ROUNDUP, Lösung

Lösung im Rentenstreit nicht in Sicht

18.11.2025 - 16:14:29 | dpa.de

BERLIN - Im Rentenstreit der Koalition sind die Fronten trotz nĂ€her rĂŒckender Entscheidungsfrist verhĂ€rtet.

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BERLIN (dpa-AFX) - Im Rentenstreit der Koalition sind die Fronten trotz nĂ€her rĂŒckender Entscheidungsfrist verhĂ€rtet. Die Junge Gruppe der CDU/CSU-Fraktion pocht weiter auf Änderungen am geplanten Reformgesetz - die SPD lehnt diese ab.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte: "Ich gehe davon aus, dass wir das Rentenpaket, zu dem ja nicht nur die sogenannte Haltelinie (...) zĂ€hlt, dass wir das gesamte Paket, so wie wir es in der Koalition geplant haben, auch noch in diesem Jahr verabschieden werden." Die Junge Gruppe in der Unionsfraktion hĂ€lt den Entwurf aber "im Moment nicht fĂŒr zustimmungsfĂ€hig", sagte ihr Vorsitzender Pascal Reddig (CDU) dem "Stern" dagegen. "Daran hat sich natĂŒrlich nichts geĂ€ndert." Die 18-köpfige Gruppe könnte die Reform durch ein geschlossenes Nein im Parlament scheitern lassen. Merz sagte bei seinem Antrittsbesuch im sachsen-anhaltischen Halle: "Wir fĂŒhren im Augenblick natĂŒrlich GesprĂ€che in der Koalition."

"Wer die Koalition gefÀhrdet, sitzt in der Union"

Die fĂŒr die Rente zustĂ€ndige Arbeitsministerin BĂ€rbel Bas (SPD) winkte auf die Frage nach weiteren Kompromissmöglichkeiten ab. "Nein, es ist ja fest vereinbart", sagte die SPD-Chefin beim Wirtschaftsgipfel der "SĂŒddeutschen Zeitung". Zwar könnten Gesetzesvorlagen im Parlament grundsĂ€tzlich geĂ€ndert werden. Doch bei der Rente gebe es eine "feste Vereinbarung". "Wenn das in den eigenen Reihen nicht kommuniziert wird, dass das so ist, ist das nicht mein Problem."

Zur geplanten Bundestagsabstimmung ĂŒber das Gesetz sagte Bas: "Wenn das jetzt nicht gelingt, dann haben wir gar keine Reform - das hĂ€ngt ja alles miteinander zusammen." Dann werde es "unruhig" werden. "Es ist schon unruhig. Machen wir uns nichts vor." Heftige Kritik ĂŒbte Bas an der Jungen Gruppe der Unionsfraktion. "Wer gerade die Koalition gefĂ€hrdet, sitzt in der Union." Sie sagte: "Das ist eine Gruppe, von der ich den Konflikt nicht ganz verstehe, der jetzt da hochgezogen wird." AufgefĂŒhrt werde "ein Popanz".

Um was es geht

Umstritten ist der Satz im Gesetzentwurf: "Auch nach 2031 liegt das Rentenniveau um rund einen Prozentpunkt höher als im geltenden Recht." In der Konsequenz geht es darum, wie hoch die jeweils im Sommer stattfindenden Anpassungen der Renten in den Jahren ab 2032 ausfallen werden. Unstrittig ist, das das Rentenniveau bis 2031 bei 48 Prozent gehalten werden soll. Das ist das VerhÀltnis einer standardisierten Rente zu einem durchschnittlichen Einkommen. So ein Rentner hat 45 Jahre Beitragszahlung auf Durchschnittslohn-Basis.

Das Niveau, wie geplant, mit der sogenannten Haltelinie zu sichern, bedeutet, dass die Renten weiter mit den steigenden Einkommen Schritt halten. Es wĂŒrde sonst sinken, da in den kommenden Jahren die Zahl der Rentenbeziehenden im VerhĂ€ltnis zu der Zahl der Beitragszahlenden immer höher wird. Das liegt an den geburtenstarken Babyboomer-JahrgĂ€ngen ab Mitte der 50er Jahre mit jeweils mehr als einer Million Geborenen pro Jahr. Sie gehen fortan verstĂ€rkt in Rente. Ein sinkendes Rentenniveau bedeutet weniger stark steigende Renten. Bas bezeichnete die Haltelinie deshalb als "eine ArmutsprĂ€ventionsgrenze".

Warum die Zeit drÀngt

Im Dezember soll das Gesetz verabschiedet werden, weil es zum 1. Januar in Kraft treten soll. Auch die erweiterte MĂŒtterrente soll mit diesem Gesetz beschlossen werden. Merz hatte zudem die Aktivrente genannt, die im Januar starten solle. Das gesamte Gesetzgebungspaket mĂŒsse noch durch den Bundestag. Die Aktivrente soll nach einer CDU-Idee steuerfreien Verdienst bis 2.000 Euro nach Renteneintrittsalter ermöglichen. Erreicht werden solle die Bundesratssitzung am 19. Dezember, so Merz. Bas sagte, Haltelinie und MĂŒtterrente, Aktivrente, geplante FrĂŒhstartrente, BetriebsrentenstĂ€rkung und die geplante Riester-Reform hingen zusammen.

Reddig pochte aber weiter auf Änderungen. "Es gibt Lösungen, wenn auch die SPD ein Interesse daran hat." Auch der Vorsitzende der Jungen Union, der Abgeordnete Johannes Winkel, sagte in der ARD: "Man darf jetzt keine Vorfestlegung bis in die 30er-Jahre treffen mit ĂŒber 120 Milliarden Euro, die jetzt beschlossen werden sollen."

Streitpunkt: Milliardenkosten

Winkel meinte damit die Kosten, die dem Bund entstehen sollen. Der Bund soll der Rentenversicherung laut Bas` Entwurf die Mehrkosten durch die Haltelinie erstatten. Auch die Rentenversicherung geht von dreistelligen MilliardenbetrĂ€gen aus - laut dem Vorsitzenden ihres Bundesvorstands, Alexander Gunkel, von rund 111 Milliarden Euro von Mitte 2032 an bis 2040. Dabei werden die Kosten fĂŒr die einzelnen Jahre addiert. Bas argumentierte, der Staat mĂŒsse auch viel Geld bezahlen, wenn wegen Ausbleibens der Reform den Menschen ihre Rente nicht reiche - ĂŒber die Grundsicherung im Alter.

SPD pocht auf Einhaltung von Kompromiss

Im Fall eines Renten-Scheiterns stellte Bas andere BeschlĂŒsse der Koalition infrage. Zu bedenken sei, "was das fĂŒr schwere Kompromisse fĂŒr uns waren". Sie nannte etwa die BĂŒrgergeldreform oder EinschrĂ€nkungen beim Familiennachzug fĂŒr GeflĂŒchtete. "Wir haben gestanden."

"Hier geht's schon um einen Grundsatz, ob es uns gelingt, bei einem Sachthema beieinanderzubleiben - ja oder nein", sagte die SPD-Chefin. Die Zusammenarbeit mit Merz laufe ĂŒberraschend gut. "Jetzt mĂŒssen wir nur noch schauen, dass die Fraktionen diese Zusammenarbeit umsetzen." Auch die SPD-Sozialpolitikerin Annika Klose will ihre Position zur Rente nicht Ă€ndern. "Denn das war einer unserer "big points" als SPD in diesem Koalitionsvertrag", sagte sie dem Sender Phoenix. In Richtung CDU-FĂŒhrung fragte sie: "Habt Ihr das im Griff?"

Alle warten auf Rentenkommission

Merz, Bas und Winkel setzen nach jeweils eigenen Worten auf die Rentenkommission. Fest vorgenommen habe sich die Koalition, vor der Sommerpause 2026 noch eine weitergehende Rentenreform anzuschieben, so Bas. Diskutiert werde auch, wer kĂŒnftig einzahlen solle. Die Arbeitsministerin erinnerte an ihren Vorschlag: "Alle gehören da hinein perspektivisch": Auch die junge Generation mĂŒsse mitdiskutieren. Sie selbst sei redebereit. "Daneben muss es einen politischen Prozess geben." Entwickelt werden soll laut Bas ein "deutsches Modell" mit Elementen aus Schwedens, Österreichs und DĂ€nemarks jeweiligem Rentensystem.

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