf ihres Ministeriums gestrichen wurde unter anderem eine pauschale KĂŒrzung des Krankengelds, das BeschĂ€ftigte bei mehrwöchiger Krankheit von der Kasse bekommen können. FĂŒr die Gesundheitskosten von BĂŒrgergeldbeziehern soll es zusĂ€tzliche Steuermittel aus dem Haushalt geben, zugleich soll aber der regulĂ€re Bundeszuschuss fĂŒr die Kassen gekĂŒrzt werden.

Ausgabenanstieg soll begrenzt werden

Im Blick stehen Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken und Pharmabranche - aber auch höhere Zuzahlungen fĂŒr Medikamente und EinschrĂ€nkungen der Mitversicherung von Ehepartnern. In dem neuen Entwurf von Dienstag heißt es: "Die in den letzten fĂŒnf bis sieben Jahren sehr hohen VergĂŒtungssteigerungen in allen Bereichen des Gesundheitswesens werden auf ein Maß begrenzt, das den Lohn- und EinkommenszuwĂ€chsen in der Gesamtwirtschaft entspricht und gleichzeitig die VergĂŒtungsgerechtigkeit zwischen den Sektoren stĂ€rkt".

Kassenmitglieder mit derzeit beitragsfrei mitversicherten Gatten sollen nach den geĂ€nderten PlĂ€nen kĂŒnftig einen Beitragszuschlag von 2,5 Prozent zahlen, wie es in dem der dpa vorliegenden Entwurf heißt. ZunĂ€chst waren 3,5 Prozent vorgesehen worden. Kostenlos mitversichert bleiben sollen Kinder, Eltern von Kindern bis zum siebten Geburtstag und von Kindern mit Behinderungen sowie Menschen mit pflegebedĂŒrftigen Angehörigen und im Regel-Rentenalter.

Einstieg in stÀrkere Steuerfinanzierung

Vorgesehen ist laut Entwurf nun auch ein "Einstieg in die kostendeckende Finanzierung" der Gesundheitsversorgung von BĂŒrgergeldbeziehern. DafĂŒr sollen im nĂ€chsten Jahr 250 Millionen Euro zusĂ€tzlich aus dem Bundesetat bereitgestellt werden. Der Betrag soll dann in den Folgejahren schrittweise aufwachsen - auf 1,5 Milliarden Euro 2030. Zugleich soll aber der regulĂ€re Bundeszuschuss an die gesetzlichen Kassen von 14,5 Milliarden Euro gekĂŒrzt werden. Von 2027 bis 2030 sollen je 12,5 Milliarden Euro pro Jahr fließen.

Kassen, Opposition und Patientenvertreter protestierten dagegen scharf. Der Chef der Krankenkasse DAK-Gesundheit, Andreas Storm, nannte dies absurd. "Das deformierte Sparpaket reicht nicht mehr aus, um die BeitrÀge bis 2029 stabil halten zu können." Der Chef des Kassen-Spitzenverbands, Oliver Blatt warnte, das Reformpaket drohe aus dem Gleichgewicht zu geraten. "Nach wie vor sollen Zuzahlungen erhöht und die Pharmaindustrie geschont werden."

GrĂŒnen-HaushĂ€lterin Paula Piechotta kritisierte, Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) nutze die Reform, um den Haushalt zu entlasten. Das sei an Dreistigkeit nicht zu ĂŒberbieten. Der Sozialverband Deutschland sprach von einem "Tropfen auf den heißen Stein".

Der Bund zahlt fĂŒr BĂŒrgergeldbezieher, die generell gesetzlich versichert sind, einen pauschalen Beitrag an die Kassen. In diesem Jahr sind es 144 Euro im Monat. Um die Kosten zu decken, mĂŒssten es nach einem Gutachten im Auftrag der Kassen aber rund 311 Euro sein. Wie eine Regierungskommission erlĂ€uterte, bringen die Kassen rund zwölf Milliarden Euro im Jahr dafĂŒr auf, die aber aus dem Bundeshaushalt kommen sollten.

Zuckersteuer soll kommen

Kommen soll dem Entwurf zufolge nun auch ein weiteres Gesetzesverfahren, mit dem ab 2028 eine Abgabe auf zuckergesĂŒĂŸte GetrĂ€nke eingefĂŒhrt werden soll. Das geschĂ€tzte Aufkommen von jĂ€hrlich 450 Millionen Euro soll dann auch der Krankenversicherung entlastend zukommen.

Hintergrund sind Empfehlungen der vom Gesundheitsministerium eingesetzten Kommission, die ReformvorschlĂ€ge vorgelegt hatte. Die Experten schlugen unter anderem auch die EinfĂŒhrung einer gestaffelten Steuer auf zuckergesĂŒĂŸte ErfrischungsgetrĂ€nke wie Colas und Limonaden vor. VerbraucherschĂŒtzer und Ärzte werben seit langem fĂŒr eine Zuckersteuer als Anreiz, um zu einer gesĂŒnderen ErnĂ€hrung und weniger Übergewicht und Diabetes vor allem bei Kindern zu kommen. Die Lebensmittelbranche macht Front dagegen.

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis  Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
de | boerse | 69253048 |